Arbeit im Verborgenem

Immer unter Strom: Pfarrerin Friedgard Weiß hat nicht nur wegen des digitalen Gottesdienstes viel zu tun

Weihnachtsstern, Süßes und Dankesschreiben: Weiß besucht die Gemeindemitglieder in Hamm mit vollen Armen.
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Weihnachtsstern, Süßes und Dankesschreiben: Weiß besucht die Gemeindemitglieder in Pelkum mit vollen Armen.

Gottesdienste fallen aus, Konzerte finden nicht statt: Ist der Advent in Coronazeiten also ruhiger für Pfarrerinnen wie Friedgard Weiß? Wer die Seelsorgerin aus der evangelischen Kirchengemeinde Pelkum-Wiescherhöfen einige Tage begleitet, erlebt eine Frau, die ständig unterwegs ist: Sie überbringt Geschenke und gute Wünsche, fragt nach, wie es ihren Gemeindemitgliedern geht, steht vor der Kamera.

Pelkum – „Wir können Kirche nicht so weitermachen wie bisher“, sagt Weiß. Am heutigen Heiligabend wird die Jacobus-Kirche zwar ihre Türen öffnen – einen Gottesdienst gibt es an dem Abend aber nicht. Stattdessen steht Weiß einige Tage zuvor mit Posaunenchorleiter Benedikt Kämper in der Kirche, eine Kamera läuft für den Gottesdienst im Netz.

„Das letzte Mal habe ich vor über acht Jahren vor der Kamera gestanden“, sagt die 57-Jährige. Während des Drehs ist sie kritisch mit sich – nicht aus Eitelkeit, sondern aus schüchterner Perfektion. Sie optimiert ihre Handbewegungen, Blicke und Positionen. Der digitale Gottesdienst ist hier online auf der Internetseite der Gemeinde ab Heiligabend um 13 Uhr abrufbar.

Kamera-Einstellungen, Licht und Ton optimieren Kameramann Benedikt Kämper und Friedgard Weiß während der Dreharbeiten.

Traditionen vs. neue Möglichkeiten

Zugleich will Weiß an Altbewährtem festhalten. „Rituale geben uns Sicherheit gerade in dieser Zeit, wo alles unsicher und unklar ist.“ Aus diesem Grund sei es ihr wichtig, dass der Weihnachtsbaum nicht viele Tage vor dem Fest aufgestellt wird, sondern erst kurz vorher. Die Pfarrerin sorgt dafür, dass das Friedenslicht von Bethlehem trotz ausfallender Gottesdienste in der Kirche steht.

Sie möchte trotz Corona möglichst vielen Menschen zur Seite stehen, ihnen persönlich begegnen. „Meine Arbeit ist es, praktizierte Hoffnung an die Türen zu bringen, zu seelsorgen und zu netzwerken“, sagt Weiß. 500 Weihnachtsgrüße verteilte sie gemeinsam mit Ehrenamtlichen im Pfarrbezirk Pelkum.

Ein großer Teil ihrer Arbeit bleibt im Verborgenen. Die Online-Konferenzen, Besuche in Altenheimen, Dienstpläne für die Kirche. Weiß macht all das gerne – und nimmt sich bei allem Stress Zeit dafür, Telefonate mit einsamen Menschen zu führen.

Eine Seelsorgerin in Corona Zeiten

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