Linke auf 180

In Hamm nicht kostenlos ins Freibad: „Weltfremd und feige“?

Badegäste halten am 05.06.2015 in Essen (Nordrhein-Westfalen) im Grugabad ihre Füße ins Wasser.
+
Abkühlung erwünscht: Die Freibäder sind derzeit gut besucht, doch den Linken reicht das nicht.

Die Linkspartei reagiert mit deutlicher Kritik auf die Ablehnung ihres Ratsantrags durch den Aufsichtsrat der Stadtwerke, den Freibadbesuch für Kinder und Jugendliche aus Hamm in den Sommerferien kostenlos zu machen.

Hamm – Als „weltfremd und feige“ bezeichnete Linken-Ratsherrin Selda Izci die Entscheidung. „Die Ablehnung der Maßnahme mit Verweis auf die ,unschlagbar günstigen‘ Eintrittspreise zeigt, wie fern das Gremium von der Lebensrealität vieler Familien in dieser Stadt entfernt ist.“ Der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden, Oberbürgermeister Marc Herter, könne sich wahrscheinlich nicht vorstellen, dass sich selbst 1,80 Euro pro Freibadbesuch in sechs Wochen zu einer nennenswerten Summe addierten, die für viele Familien eine Herausforderung sei. Hinzu käme, dass die Jahre der Corona-Pandemie eine entbehrungsreiche Zeit gerade für Kinder und Jugendliche gewesen seien. Nun gebe es im Zuge des Ukraine-Kriegs eine Preisspirale.

Die Linke verweist darauf, dass Freizeiteinrichtungen in anderen Kommunen durchaus bereit seien, unter diesen Gesichtspunkten freien Eintritt zu gewähren. „Städte im Münsterland haben das erkannt und umgesetzt. Dort gibt es in den Sommerferien freien Eintritt für Kinder und Jugendliche in Freibäder. Die Stadt Dortmund hat sogar den Zoobesuch für alle Kinder und Jugendlichen, Auszubildende, Studenten und Freiwilligendienstler bis zum Alter von 27 Jahren unabhängig vom Wohnort kostenfrei gestellt“, erklärt Linken-Ratssprecher Roland Koslowski.

Er ergänzt: „Der Umgang der selbst ernannten Koalition der Einladung mit diesem Antrag lässt tief blicken. Es ist schlicht feige, der Debatte im Rat auszuweichen, um die Maßnahme hinter den verschlossenen Türen des Aufsichtsrates zu beerdigen.“

Oberbürgermeister besonders in der Kritik

Besondere Kritik richtet Koslowski dabei an den Oberbürgermeister. Der hatte in der Ratssitzung die Verweisung des Antrags an den Aufsichtsrat empfohlen. „Dabei betonte er ausdrücklich den baldigen Sitzungstermin, der eine Umsetzung passend zu den Sommerferien ermöglichen würde“, so Koslowski.

Er könne die Entscheidung nicht nur deshalb nicht nachvollziehen: „Normalerweise werden sozialpolitische Forderungen in Hamm von SPD, FDP und Grünen abgelehnt, weil sie zu teuer sind. In diesem Fall muss als vorgeschobener Grund herhalten, die Maßnahme sei zu billig.“ In die Röhre schauten Kinder und Jugendliche mit ihren Familien. „Die Koalition und ihr OB müssen die politische Verantwortung für ihr Versprechen der Familienfreundlichkeit endlich übernehmen.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare