Herr der 25 Völker

150 Bienenstiche und die honigsüße Leidenschaft des Imkern

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Alfons Pohlmann hat nicht nur ein Wildbienenhotel, sondern 25 Bienenvölker. Durch den Rauch aus dem sogenannten Smoker wird die Bereitschaft der Bienen zu stechen gesenkt.

Hamm - „Im Sommer bin ich Bienen-Millionär“, sagt Alfons Pohlmann mit einem Schmunzeln. Der Hammer Imker besitzt 25 Bienenvölker, von denen jedes bis Ende Mai auf etwa 50 000 Tiere anwächst. Derzeit schlüpfen täglich Tausende der honigproduzierenden Insekten. Nicht nur für die fleißigen Nektarsammlerinnen, sondern auch für ihren Besitzer bedeutet das jede Menge Arbeit.

Pohlmanns Bienenvölker stehen im heimischen Garten am Caldenhof, in Osttünnen, Norddinker, Lippborg und in Brilon an blühenden Feldern, Wiesen und Wäldern. Bis Mitte Juli ist Hochsaison. Vor dem Transport der Bienenstöcke verschließt der erfahrene Imker am späten Abend oder in den frühen Morgenstunden, wenn es draußen kühl ist, die Einfluglöcher mit Schaumstoff. Denn: Die Insekten schwärmen bereits bei Sonnenaufgang aus, um Nektar zu sammeln, den sie durch Zusatz körpereigener Enzyme zu Honig verarbeiten. Sorgfältig verschnürt, kommen die aufeinandergestapelten Kästen, in denen jeweils zehn Waben hängen, auf den Pkw-Anhänger und los geht’s – über die Landstraße. In einen Stau auf der Autobahn zu geraten, ist dem Imker zu heikel. Er dürfte zwar, da er lebende Tiere transportiert, auf dem Standstreifen an den Wartenden vorbeifahren. Doch das Risiko, die sensiblen Insekten womöglich durch unnötig lange Transportzeiten zu stressen, ist ihm zu groß. 

Beim Raps setzt Nektarfluss schon ab 12 Grad ein Im Sauerland liegt die Temperatur meist drei bis vier Grad niedriger als in Hamm und Umgebung. Deshalb fällt die Entscheidung, wann die Bienen dorthin auf Zeit umziehen, beim Blick auf die Wetterprognose. „Bei Raps setzt der Nektarfluss schon bei 12 Grad ein“, weiß Pohlmann. Andere Pflanzen, wie etwa der Löwenzahn lieben es wärmer: Die gelben Blüten produzieren erst ab 20 Grad den begehrten Nektar.

Schwarze Schafe und Bienenklau

Alle acht Tage kontrolliert der Imker seine 25 Bienenvölker. Auf jedem einzelnen Bienenkasten steht sein Name. Nicht ohne Grund: Immer wieder gibt es Bienenklau. Die Völker, die er im Sauerland unweit eines Hofes stehen hat, sind mit einem abschließbaren Rahmen versehen. Anfangs sei er für seine Vorsicht belächelt worden, erinnert er sich. Mittlerweile erweisen sich die Maßnahmen als klug. „In jeder Berufsgruppe gibt es schwarze Schafe“, sagt Pohlmann mit Blick auf mögliche Diebe. Stünden die Kästen alle an einem Ort, wären die wöchentlichen Kontrollen in rund drei Stunden erledigt, schätzt der Imker. Die Fahrerei zwischen den unterschiedlichen Standorten der Bienenstöcke kostet ihn unterm Strich die meiste Zeit.

150 Bienenstiche im Jahr

Bei der Arbeit trägt er zum Schutz einen Bienenschleier. Trotzdem wird er etwa 150 Mal im Jahr gestochen. Ihn juckt das nicht – er reagiert allenfalls mit einer kleinen Hautrötung auf die Insektenstiche. 

Imker Alfons Pohlmann in Hamm

Zur Honigernte, die von Mitte Mai bis Mitte Juli dauert, entfernt Pohlmann den dünnen Wachsdeckel, mit dem die Bienen die honiggefüllten Waben verschlossen haben, um ihn vor Feuchtigkeit zu schützen. Die komplette Wabe kommt anschließend in eine Zentrifuge, die den Honig ausschleudert. Nach dem Schleudern und Aussieben wird der Honig mehrfach gerührt, damit er eine streichfähige Konsistenz bekommt. In Gläser abgefüllt, hält sich das wohlschmeckende Lebensmittel jahrelang.

Starkes Interesse am Imkern

Die Imkerei bedeutet für Pohlmann Entspannung pur. „Ich komme sofort runter, wenn ich die Bienen beobachte“, erzählt er. „Und ich kann ein wunderbares Produkt ernten.“ Als er 1979 sein erstes Bienenvolk bekam, gab es kaum Schulungen für Jungimker. Neben seinem Fulltime-Job verschlang der Werkzeugmachermeister damals stapelweise Fachbücher über Bienen. Als Schulungsreferent des Landesverbandes Westfälisch-Lippischer Imker unterrichtet Pohlmann inzwischen seit mehr als zwei Jahrzehnten angehende Imker. „Das Interesse war noch nie so groß wie jetzt“, berichtet er. Während sich in früheren Zeiten manchmal nur eine Handvoll Interessenten für den einmal jährlich stattfindenden Lehrgang anmeldeten, belegen 26 Teilnehmer den aktuellen Ausbildungskursus in Hamm.

Als Honigprüfer im Einsatz

Rund um die Imkerei bekleidet Pohlmann zahlreiche weitere Ehrenämter: Er ist Vorsitzender des Apis-Fördervereins für Bienenkunde in Münster, Kreisvorsitzender des Kreis-Imkervereins Unna-Hamm und Bienensachverständiger. Als Honigprüfer testet der Imker die Qualität heimischer Honige. „In Westfalen-Lippe gibt es die größte Honigprüfung weltweit“, berichtet er. Dabei nehmen insgesamt 30 erfahrene Prüfer einmal jährlich an einem Wochenende zwischen 1.000 bis 1.100 Honige kritisch unter die Lupe. Sie achten bei der äußeren Sichtkontrolle auf die Aufmachung der Gläser. Außerdem probieren und bewerten sie Konsistenz, Geschmack und Sauberkeit des Honigs. „Ich mache das liebend gerne“, sagt Pohlmann über die Tests, die anonymisiert erfolgen. „Man hat durch die Vielzahl der Honige eine Vielzahl von Geschmackserlebnissen.“

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