Ingo Appelt betätigt sich in Hamm als „Messias“

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Ingo Appelt ▪

HAMM ▪ Wenn es nach Ingo Appelt geht, sind Männer schlimm und einfach eklig. Um das zu beweisen, führte er am Mittwoch in der Werkstatthalle des Maximilianparks vor gut 400 Zuschauern dutzende Gründe an. Von Rabea Wortmann.

Dabei verfolgte der Kölner Comedian eine Mission: Er wolle den Männern die Augen öffnen, damit sie das andere Geschlecht verehren. „Es soll eine Art Erweckungsabend werden und ich bin euer Messias“, stieg er ins Programm ein, das viele Klischees zu „typisch Mann“ und „typisch Frau“ bot.

„Männer sind am Anfang einer Beziehung immer ganz romantisch, aber dann nicht mehr“, wusste Appelt, der sich seine Thesen immer wieder von Besucherinnen bestätigen ließ. Obwohl – oder gerade weil – er ständig mit derben Sprüchen auftrumpfte, landete er einen „Kracher“ nach dem anderen. Appelts Konzept: Er greift Dinge des Alltags auf, die viele Menschen aus eigener Erfahrung kennen, aber nicht offen aussprechen.

Nicht immer blieb der Comedian politisch korrekt: So machte er Witze über Wolfgang Schäuble („Ich schäuble meine Probleme einfach weg, also ich schiebe sie vor mir her“) ebenso wie über Thilo Sarrazin, den er „eine Mischung aus Adolf Hitler und Didi Hallervorden“ nannte und ihn auf unterhaltsame Weise imitierte. Neben Alltagsszenen und Prominenten, die er lächerlich machte, griff er immer wieder Frauenthemen auf: „Frauen stehen auf Humor, Comedystars müssten also eigentlich Helden sein“, sagte er, widerlegte diese These jedoch gleich wieder, indem er viele Kollegen seiner Branche nachäffte: „Michael Mittermeier redet, als hätte er in einer Hundeschule das Sprechen gelernt“, gab er ein Beispiel, während die Zuschauer angesichts der perfekten Stimmenimitation tatsächlich Mittermeier auf der Bühne wähnten.

Dass das selbsternannte Sexsymbol mit seinem Humor bei Frauen punktet, bewies eine Zuschauerin, die sich freiwillig meldete, um sich von Appelt mit einem Lied „anbeten“ zu lassen. Sie küsste, streichelte und umarmte ihn auf der Bühne – sehr zur Unterhaltung der Zuschauer. „Das habe ich auch noch nie erlebt“, meinte Appelt, bekam damit aber die Bestätigung, dass seine Mission, Frauen wie Göttinnen zu behandeln, gelungen war.

Warum Männer wirklich schlimm sind, bewies er nochmal ganz zum Schluss: Nach einem Striptease stand Appelt nur noch in Boxershort auf der Bühne und meinte: „Ich fühle mich gerade, als wäre ich beim Selbstbefriedigen erwischt worden.“ Doch genau dieser derbe Humor war es, der zweieinhalb Stunden bestens unterhielt – selbst, wenn Appelt die Zuschauer für ihre Verklemmtheit kritisierte. „Der Witz ist aber morgen das erste, was ihr auf der Arbeit erzählt“, wusste er, dass er viele Dinge auf komische Weise angesprochen hat, die andere Menschen nur hinter verschlossenen Türen aussprechen. Die Zuschauer jedenfalls kamen kaum aus dem Lachen heraus.

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