Offene Fragen nach Razzia

Wie im Krimi: Polizei stoppt illegales „Bordell“ in Hamm

Polizeieinsatz am Großen Sandweg: In zwei Mietwohnungen soll über mehrere Wochen illegale Prostitution ausgeübt worden sein.
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Polizeieinsatz am Großen Sandweg: In zwei Mietwohnungen soll über mehrere Wochen illegale Prostitution ausgeübt worden sein.

[Update 16.30 Uhr] Die Polizei hat in einer Wohnanlage in Hamm einen illegalen Bordellbetrieb beendet. Nachbarn hatten zuvor wiederholt ihre Beobachtungen gemeldet. Prostitution ist in NRW derzeit wegen der Corona-Pandemie auf allen Ebenen verboten.

Hamm - Nach einer Reihe von Hinweisen aus der Nachbarschaft hat die Polizei in Mietwohnungen am Großen Sandweg im Hammer Norden eine Razzia durchgeführt. Die Beamten trafen am Samstag gegen 20 Uhr fünf Personen im Alter von 24 bis 42 Jahren an. Diese seien wegen des „Anfangsverdachts der verbotenen Prostitution“ für Vernehmungen vorläufig verhaftet worden. Sie kamen jedoch zurück - wenn auch nur kurz.

In den zwei Wohnungen des Acht-Parteien-Hauses seien am Samstagabend „Beweismittel“ sichergestellt worden, heißt es offiziell weiter. Der weitere Betrieb wurde unterbunden, die Eingangstüren wurden versiegelt. Die Polizei war mit zwei Streifenwagen vor Ort; Feuerwehrkräfte kamen einem Amtshilfeersuchen der Polizei nach, um die Türen zu öffnen.

„Die Wohnungen hatten lange leer gestanden“, sagte eine Anwohnerin im Gespräch mit WA.de. Seit Mitte Januar seien dort jedoch zwischen 9 und 22 Uhr täglich etliche Männer ein und aus gegangen. Teilweise seien diese von „asiatisch aussehenden Frauen in Bademänteln am Hauseingang abgeholt“ worden. Die Fenster waren mit Tüchern blickdicht abgehängt.

Dem Einsatz waren offenbar mehrere vergebliche Meldungen von Nachbarn vorausgegangen. Nach WA-Informationen wurde unter anderem am 17. Februar das Ordnungsamt zunächst telefonisch und dann auch per Mail darüber informiert, dass im besagten Umfeld reihenweise Männer jeden Alters - teils mit Masken, teils ohne - auftauchten, einen bestimmten Hauseingang suchten und nach längstens einer halben Stunde mit ihren Autos wieder verschwanden. Eine ähnliche Meldung soll im Januar bei der Polizeiwache Bockum-Hövel eingegangen sein. Doch erst ein weiterer Anruf am Samstagabend konnte den genannten Einsatz provozieren.

Die Fenster der durchsuchten Wohnungen wurden mit Tüchern blickdicht gemacht.

Eine Nachbarin aus dem direkten Wohnungsumfeld bestätigte die Beobachtungen auf WA-Nachfrage. Auch sie habe nach dem langen Leerstand plötzlich viele Männer gesehen und „Gepolter“ wahrgenommen. Sie wollte in Kürze den Vermieter darüber informierten. Nun hoffe sie, dass die Aktion nachhaltig wirke.

Nach Razzia in Hamm: Kundenwerbung im Internet

Wie WA-Recherchen ergaben, boten die Prostituierten ihre Dienste unter anderem auf Internetplattform markt.de an. Inzwischen sind die Anzeigen gelöscht. (Vor einem guten Jahr spielte markt.de schon einmal eine unrühmliche Rolle auf WA.de: Damals blickte ein verliebter Mann statt in die Augen einer jungen Frau plötzlich in einen Pistolenlauf.)

Gegenstand der Ermittlungen dürfte unter anderem die Frage sein, ob die Frauen selbstständig handelten oder weitere Personen eine Rolle spielten. Beobachtet wurden immer wieder eine Frau und ein Mann - offenbar die eigentlichen Mieter. Die beiden waren nach Angaben von Nachbarn auch vor Ort und seien bei einem zweiten Polizeieinsatz gegen 22.30 Uhr sogar überprüft worden. Ein Polizeisprecher bestätigte lediglich, dass die Kripo zu der Zeit vor Ort war.

Nach Razzia in Hamm: Plötzlich waren alle wieder da

Am Sonntagnachmittag gab es dann das nächste Schauspiel: Nach ihrer Freilassung waren die Tatverdächtigen plötzlich wieder da. Gegen 15.30 Uhr tauchten sie an der Wohnanlage auf. Um die Siegel an den Türen nicht zu brechen, gelangten sie durch die offenbar nicht korrekt verschlossenen Balkontüren in die Wohnungen und packten ihre Hab und Gut zusammen. Ebenso schnell verschwanden sie wieder.

Damit ergab sich der nächste Punkt für die Ermittlungsakte, denn auch dieser Vorgang dürfte strafbar sein. Die Ermittlungen der Polizei dauern an.

Die Wohnungstüren des Quasi-Bordells wurden von der Polizei versiegelt.

Nach Razzia in Hamm: Prostitution in Corona-Zeiten

Grundsätzlich gilt: Wer sich prostituiert, macht sich in Deutschland nicht strafbar. Die Ausübung der verbotenen Prostitution ist in Paragraf 184f (Strafgesetzbuch/StGB) allerdings unter Strafe gestellt. Wörtlich heißt es dort:

  • Wer einem durch Rechtsverordnung erlassenen Verbot, der Prostitution an bestimmten Orten überhaupt oder zu bestimmten Tageszeiten nachzugehen, beharrlich zuwiderhandelt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu einhundertachtzig Tagessätzen bestraft.

Für Freier ist die Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen indes grundsätzlich straflos. Anders sieht es bei Straftaten gegenüber „Sex-Arbeitern“ aus - zum Beispiel bei Betrug (Lohn verweigert), Körperverletzung, Nötigung und/oder Vergewaltigung.

Nach Razzia in Hamm: Gewerbe brutal hart getroffen

Unabhängig davon ist auch legale Prostitution wegen der Corona-Krise derzeit verboten. Das ist in der aktuellen Coronaschutzverordnung so fixiert. Während der Pandemie-Zeit waren die Verbote nur zwischen Mitte September und Ende November 2020 gelockert worden. Die Regeln waren während dieser gut zwei Monate extrem hart: Pflicht waren unter anderem die Nutzung von Masken, Kleidungswechsel nach jedem Kunden und das Durchlüften der Räumlichkeiten.

Weil der gefühlt unendliche Corona-Lockdown das Prostitutionsgewerbe brutal hart trifft, gehen betroffene Frauen längst vielerorts illegal anschaffen, um Geld zu verdienen. Die Gefahren sind groß. Wir haben hier beispielhaft aus Dortmund berichtet.

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