Frust bei Anliegern am Ennigerbach

Immer mehr Ratten: Paradiesische Zustände für Allesfresser in Hamm

So viele Ratten wie nie: „Die kommen vom Ennigerbach“.
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So viele Ratten wie nie: „Die kommen vom Ennigerbach“, sind sich Ursula Rühl (von links), Erwin Bücker und Ursula Köttermann sicher. Sie wünschen sich bei der Bekämpfung Unterstützung durch die Stadt.

In Hamm werden immer mehr Ratten gesichtet und gemeldet - da sind sich die Stadt und Schädlingsbekämpfer einig. Am Ennigerbach herrscht aktuell echte Fruststimmung.

Hamm - Die Stadt Hamm bestätigt, dass seit einigen Jahren die Ratten-Population wächst und die Beschwerden aus der Bürgerschaft mehr werden. „Im vergangenen Jahr sind im Ordnungsamt rund 130 Meldungen eingegangen. Es zeichnet sich ab, dass dieser Wert in 2021 wohl überschritten wird“, teilt Stadtsprecher Lukas Huster auf WA-Anfrage mit.

Auch Ulrich Witzig, IHK-geprüfter Schädlingsbekämpfer mit Sitz im Hammer Osten, beobachtet eine Ratten-Inflation. Seine These: Auch Corona könnte eine Ursache sein. In den Zeiten der Lockdowns seien Gaststätten und Kantinen geschlossen gewesen. Die Leute hätten deshalb viel häufiger bei sich zu Hause gekocht und ihre Essensreste wohl nicht nur in der Mülltonne, sondern auch über die Kanalisation entsorgt. Die Ratten hätten somit im Abwasser für sich paradiesische Zustände vorgefunden.

Rattenplage am Ennigerbach in Hamm: Anlieger verärgert

Über eine Rattenplage ärgern sich seit jüngster Zeit die Anlieger der Vogelstraße. Hinter ihren Grundstücken fließt der Ennigerbach entlang, und von dort kommen die ekligen Nager auf ihre Grundstücke, sind sie sich sicher. Ursula Köttermann fragte daher bei der Stadt um Hilfe nach, wurde aber von einem Ansprechpartner zum anderen verwiesen, weil jeder die Zuständigkeit woanders sah.

Ihre Odyssee nahm den folgenden Verlauf: Als sie die städtische Nummer gewählt hatte, wurde sie zunächst mit dem Umweltamt verbunden. Die Mitarbeiterin dort verwies sie an den Lippeverband. Hier traf sie auf einen Ansprechpartner, der schon völlig genervt war, weil die Stadt in Sachen Rattenplage immer an ihn verwies. Denn der Lippeverband sei nur für die Kanalisation zuständig – nicht aber für Bachläufe, die das Oberflächenwasser abführen. Also landete sie wieder bei der bekannten Mitarbeiterin der Stadt Hamm. Die machte dann deutlich, dass alleine die Anlieger für die Beseitigung der Rattenplage zuständig seien.

Deutliche Spuren: Am Ennigerbach gibt es ein Rattenproblem.

Rattenplage am Ennigerbach in Hamm: „So viele noch nie gesehen“

Dabei könnten die Schädlinge gar nicht von ihren Grundstücken stammen, sind sich die Nachbarn einig. Sie habe schon gar keinen Komposthaufen mehr, sagt zum Beispiel Köttermann. „Ratten gab es immer, aber so viele wie jetzt habe ich noch nie gesehen“, ist sich Erwin Bücker sicher. Er beobachtet, wie sie am helllichten Tage im Garten herumlaufen und hat schon zwei tote Exemplare gefunden. Ursula Rühl machte an der Böschung zum Ennigerbach auch ein Loch ausfindig und sah davor eine Ratte ganz ohne Scheu sitzen und an etwas herumknabbern. Auch Vitali Panow sieht die Nager häufig durch seinen Garten rennen. Bei ihm „tanzen sie sogar schon auf dem Terrassentisch“. Er hatte dort ein Stück Melone bereitgestellt und ging kurz noch mal ins Haus. Als er zurückkam, war das Obst angefressen. „Das kann nur eine Ratte gewesen sein“, ist er sich sicher.

Köttermann berichtet, sie habe der städtischen Mitarbeiterin daher gesagt, wenn die Anlieger alleine zuständig seien, dann würden sie die Giftköder am Bach auslegen, dort, wo die Ratten herkämen. Daraufhin habe die Frau kommentarlos den Hörer aufgelegt.

Rattenplage am Ennigerbach in Hamm: Grundstückseigentümer in Pflicht

Klare Antworten bekam der WA auf Anfrage beim Lippeverband und bei er Stadt. Ilias Abawi, Sprecher des Lippeverbandes, teilte mit, dass der Ennigerbach nicht dem Lippeverband gehöre, sondern im Verantwortungsbereich der Stadt liege. Es handelt sich um einen offenen Regenwasserlauf und nicht um einen Schmutzwasserkanal. Nur dafür sei der Lippeverband zuständig. „Wenn wir wüssten, dass die Ratten aus unseren Kanälen kämen, würden wir natürlich etwas unternehmen“, sagt Abawi. Er sieht in diesem Fall die Grundstückseigentümer in der Pflicht.

Diese Auffassung vertritt auch Stadtsprecher Lukas Huster. Er bestätigt: „Um Bäche kümmern wir uns. Aber an Bächen wird grundsätzlich nicht beködert, um den Naturhaushalt im Fließgewässer nicht zu schädigen. Hier würde nur erhebliche Vermüllung zu Rattenproblemen führen können. „Dagegen gehen wir durch Pflege und Säuberung der Gewässer vor“, stellt Huster klar. Der Ennigerbach habe jedoch kein Verschmutzungs- oder Vermüllungsproblem, durch das Ratten angelockt würden. Auch in den Kanälen gebe es nach Information der Stadt aktuell kein Rattenproblem, um das sich dann der Lippeverband kümmern müsste.

Rattenplage am Ennigerbach in Hamm: „Keine Unterstützung von der Stadt“

Grundsätzlich seien die Anwohner für die Beseitigung der Ratten auf ihren Grundstücken selbst zuständig. Liege der Ursprung des Problems im öffentlichen Raum, würde die Verwaltung sich darum kümmern und je nach Sachlage beködern, reinigen oder ähnliches. „Es gibt aber im betreffenden Bereich keine Anhaltspunkte dafür, dass entsprechende Probleme im öffentlichen Raum vorliegen“, so Huster.

„Wir bekommen keine Unterstützung von der Stadt. Diese ganzen Kameraden, die da rumsitzen, werden doch von unseren Steuern bezahlt“, meint Köttermann erbost. Wenigstens ein paar Ratschläge hätten sie und die Nachbarn sich gewünscht, sagt sie. Auf die Frage, ob es denn nicht möglich sei, mit Hilfe der Verwaltung vor Ort auch eine gemeinsame Aktion gegen die Rattenplage zu organisieren, antwortete die Verwaltung nicht. Die Anlieger wollen daher auch selbst noch einmal bei der Stadt vorstellig werden und um Unterstützung bitten, nicht zuletzt, weil es offenbar stadtweit ein Problem mit der Rattenplage gibt.

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