Angeklagter: „Ich habe mir eingebildet, dass ich ein Auserwählter bin“

Im Wahn die Zelle angezündet: JVA-Brandstifter muss in die geschlossene Psychiatrie

Einsatz in der JVA: Im April löste ein Brand in Hamm einen Großeinsatz aus.
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Einsatz in der JVA: Im April löste ein Brand einen Großeinsatz aus.

Der JVA-Brandstifter von Hamm muss in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus untergebracht und behandelt werden. Das hat das Dortmunder Landgericht am Freitag entschieden. Die Unterbringung ist zeitlich nicht befristet.

Hamm/Dortmund - Das Gericht war sich sicher, dass der 34-Jährige im April absichtlich ein Feuer in seiner Zelle gelegt hatte. Die Zelle wurde dabei zerstört. Es stand allerdings von vornherein fest, dass der 34-Jährige für seine Tat nicht im klassischen Sinn bestraft werden kann. Eine schwere Form der schizophrenen Psychose quält den Mann seit Jahren. Zur Tatzeit – das war allgemeiner Konsens – war er deshalb schuldunfähig. Er hatte den Richtern im Prozess unter anderem geschildert, dass er zur Tatzeit gedacht habe, er sei ein Auserwählter sei.

Richter: Unterbringung ist zum Schutz der Allgemeinheit nötig

Die Richter der 34. Strafkammer kamen zu dem Schluss, dass der Mann so gefährlich ist, dass er zum Schutz der Allgemeinheit in einer geschlossenen Klinik untergebracht werden muss. Und das, obwohl Verteidiger Lutz Eisel vehement für die Freiheit seines Mandanten gekämpft hatte.

Eisel stellte infrage, dass der Brand absichtlich gelegt worden war. „Wer sagt, dass mein Mandant nicht mit einer brennenden Zigarette eingeschlafen ist, die dann die Matratze in Brand gesteckt hat?“, fragte er in seinem Plädoyer. Für so eine fahrlässige Brandstiftung oder vielleicht auch nur fahrlässige Sachbeschädigung könne niemand zeitlich unbefristet eingesperrt werden.

Auch die Verhältnismäßigkeit der Maßregel stimmt nach Ansicht des Rechtsanwalts nicht. Immerhin hatte der psychiatrische Sachverständige Bernd Roggenwallner in seinem Gutachten erklärt, man könne die Unterbringung zur Bewährung aussetzen.

Beschuldigter kann kein geordnetes Leben garantieren

Das scheiterte daran, dass der Beschuldigte kein geordnetes Leben garantieren kann. In seinem letzten Wort vor der Urteilsberatung sagte er den Richtern: „Ich könnte zu einem Kumpel ziehen, der ist schon ein bisschen älter als ich.“ Überzeugend wirkte das allerdings nicht.

Eines wollte der 34-Jährige aber trotzdem noch loswerden. Er habe eingesehen, dass er krank sei, und werde ab jetzt regelmäßig seine Medikamente einnehmen. So wolle er verhindern, dass die Wahnvorstellungen wieder zurückkommen. „Und außerdem werde ich mich hüten, noch mal Straftaten zu begehen“, sagte der Mann den Richtern.

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