Sandra Steinkamp aus Rhynern macht Hunde fit für die Kamera

In Hamm werden Filmhunde trainiert, die sogar „Tatort“-Leichen finden

Eingespieltes Team: Filmhundtrainerin Sandra Steinkamp und Journo, ihr Australian Working Kelpie.
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Eingespieltes Team: Filmhundtrainerin Sandra Steinkamp und Journo, ihr Australian Working Kelpie. Matti, den schwarzen Labradormischling, hat sie erst dieses Jahr bekommen. Ob auch er sich als Filmhund eignet, wird sich noch zeigen.

Sandra Steinkamp aus Hamm trainiert Filmhunde für tierisch gute Auftritte vor der Kamera. „Jeder Dreh ist eine tolle, spannende Erfahrung“, sagt sie. Aber es stecke auch viel Arbeit dahinter.

Hamm - Von „Lassie“ über „Boomer, der Streuner“ bis hin zu „Kommissar Rex“: Die Liste vierbeiniger Filmstars ist lang. Doch es gibt nicht nur die berühmten Serienhelden. Auch in zahlreichen anderen Filmproduktionen spielen Hunde eine Rolle. Die Rhyneranerin Sandra Steinkamp weiß, wie es hinter den Kulissen zugeht. Als Filmhundtrainerin schult sie Vierbeiner für ihren Einsatz vor der Kamera und begleitet sie zum Filmset. Das Einsatzgebiet der Hunde reicht von Serien über Fernseh- und Kinospielfilme bis hin zu Werbespots und Videoclips.

Steinkamp liebt Hunde. Und das war schon immer so. Während ihre Schulfreundinnen sich ein Kaninchen wünschten oder Meerschweinchen knuddelten, bekam sie mit sieben Jahren ihren ersten eigenen Hund: Jana, eine Deutsche Schäferhündin aus dem Tierheim. „Den oder keinen, habe ich gedacht, als ich vor dem Zwinger stand“, erinnert die 41-Jährige sich lebhaft an diesen Schlüsselmoment. Inzwischen ist sie seit vielen Jahren ehrenamtlich in der BRH (Bundesverband Rettungshunde) Rettungshundestaffel Warendorf-Hamm tätig, Inhaberin einer „Martin Rütter DOGS Hundeschule“ in Rhynern und arbeitet als Filmhundtrainerin für die Filmhund-Agentur B4animals in Dortmund.

„Jeder Dreh ist eine tolle, spannende Erfahrung. Es ist eine eigene Welt, irgendwie magisch“, erzählt Steinkamp begeistert. Dennoch steckt hinter jedem tierisch guten Auftritt viel Arbeit. Im Vorfeld gibt es Absprachen mit dem Regisseur oder dem Filmproduzenten. Was wird verlangt? Welcher Hund eignet sich für die Rolle? Dazu greift die Filmhund-Agentur auf einen Pool von Filmhunden zurück, die ganz normal in Familien leben. Auch „Journo“, Steinkamps eigener Hund, hat Filmerfahrung. In einem Münster-Tatort startete der Australian Working Kelpie seine Karriere vor der Kamera: Schnuppernd identifizierte er eine Film-Leiche. „Er ist nicht länger als zwei Minuten zu sehen, doch es hat einen ganzen Drehtag gedauert, bis alles im Kasten war“, berichtet Steinkamp.

Filmhundetrainerin Sandra Steinkamp

Filmhundetrainerin Sandra Steinkamp
Filmhundetrainerin Sandra Steinkamp
Filmhundetrainerin Sandra Steinkamp
Filmhundetrainerin Sandra Steinkamp
Filmhundetrainerin Sandra Steinkamp

In Hamm werden Filmhunde trainiert: Reichlich Training vor dem Dreh

Viele Filmhunde stehen richtig gerne im Rampenlicht, beobachtet die Hundetrainerin immer wieder. Vierbeiner, die stete Wiederholung mögen, eignen sich besonders gut für die Schauspielerei. Manche Szenen werden bis zu 15 Mal gedreht. Doch Geduld ist auch in anderer Hinsicht gefragt. Denn: Etwa die Hälfte der Zeit am Film-Set verbringen die vierbeinigen Schauspieler mit Warten, während rundherum Umbauten stattfinden oder hundelose Szenen gedreht werden. Für die Drehtermine, die in ganz Deutschland stattfinden, fährt Steinkamp oft weite Strecken. Daher ist es eine wichtige Voraussetzung für einen Filmhund, gerne im Auto zu reisen.

„Anfangs hatte ich mir das alles einfacher vorgestellt. So nach dem Motto: Der Hund macht vor der Kamera ein paar Tricks, und das war‘s dann“, offenbart die Filmhundtrainerin schmunzelnd. Heute weiß sie: Vor dem Dreh ist reichlich Training angesagt. Sie studiert mit den Hunden ihre Rollen ein und trainiert Abläufe, meist schon mit den Originalrequisiten. „Das funktioniert nicht mal eben so. Und es klappt nur über Motivation. Zwang bringt da gar nichts. Letztendlich machen die Hunde nichts anderes als das, was sie vorher gelernt haben. Wenn es dann später mit Musik und Schnitt in Szene gesetzt wird, wirkt es erst richtig.“

Mehr zum Thema online finden:

DOGS Hundeschule in Rhynern: www.martinruetter.com/hamm

Filmhund-Agentur Dortmund: www.filmhund-agentur.de

In Hamm werden Filmhunde trainiert: Ausbildung auch ohne Druck

Trotz aller Vorbereitung ist am Film-Set manchmal auch Improvisation gefragt. Steinkamp erzählt von einem Belgischen Schäferhund, der in einer Spielfilmproduktion den Hund eines Bösewichts darstellte. Kurzfristig gab es am Drehtag eine Änderung des Drehbuchs: Der Hund sollte auf dem Beifahrersitz eines Autos sitzen und mit seiner Pfote den elektrischen Fensterheber betätigen. Gerade einmal fünf Stunden Zeit blieben der Filmhundtrainerin, um das Kunststück einzustudieren. „Ich habe selten mit einem so gelehrigen Hund gearbeitet“, sagt sie.

Glückliche Familie mit Hund: Viele Werbetreibende lieben solche Bilder – mit Journo kein Problem. Hier sitzt er mit Nica (von links), Mutter Christina und Schwester Cara auf der Bank.

Bei ihrer Arbeit profitiert Steinkamp von ihrer jahrzehntelangen Erfahrung mit Hunden. „Es gibt Hunde, die gut hören. Andere hören schlecht. Es gibt treue Hunde – andere sind es nicht. Warum macht der eine Hund seine Aufgaben gut und der andere nicht?“ All diese Fragen beschäftigen sie schon lange. Die Hundetrainerin treibt der Ehrgeiz an, verstehen zu wollen, was zwischen Mensch und Hund passiert.

In der BRH Rettungshundestaffel Warendorf-Hamm lernte sie mit Anfang 20 zum ersten Mal, dass die Ausbildung von Hunden auch ohne Druck funktionieren kann. Statt auf Zwang und Härte setzten die Ausbilder in der Rettungshundestaffel auf Motivation und Beziehung zwischen Mensch und Tier. Auf einem Seminar lernte sie dann später Hundeprofi Martin Rütter kennen: Eine Schlüsselbegegnung. „Martin war der Erste und Einzige, der mir mein Bauchgefühl erklären konnte“, sagt Steinkamp. Seine Trainingsphilosophie, die auf Verständnis setzt, verfolgt sie auch in ihrer Hundeschule in Rhynern. Dort lernen Menschen und Hunde einander zu verstehen und miteinander zu kommunizieren.

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