Mulmiges Gefühl zwischen Uentrop und Rhynern

Immer wieder Unfälle: Ist Tempo 70 auf Grönebergstraße zu schnell?

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Bei einem spektakulären Unfall mit zwei Autos wurden auf der Grönebergstraße Anfang Juli zwei Personen verletzt.

In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Unfällen auf der Grönebergstraße. Mehrere Menschen wurden verletzt, eine Person schwer. Nun diskutieren Politiker, was zu tun ist.

Uentrop/Rhynern – Seit Januar gab es auf der Grönebergstraße mehr Unfälle und Verletzte als im gesamten vergangenen Jahr. Doch woran liegt die Unfallhäufung und was kann man dagegen tun?

Die Grönebergstraße verbindet die Bezirke Uentrop und Rhynern. Die Strecke ist beliebt. Dennoch sorgt sie bei so manchem Autofahrer für ein mulmiges Gefühl: wegen der engen Fahrbahn, der kaputten Bankette, Unebenheiten durch Wurzeln und der Bäume am Fahrbahnrand. Die Straße ist deshalb ein Dauerthema, unter anderem in den Sitzungen der Uentroper Bezirksvertretung. Viel diskutiert wird unter anderem, ob das Tempolimit verändert werden sollte.

Die Straße:

Die Grönebergstraße verläuft in den Stadtbezirken Uentrop und Rhynern. In Uentrop liegt sie zwischen der Soester Straße und Ahsebrücke. Aus dem Verkehrsbericht der Stadt Hamm geht nicht hervor, wie viele Autos die Straße im Uentroper Teil täglich nutzen. Im Bezirk Rhynern sind es aber – je nach Abschnitt – pro Tag um die 3800. In Rhynern gilt auf der Straße Tempo 50. In Uentrop ist es ab der Höhe von „Gartenpartner Maria Renner“ erlaubt, dass Fahrzeuge bis zu 70 Kilometer pro Stunde schnell fahren.

Die Straßenverhältnisse und das mögliche Tempo auf der Grönebergstraße passen offensichtlich nicht zueinander.

Die Unfallzahlen:

Von Januar bis Oktober 2019 kam es zu 13 Unfällen. Das sind drei mehr als im ganzen Jahr 2018. Während im bei den Unfällen im vergangenen Jahr niemand verletzt wurde, waren es in diesem Jahr vier Personen, eine davon schwer. Drei weitere Personen wurden verletzt, mussten laut Polizei aber nicht stationär in einem Krankenhaus behandelt werden.

Die Unfallzahlen hat die Hammer Polizei auf WA-Anfrage zusammengestellt. Sie zeigen: Die meisten Unfälle passieren nicht im kurvigen Bereich auf Rhyneraner Gebiet. Dort ereigneten sich 2018 drei Unfälle, 2019 waren es vier. Die Mehrzahl der Unfälle passiert in Uentrop, zwischen Soester Straße und Ahsebrücke. Siebenmal krachte es dort 2018, neunmal 2019. Und das, obwohl die Straße dort weitgehend gerade verläuft.

Die Ursachen:

Viele vermuten, die Unfälle passierten aufgrund einer überhöhten Geschwindigkeit. Die Hammer Polizei bestätigt das allerdings in dieser Form nicht. „Es gibt nicht den einen Grund für die Verkehrsunfälle“, sagte Polizeisprecher Hendrik Heine dem WA.

Die Unfälle im Jahr 2018 hatten folgende Ursachen:

  • Nicht-Einhaltung des Rechtsfahrgebots (vier Mal)
  • nicht angepasste Geschwindigkeit (zwei Mal)
  • Abstandsvergehen (zwei Mal)
  • Wildunfall (ein Mal)
  • Sonstiges (ein Mal)

Die Unfallursachen 2019 sind laut Polizei:

  • Nicht-Einhalten des Rechtsfahrgebots (vier Mal)
  • nicht angepasste Geschwindigkeit (zwei Mal)
  • Alkohol (ein Mal)
  • Abstandsvergehen (ein Mal)
  • Übermüdung (ein Mal)
  • Wildunfall (ein Mal)
  • „Sonstige“ (drei Mal)

Kurios: Einer der Unfälle 2019, bei dem das Rechtsfahrgebot nicht eingehalten wurde, verschuldete ein Radfahrer. Er fuhr wohl zu weit links und geriet in den Gegenverkehr. Eine Person wurde verletzt.

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Auswertung der Polizei:

Einen akuten Handlungsbedarf sieht die Polizei nicht, da die Unfallursachen völlig unterschiedlich sind. Polizeisprecher Heine appelliert an alle Verkehrsteilnehmer, die Geschwindigkeit anzupassen. Das heißt: Nur weil Tempo 70 gilt, darf etwa bei Starkregen oder Glätte nicht unbedingt Tempo 70 gefahren werden. „Man muss sich immer den Gegebenheiten anpassen“, betont Heine. Das gilt besonders jetzt, wo die dunkle Jahreszeit beginnt und rutschiges Laub liegt, es öfter regnet oder es auch zu überfrierender Nässe kommt.

Das fordert die Politik:

Schon länger setzt sich der Uentroper Bezirksvertreter Wilhelm Walther (FDP) dafür ein, dass die Grönebergstraße sicherer wird. So stellte er bereits einen Antrag zur Geschwindigkeitsreduzierung von Tempo 70 auf Tempo 50. „In der Bezirksvertretung waren wir uns weitgehend einig“, sagt Walther. Dennoch scheiterte sein Antrag: Die Bezirksvertretung ist nicht zuständig.

Angeregt hatte Walther zudem, dass die Bäume bei Dunkelheit sichtbar gemacht werden. Am Thema Grönebergstraße will er aufgrund der Unfallhäufung dran bleiben und sich weiterhin für Tempo 50 einsetzen. „Die Grönebergstraße hat kein Potenzial für Tempo 70, wenn man sie mal mit der Soester Straße vergleicht“, sagt Walther.

Die Geschwindigkeitsbegrenzung sieht Walther als Hauptproblem an. Zudem sei die Straße in einem schlechten Zustand: Würde man das Tempolimit reduzieren, würden auch Fahrfehler – etwa aufgrund des Verreißens des Lenkrads wegen der kaputten Bankette – weniger Auswirkungen haben, so die Überlegung.

Dass oft zu schnell gefahren werde auf der Grönebergstraße, stellt unterdessen Bezirksvorsteher Björn Pförtzsch heraus. „Die Straße ist von ihrer Art nicht ausgebaut, um hohe Geschwindigkeiten zu fahren“, sagt er. Dass ein Tempolimit die Unfallzahlen reduzieren würde, glaubt er aber nicht. Denn: „Das allgemeine Problem ist, dass sich oft nicht ans Tempolimit gehalten wird.“

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