Leo Vinoth Gabriel und Saket Avinash Churi studieren an der SRH

In einer anderen Welt: Indische Studenten leben in Bockum-Hövel

Leo Vinoth Gabriel (links) und Saket Churi kommen aus Indien, studieren an der SRH und bilden eine WG in Bockum-Hövel.
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Leo Vinoth Gabriel (links) und Saket Churi kommen aus Indien, studieren an der SRH und bilden eine WG in Bockum-Hövel.

Beide sind rund 7000 und mehr Kilometer von ihren Heimatstädten entfernt und haben Indien zeitweise mit Deutschland getauscht. Leo Vinoth Gabriel und Saket Avinash Churi (beide 27) sind nach Hamm gekommen, um an der SRH Hochschule ihr Master-Studium abzuschließen. Für beide ist Hamm eine neue Welt, in der sie sich seit gut einem Monat zurechtfinden müssen.

Bockum-Hövel – In Bockum-Hövel haben beide in einer Zweier-WG ihr vorübergehendes Zuhause gefunden. Alles privat per Internet abgeschlossen und innerhalb weniger Minuten, nachdem die Anzeige im Netz eingestellt war. So nah sind auf einmal Kontinente, als wäre die Distanz nichts. Nun leben die beiden Master-Studenten, die ihren Bachelor in Inden gemacht haben, im Kern von Bockum, in einer kleinen Welt.

Doch der Schein trügt, denn an ihrem Wohnort geht es kosmopolitisch zu: ein pakistanisches Studenten-Ehepaar als direkte Nachbarn, eine syrische Familie über die Gartenhecke hinweg und eine Thai-Massage, die hier schon seit Jahren arbeitet: Die Neuankömmlinge leben in einem internationalen Hotspot.

Gastgeberin Gabriele Marschner freut sich über die große „Familie“, die hier seit einigen Jahren entsteht. Ein Hinterhaus ist zum Treffpunkt geworden, die Sprachen kommen aus aller Welt, und auch wenn nicht jedes Wort verständlich ist, gibt es eine Gemeinschaft. Und das gemeinsame Kochen verbindet vieles.

Internationaler Hotspot

Die Eingewöhnung sei ihnen nicht schwer gefallen, sagen beide. Gabriel war schon einmal als Tourist in Deutschland und hatte einen Eindruck, was ihn erwarten würde. Das tägliche Leben in der Stadt sei im Grunde gar nicht so verschieden. Die Hochhäuser fehlten, sagt Saket Churi, der aus einer Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt kommt. „Die kleinen Häuser hier haben dagegen eher etwas Dörfliches.“ Einkaufsmöglichkeiten mit ausländischen Spezialitäten, die ihnen ein Stück Heimat bringen, haben sich die beiden schon erschlossen.

Das Uni-Leben hat für die zwei neuen Gäste noch gar nicht richtig begonnen. Corona lässt nur Online-Veranstaltungen zu. Beide finden das schade, denn sie hätten natürlich lieber Kontakt zu anderen Studenten und wären gerne auf dem Campus. Im Moment ist es ein Lernen und Leben aus der nahen Ferne.

Wie heimisch sie sich schon fühlen, zeigen die Kunstwerke mit Lokalbezug (hier: Kirschblüte in der Carl-Goerdeler-Straße), die Saket Churi schon angefertigt hat.

Aber trotzdem sind die beiden glücklich mit ihrer Wahl. „Die Ausbildung in Hamm erfolgt auf einem Top-Level“, sagen beide. Daher und anhand der Kurse, die hier angeboten würden und für sie selbst am passgenauesten seien, hätten sie sich für diese Hochschule entschieden.

Ihren Master machen beide in „Electrical Business and Engineering“. Das Studium findet in Hamm ausschließlich auf Englisch statt. Darin geht es in einem Schwerpunkt um Energiebedarfe der Zukunft, um Nachhaltigkeit, „grüne“ Technologien und Wirtschaftlichkeit. Im September 2022 wollen sie ihren Abschluss in der Tasche haben.

Lokale Motive in Wasserfarben

Beide wünschen sich sehnlichst Lockerungen: für Präsenzveranstaltungen, um ein Hochschulleben zu spüren und auch mehr Flexibilität, das Umland kennenzulernen. Denn das könnten sie ja mit ihrem Semesterticket für Bus und Bahn. „Aber wir sind vorsichtig wegen Corona“, sagen beide und bleiben lieber vor Ort, meiden den Öffentlichen Nahverkehr, obwohl er von Bockum-Hövel per Bahn und Bus einige Möglichkeiten bietet.

Gerade den Sommer sehnen beide herbei, denn obwohl in Indien im Norden auch Kälte und Schnee üblich sind, ist es sonst mit 30 bis 40 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit deutlich anders als hier.

Die Ausbildung in Hamm erfolgt auf einem Top-Level.

Leo Vinoth Gabriel und Saket Churi

Freie Zeit nutzen beide, um ihren Wohnort und die Gepflogenheiten hier kennenzulernen. Die Kultur, das Leben vor Ort, das Essen, das weniger scharf ist. Leo Gabriel ist Christ und gehört der römisch-katholischen Kirche an und würde gerne Gottesdienste besuchen, sobald es Corona zulässt. Sein Kommilitone Saket Avinash Churi würde das Erlebnis teilen und zugleich die Hindu-Tempel in Hamm besuchen wollen. Kultur wird hier im Einklang gelebt.

Saket Avinash Churi verfolgt seit seiner Ankunft in Hamm und seit Jahren zuvor zudem ein weiteres Talent: Er malt in Wasserfarben und Tusche lokale Motive. Ein Talent, das ihm sein Vater beschert habe, sagt er. Einige beachtliche Ansichten von Bockum-Höveler sind so schon entstanden, zum Beispiel während der Kirschblüte in der Carl-Goerdeler-Straße. Für ihn ist das eine Annäherung an seinen neuen Lebensraum.

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