Nach einem Jahr in der Krise

„Hatte noch nie groß Schulden – jetzt schon“: Wirtin der Overberg-Stuben voller Sorge

Der Zapfhahn ist trocken: Stephanie Sommer, der Wirtin der Overberg-Stuben, macht es zu schaffen, dass ihr niemand sagen kann, wann sie wieder öffnen kann.
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Der Zapfhahn ist trocken: Stephanie Sommer, der Wirtin der Overberg-Stuben, macht es zu schaffen, dass ihr niemand sagen kann, wann sie wieder öffnen kann.

Stephanie Sommer betreibt seit November 2009 die Overberg-Stuben in Hövel. Das letzte Jahr hat ihr einiges abverlangt. Zu viel.

Bockum-Hövel – Sowohl die wirtschaftliche als auch die emotionale Seite des nunmehr einjährigen Krisenzustands habe ihr Verständnis für die Corona-Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung aufgebraucht. „Ich bin wirklich solo-selbstständig. Mein Mann hilft mir gelegentlich und zusammen haben wir immer wieder Auf- und Ab-Phasen in der Gastronomie erlebt“, sagt die 56-Jährige.

Einschränkungen, Lockdown, Notbremse: Wirtin der Overberg-Stuben weiß nicht wie es weitergehen soll

Sie wisse, dass man als Gastronomin nicht reich werde, aber sie habe ihre Arbeit immer sehr gerne gemacht. Einschränkungen, Lockdown, Notbremse: Immer wieder habe sie Debatten, Versprechungen und Enttäuschungen erlebt. Nun wisse sie weder, wie lange das so weitergehen, noch was danach kommen soll.

„Für den ersten Lockdown sah ich auch keine Alternative“, sagt Stephanie Sommer. Danach ließ sie sich etwas einfallen, um während des Geschäftsbetriebs den Verwaltungsaufwand so gering wie möglich zu halten: „Damit die Eintragung in die Anwesenheitsliste schneller und korrekt funktioniert, habe ich für alle Stammgäste eine eigene Karteikarte angelegt“, erklärt die Wirtin. Da habe sie schon gestaunt, wie viele Stammgäste sie habe, sagt sie lächelnd.

Finanziell wird es immer enger

Niemand habe sich in ihrem Lokal infiziert, so Sommer. Im Gegenteil: Als ihr Sohn wegen eines positiv getesteten Arbeitskollegen in Quarantäne gemusst habe, habe sie für eine Woche sofort die Overberg-Stuben geschlossen. „Wir leben ja unter einem Dach und ich wollte keinen von meinen Gästen gefährden“, so Sommer. Dann kam der nächste Lockdown. Finanziell werde es nun enger und enger. „Ich hatte bis Corona nie groß Schulden – jetzt schon“, sagt Sommer. Ohne ein Entgegenkommen ihrer Verpächter hätte sie wohl schon dauerhaft schließen müssen.

Als die Möglichkeit der Außengastronomie aufkam, schöpfte sie zunächst Hoffnung. Doch die detaillierten Regelungen seien bei ihrem Lokal weltfremd. „Wenn tagsüber jemand kommt und sich draußen hinsetzt, dann um spontan etwas zu trinken“, sagt die Wirtin. Da seien die Vorschriften, sich vorher anzumelden und den aktuellen Negativtest vorzuweisen, irreal.

Sommer hat Sorge um die Zukunft. „Wer weiß schon, wer alles wiederkommt“, fragt sich Sommer. Ob Familienfeiern, Eigentümer-, Partei- oder Elternversammlungen – nach dem ersten Lockdown habe sie bereits fünf große Gruppen verloren, da sich diese wegen der Personen-Höchstgrenze nicht aufteilen wollten. Doch wolle sie es noch einmal versuchen. Viele Stammgäste seien alleinstehend. Sie verstehe genau, wie sehr sie das herzliche Miteinander vermissten. Ihr gehe es ja ebenso.

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