Nach der Kommunalwahl ist vor der Stichwahl

In Düsseldorf vom Hof gejagt: Herter in Hamm plötzlich Hoffnungsträger

Marc Herter und Justus Moor jubeln über OB-Ergebnisse der Kommunalwahl.
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Riesenjubel im Rathaus bei der Hammer SPD - und das schon früh am Wahlabend. Vorn Marc Herter, links von ihm Justus Moor.

Marc Herter und die SPD sind die großen Gewinner der Kommunalwahl in Hamm. Herter (46) erreichte bei der Oberbürgermeisterwahl völlig überraschend 40,67 Prozent der Stimmen und geht nun als Favorit in die Stichwahl um das Amt des Stadtoberhaupts. Am 27. September tritt er gegen den bisherigen Amtsinhaber Thomas Hunsteger-Petermann (CDU) an.

Hamm – Haben die Sozialdemokraten in Düsseldorf den falschen Genossen „vom Hof gejagt“? Marc Herter, vor zwei Jahren bei der Wahl des Fraktionschefs der SPD im Landtag knapp Thomas Kutschaty unterlegen, ließ bei der Oberbürgermeister-Wahl in Hamm für viele überraschend Amtsinhaber Hunsteger-Petermann (CDU) hinter sich. Das Ergebnis in Hamm (hier den großen Ticker vom Sonntag nachlesen) dürfte landesweit Beachtung finden. So lange wie Hunsteger ist kein Oberbürgermeister in Nordrhein-Westfalen im Amt: Der Christdemokrat regiert in Hamm seit 21 Jahren und hat sich unter anderem in seiner Zeit als Chef des NRW-Städtetags über Hamm hinaus einen Namen gemacht. Mit 37,41 Prozent fuhr er am Sonntag eine schwere Schlappe ein. Nun geht Hunsteger nur von Position zwei aus in die Stichwahl – hinter Marc Herter.

Herter ist also der strahlende Gewinner. In diesen Zeiten keine Selbstverständlichkeit für einen Sozialdemokraten. So verlor die Partei landesweit im Vergleich zur Kommunalwahl vor sechs Jahren deutlich. In Essen beispielsweise, der Heimat von Thomas Kutschaty, schaffte es der SPD-Bewerber um den Oberbürgermeister-Posten nicht einmal in die Stichwahl, und auch im Essener Rat landete die SPD hinter der CDU nur auf Platz zwei. Für den örtlichen Parteichef Kutschaty, der sich anschickt 2022 NRW-Ministerpräsident werden zu wollen, ist das wahrlich kein Empfehlungsschreiben.

Im Landtag sitzt Herter, der zuvor immerhin Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion war, nicht mehr in der ersten Reihe. Er ist stellvertretender Landesvorsitzender und Vorsitzender der Region Westliches Westfalen. Beim Landesparteitag vor zwei Jahren erhielt aber ausgerechnet der gestern so erfolgreiche Hammer das schlechteste Ergebnis aller Stellvertreter.

Landesvorsitzender ist Sebastian Hartmann. Doch der Bundestagsabgeordnete blieb bislang völlig blass, außerhalb seines Wahlkreises im Rheinland ist Hartmann kaum bekannt. Dennoch träumt auch Hartmann wie Kutschaty von der Spitzenkandidatur bei der Wahl 2022.

Am 14. November findet in Münster der nächste SPD-Parteitag statt. Als Oberbürgermeister würde Marc Herter mit mehr Gewicht in die Nachbarstadt fahren.

Kommunalwahl 2020 in Hamm im Kurhaus und im Rathaus

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