Danai Tzetze und ihre Kaffeemanufaktur

Gaumengenuss statt Getreide: In Pohls Mühle ist Ruhe eingekehrt

Danai Tzetze führt die „Kaffeemanufaktur Pohls Mühle“.
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Neues Ambiente, neue Philosophie: Danai Tzetze (hinten, vorne präsentiert Tochter Lisa Maria eine Firmen-Röstung) führt die „Kaffeemanufaktur Pohls Mühle“.

Es hat viele ambitionierte Versuche gegeben, für Pohls Mühle eine neue Nutzung zu finden. Nun ist ein wesentlicher Teil des denkmalgeschützten Objekts in Hamm in ruhigeres Fahrwasser gelangt.

Hamm – Kaffee wird hinder den Mauern von Pohl‘s Mühle am Nordenwall zwar schon seit Ende 2019 geröstet, doch zwischenzeitlich hat sich der Betrieb noch einmal neu aufgestellt. Nach der Trennung von ihrem ehemaligen Geschäftspartner betreibt Danai Tzetze hier nun die „Kaffeemanufaktur Pohls Mühle“.

Tzetze ist für viele ein bekanntes Gesicht in der Hammer Gastro-Landschaft. Von 2002 bis 2019 war sie Inhaberin der „Brasserie“ im Allee-Center. Dann entschied sie sich für Kaffee und fand in den Räumen von Pohls Mühle einen in ihren Augen idealen Standort. „Ich kann mir keinen schöneren Ort vorstellen“, sagt sie. Den habe sie auf keinen Fall aufgeben wollen, als sie den Betrieb neu aufstellte.

Der Name „Kaffeemanufaktur Pohls Mühle“ sei ganz bewusst gewählt, denn sie wolle an der Tradition festhalten und die Identifikation mit dem Ort zum Ausdruck bringen. Der ehemalige Mühlenbetreiber und Eigentümer Bruno Pohl steht hinter ihr. Er gestattete Tzetze sogar, das alte Familienlogo mit den zwei Löwen dem neuen Gewerbe anzupassen: Statt einen Mühlstein umgeben die Großkatzen nun eine Kaffeetasse. Das Motiv ist auf den Verpackungs-Etiketten aufgedruckt.

„Bestehendes mit Liebe und Herz fortführen“

„Ich habe großen Respekt vor der Tradition“, sagt Danai Tzetze. „Ich möchte hier nicht einfach alles umkrempeln und Wände einreißen, sondern Bestehendes mit Liebe und Herz fortführen.“ Aus dem ehemaligen Verkaufsraum der Mühle und Futtermittelhandlung ist ein gemütliches Café geworden. Der Röstautomat ist aus dem Blickfeld verschwunden und einen Raum weiter in die Halle zwischen Mühle und Café gewandert. Wenn Corona und das Wetter es zulassen, kann aber auch dieser nach außen für Gäste geöffnet werden. Vieles von der alten Einrichtung ist noch vorhanden. In den ehemaligen Getreideboxen befindet sich jetzt allerdings Kaffee.

Diesen bezieht Tzetze als Rohbohnen von den bisherigen internationalen Lieferanten. Von der Bohne bis zur Tasse lautet das Prinzip: rösten, mahlen, verpacken – alles in einer Hand. Einige neue Sorten und Mischungen seien inzwischen hinzugekommen, sagt sie, zum Beispiel aus 100 Prozent Arabica unterschiedlicher Herkunft. Gut 15 Sorten hat sie im Angebot. Wer sich nicht schlüssig ist, was für ihn oder sie die richtige Mischung ist, bekommt ein Probiertütchen für Zuhause und kann dann entscheiden.

„Corona hat uns die Beine abgeschnitten“

Neu – und insofern macht Corona auch erfinderisch – ist Kaffee mit Unternehmensetikett, wie zuletzt beispielsweise für die Sparkasse. Firmen können die Sorte wählen, dann mahlen und etikettieren lassen und das Produkt beispielsweise an ihre Kunden weitergeben. Aber auch größere Abfüllungen für den Hausgebrauch sind nun möglich.

Wegen Corona ist der Café-Betrieb momentan natürlich nicht möglich. Kunden können aber ihre Sorten abholen und Kaffee im „To-go“-Format genießen. Wie alle anderen Gastronomen hofft auch Danai Tzetze, die Kunden bald im Ladenlokal und gegenüber in der Grünanlage bewirten zu können. „Corona hat uns die Beine abgeschnitten, und die Hilfen vom Staat sind mager“, sagt sie. „Aber wir sind überzeugt von dem, was wir hier tun und machen weiter.“

Eine Kundin, die gerade ihren Kaffee abholt, macht ihr Mut: „So etwas hat in Hamm gefehlt. Der Kaffee und das Ambiente sind die Gründe, warum ich hierher komme.

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