ÖPNV stärken

Im Zehn-Minuten-Takt durch Hamm: Stadt will ab 2023 „Metrobusse“ - Stadtbahn ein Thema?

Im Jahr 2023 sollen die ersten Linien auf den „Metrobus“-Takt umgestellt werden.
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Im Jahr 2023 sollen die ersten Linien auf den „Metrobus“-Takt umgestellt werden.

Die Stadt meint es offenbar ernst mit der Verkehrswende. Ab 2023 sollen Busse im Zehn-Minuten-Takt durch die Stadt fahren, mit Vorfahrt an den Ampeln. Bisher kommt der Bus höchstens alle Viertelstunde. Außerdem denkt man im Rathaus wieder über eine Stadtbahn nach. Fußgänger und Radfahrer sollen allgemein mehr Platz auf den Straßen bekommen.

Hamm – Nahverkehrsplan 2023 und Masterplan Mobilität heißen die beiden Werke, die der Rat am 29. Juni auf den Weg bringen will. Erste Weichenstellungen für eine Bus-und-Bahn-Offensive hatte es schon in der großen Koalition gegeben – mit dem Fahrplanwechsel am 18. Juli soll das Busangebot um zehn Prozent erweitert werden. Was für 2023 geplant ist, geht aber weit darüber hinaus.

Auto weiter Nummer 1 in Hamm: Nur 11 Prozent nutzen Bus und Bahn

Das Zauberwort heißt „Metrobus“. Das sind Busse, die den Standard einer Straßenbahn bieten sollen: Zehn-Minuten-Takt, keine Umwege und Vorrangschaltung an den Ampeln. In Deutschland gab es solche Angebote zuerst in Berlin, inzwischen aber auch in mittelgroßen Städten wie Braunschweig und Osnabrück.

Bisher sind die Hammer vor allem im Auto unterwegs. Bus und Bahn haben einen Anteil am Verkehrsaufkommen von gerade einmal elf Prozent – zu wenig, um die Klimaziele der Stadt zu erreichen. Die Verkehrsplaner hoffen, mit kürzeren Fahrzeiten und dichteren Takten mehr Fahrgäste zu gewinnen. Als erste Linien sollen Ende 2023 1 und 3 (Pelkum/Westherringen – Werries) sowie 4 und 9 (Hauptbahnhof – Bockum) auf Metrobus-Standard umgestellt werden.

Vorfahrt für Busse, Autos müssen warten - Investitionen nötig

Wenn die Busse künftig Vorfahrt bekommen, müssen Autofahrer naturgemäß warten. In den städtischen Unterlagen ist von „Vorrangschaltung an Lichtzeichenanlagen“ die Rede. Ob darüber hinaus beispielsweise weitere Busspuren notwendig sind, bleibt offen. Investiert werden muss auf jeden Fall in moderne Fahrzeuge und in barrierefreie Haltestellen mit Wartehallen, Infoanzeige und Fahrradständer.

Stadtwerke-Geschäftsführer Reinhard Bartsch betonte im Gespräch mit unserer Zeitung, wie wichtig solche Rahmenbedingungen für ein verlässliches Angebot sind. Dazu gehörten auch neue Tarifmodelle: „Man muss auch attraktive Fahrpreise bieten.“

ÖPNV ist teuer: Kosten steigen mehr als die Einnahmen

Für überlegenswert hält die Stadt auch eine Stadtbahn. Vor 20 Jahren waren entsprechende Pläne wegen der zu erwartenden Betriebskosten auf Eis gelegt worden.

Wie vor 60 Jahren: Die Straßenbahn – hier auf der Ostenallee – fuhr bis 1961 in Zehn-Minuten-Takt durch Hamm. 2023 sollen Metrobusse diesen Service bieten. Auch eine Stadtbahn ist wieder im Gespräch.

Ein Gutachten soll die Kostenfrage für die Bahn und den gesamten ÖPNV klären. Bis zu sechs Millionen Euro jährlich beträgt das Defizit in Hamm üblicherweise. Bei einem erweiterten Angebot stiegen Einnahmen und Kosten, so Bartsch, die Kosten aber wohl in größerem Umfang.

Die Bürger sollen in einem Beteiligungsverfahren am neuen Angebot mitplanen.

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