Was die Hammer so verlieren

Verluste im Corona-Jahr: Fundbüro meldet Rasenmäher, Feuerschale und Rollator

Ein Rollator ist verloren gegangen.
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Im Hammer Fundbüro findet sich unter anderem ein Rollator.

Handys, Schlüssel und allerlei Kurioses: Im Fundbüro finden sich die seltsamsten Dinge. Auch die neuerliche Bilanz hält ein paar Überraschungen parat.

Hamm – Zwei Lockdowns, ausgefallene Veranstaltungen und deutlich weniger private und geschäftliche Treffen: Auch wenn die Hammer im vergangenen Jahr Corona-bedingt viel weniger unterwegs waren als üblich, haben sie ähnlich viele Sachen verloren, wie in den Jahren zuvor. Das jedenfalls zeigen die Zahlen der Fundbürostatistik für 2020. „Eine deutliche Corona-bedingte Abnahme, wie gegebenenfalls für 2020 zu erwarten gewesen wäre, ist nicht zu erkennen“, sagt Stadtsprecher Lukas Huster zu der durchaus überraschenden Statistik. Insgesamt sind im vergangenen Jahr 1040 Artikel in den Fundbüros der Stadt zusammengekommen.

Trotz Corona: Fundbüro füllt sich auch 2020

Eine Erklärung zu finden, warum sich Corona auf die Zahlen nicht merklich ausgewirkt hat, ist schwierig. Was die Zahlen aber belegen, ist die offenbar gleichbleibende Ehrlichkeit vieler Hammer. Denn es scheint vielen Bürgern wichtig zu sein, Fundartikel bei den entsprechenden Stellen abzugeben, damit der Besitzer seine Sachen auch zurückerhält – egal, ob es sich um falsche Zähne, Geld oder ein Fahrrad handelt.

Vergleicht man die Zahlen, liegen sie auf einer Ebene mit denen von 2017 (1071) und 2018 (1031). Nur für 2019 ist ein „Ausreißer“ erkennbar: Da waren es 1303 Artikel in den Hammer Fundbüros – „ohne dass es dafür einen erkennbaren Grund gäbe“, so der Stadtsprecher.

264 Schlüssel und 274 Fahrräder im Fundbüro

Doch zurück zu 2020: 70 Handys, 264 Schlüssel, 274 Fahrräder, 107 Geldbörsen, 42 Schmuckstücke, 30 Brillen, 133 Dokumente, 40 Taschen, 17 Kleidungsstücke, 17 Uhren sowie 82 sonstige Artikel inklusive Technikgegenständen nahmen die Mitarbeiter in den Hammer Bürgerämtern, die alle auch als Fundbüros dienen, entgegen.

Durchaus kurios ist unterdessen, was die Hammer so alles verlieren, beziehungsweise was als Fundstück abgegeben wird. Eine Kostprobe: 2020 gab ein ehrlicher Finder einen Elektro-Rasenmäher mit Fangkorb ab. Wie und wo der verloren gegangen ist? Unklar. Aber auch eine Feuerschale, einen Feuerkorb, eine Stein-Dekofigur sowie medizinische Hilfsmittel wie Rollatoren und Hörgeräte haben Mitarbeiter der Fundbüros entgegengenommen – immer in der Hoffnung, den rechtmäßigen Besitzer ausfindig machen zu können oder dass dieser sich von selbst meldet.

Mitarbeiter des Fundbüos kümmern sich um Buchsbaum

Kurioses gab es auch schon in den Jahren zuvor: Erwähnenswert ist beispielsweise die Geschichte eines Buchsbaumes, der auf seltsame Weise verloren gegangen war und von einem Nachbarn zum Fundbüro gebracht wurde. Das wirklich kuriose an der Story: Der Buchsbaum wurde tatsächlich über ein Jahr nach dem Verlust abgeholt – und zwar in gutem Zustand, weil die Mitarbeiter des zuständigen Bürgeramtes das Pflänzchen liebevoll pflegten und gossen.

Praktisch ist unterdessen, dass die Stadt mittlerweile auch viel Service rund um das Fundbüro online anbietet. Dort kann nicht mehr nur nach bereits verloren gegangenen Artikeln gesucht werden. „Zu Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 haben wir im Online-Fundbüro die Möglichkeit geschaffen, Online-Fund- und -Verlustanzeigen einzustellen“, erklärt Stadtsprecher Lukas Huster. Das sei „durchaus rege von den Bürgern in Hamm genutzt“ worden, fügt er hinzu. Die Möglichkeit besteht auch weiterhin, zumal aktuell die Bürgerämter geschlossen sind.

Finden und suchen

Nicht nur nett ist es, wenn man etwas findet und dafür sorgt, dass der Besitzer es zurückbekommt – zum Beispiel über das Fundbüro. Denn letztlich ist dies eine Pflicht, andernfalls kann es sich um eine Fundunterschlagung handeln, die unter anderem mit einer Geldstrafe geahndet werden kann. Ab dem Moment, an dem der Finder etwas im Fundbüro abgegeben hat, hat der Besitzer sechs Monate Zeit, es dort abzuholen. Werden Fundstücke nicht abgeholt, gehen sie in eine Online-Fundsachenversteigerung, die die Stadt zwei Mal jährlich durchführt. Weitere Infos und alle Online-Services der Stadt zum Fundbüro gibt es unter https://serviceportal.hamm.de/suche/-/egov-bis-detail/dienstleistung/2469/show. 

Grundsätzlich gilt, dass alle gefundenen Sachen ab einem Wert von 10 Euro anzeigepflichtig sind, wie die Stadt auf ihren Internetseiten informiert. Bei allem bis 500 Euro hat der Finder einen Anspruch auf fünf Prozent Finderlohn, bei Sachen über diesem Wert liegt dieser bei drei Prozent des Gegenstandswertes. Wie hoch die Finderlohnzahlungen in 2020 in Hamm waren, kann die Stadt jedoch nicht sagen, da sie „nur“ Vermittler zwischen Finder und Eigentümer sei und keine Statistik darüber führe.

Dazu der Stadtsprecher: „In wie vielen Fällen ein Anspruch geltend gemacht und dann auch noch tatsächlich gezahlt wird, wird nicht statistisch erfasst.“ Bei der Fundsachen-Versteigerung nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist für Fundartikel erhalte der Finder jedoch keinen Anteil vom Versteigerungserlös.

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