300 bis 400 Kilometer am Tag

Ingmar Sroka aus Hamm: In nur drei Rad-Etappen nach Schweden!

Geschafft! Ingmar Sroka erreicht das Rennen Vätternrundan in Schweden.
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Geschafft! Ingmar Sroka erreicht das Rennen Vätternrundan in Schweden. (Ein Klick rechts oben ins Bild zeigt das komplette Motiv.)

Ingmar Sroka aus Hamm hat sich einen ungewöhnlichen Traum erfüllt. Er absolvierte die Rundfahrt um den Vätternsee in Schweden. Die 1000 Kilometer dorthin fuhr er von seiner Heimatstadt aus ebenfalls mit dem Fahrrad - in nur drei Tagesetappen!

Wambeln/Motala – 315 Kilometer an einem Tag – das klingt für einen Hobbyradfahrer durchaus nach einer anstrengenden Radtour. Wenn dies allerdings mit einem Volksfest verbunden ist, wie bei der so genannten Vätternrundan in Südschweden, dann kann eine solche Strecke sogar zu einem echten Erlebnis werden. Ingmar Sroka aus Wambeln hat sich diesen Traum erfüllt. Er absolvierte jetzt die Rundfahrt um den Vätternsee und ließ sich dabei von der guten Stimmung am Straßenrand tragen.

Die Zuschauer hätten ihn womöglich sogar auf Händen getragen, wenn sie von seiner tatsächlichen Leistung gewusst hätten. Denn Ingmar Sroka war aus Hamm nach Skandinavien mit dem Fahrrad angereist. Über 1000 Kilometer hatte der Wambelner bereits in den Beinen, als er seine Startnummer für das Rennen ans T-Shirt heftete. Und hätte die Achillessehne nicht gezwickt, so hätte er auch die Heimfahrt auf den Rad vollbracht. So nutzte er die Bahn auf den Weg zurück nach Hause.

Mit großem Respekt hatte sich Sroka an dieses Abenteuer herangewagt. Zwar sitzt er oft und gerne im Sattel, ein echtes Vorbereitungstraining hatte er sich aber nicht ausgedacht. „Ich bin zuletzt täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit nach Münster gefahren“, erklärt er. Beim letzten Mal sogar mit den Gepäckstücken, um auch für das zusätzliche Gewicht ein Gefühl zu bekommen. Mehr Training gab es nicht.

Der See war das Ziel: Ingmar Sroka in Schweden.

In drei Etappen legte er die Fahrt nach Schweden zurück, die Tagesstrecken lagen zwischen 300 und 400 Kilometer. Tour 1 endete bei seiner Schwester in Itzehoe – 340 Kilometer entfernt. Mit ein paar Pausen benötigte er dafür etwas über 15 Stunden. „Es gab ausgerechnet ziemlich starken Nordwind, der mir unentwegt entgegenkam“, berichtet der Hobbyradfahrer, dass die Fahrt es trotz der zumeist flachen Landschaft in sich hatte. „Zwischendurch, bei endlos gerader Strecke und Gegenwind denkt man sich dann schon, warum man das überhaupt macht“, erzählt er mit einem Schmunzeln. „Eine solche Strapaze spielt sich zu 30 Prozent in den Beinen und zu 70 Prozent im Kopf ab.“ Doch den inneren Schweinehund habe er immer wieder besiegen können.

Viel Zeit zum Ausruhen blieb ihm bei seiner Schwester nicht. Nach einer kleinen Stärkung, einer Mini-Mütze Schlaf und mit einem aufgeladenen Handy ging es früh morgens wieder los. Denn die nächsten beiden Tagesetappen sollten ein ähnliches Kaliber haben. „Die Tour war urlaubsbedingt recht knapp geplant“, erklärt er. Und so saß er schnell wieder im Sattel, nahm Kurs auf Fehmarn, von dort mit der Fähre rüber nach Dänemark und weiter an Kopenhagen vorbei zur nächsten Überfahrt von Helsingor nach Helsingborg (Schweden) – 352 Tageskilometer waren absolviert, als Sroka sich nur noch auf eine Dusche im Hostel freute. „Der Gegenwind hatte nicht aufgehört. Und in Dänemark ist oft kein Windschutz, da freut man sich über jedes Maisfeld“, erzählt er von zum Teil anstrengenden Abschnitten. Ansonsten habe er Glück mit dem Wetter gehabt, es sei fast durchgehend sonnig gewesen.

Auch solche Teilstrecken musste Sroka mit dem Rad bewältigen. Eigentlich ein Alptraum für jeden Radler.

Am nächsten Morgen startet er früh zur letzten Etappe bis zu seinem Ziel, dem Startpunkt der Vättern-Rundfahrt in Motala. In Schweden wurde das Gelände dann welliger, „manchmal vergleichbar mit der Haar“, so Sroka. 1600 Höhenmeter musste er bewältigen. Aber auch hier ließ er sich von seiner App auf dem Handy navigieren. „Das klappt in den meisten Fällen wirklich gut. Da wird genau beschrieben, wo Asphalt, wo Kopfsteinpflaster, wo nur Schotter liegt“, lobt Sroka die Technik.

Die Vätternundan

Das Volksradfahren rund um den See Vättern lockt Jahr für Jahr Tausende semiprofessionelle und Hobby-Radfahrer aus der ganzen Welt an. 315 Kilometer lang ist der Rundkurs und verlangt den Teilnehmer einiges ab. Medaille und Urkunde nehmen die „Finisher“ als Erinnerung mit – und vor allem das Erlebnis. Die „Bike-Week“ zieht auch unzählige Fans an, die an den Straßenrändern kleine Volksfeste feiern. Selbst nachts und am frühen Morgen campen Zuschauer vor ihren Häusern und feuern die Teilnehmer an. Das Rennen findet eigentlich im Juni statt, wegen Corona in diesem Jahr im September.

Dass er jemals ein so begeisterter Radfahrer werden würde, hätte er selbst nie für möglich gehalten. Bis 2010 hatte er dafür gar nichts übrig, er belächelte damals seine Arbeitskollegen, die morgens mit dem Rad kamen. „Aber dann habe ich mir ein Fitness-Bike zugelegt und irgendwann packte mich der Ehrgeiz“, erzählt er. 500 bis 600 Kilometer pro Woche waren plötzlich keine Seltenheit mehr. Und auch das Interesse an längeren Touren stieg. „Entlang der Nordseeküste bin ich bereits einmal gefahren“, erzählt er. Die Schweden-Tour war der bisherige Höhepunkt. Und bis zum Nordkap wäre ein Traum...

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