Hühner im Lockdown: So trifft die Geflügelpest Hammer Landwirte

Die grassierende Geflügelpest hat auf die Landwirte in Hamm und dem Umland sehr unterschiedliche Auswirkungen. Wir haben bei Matthias Kottmann und Johannes Wulf nachgefragt.

Hamm – Seit einigen Wochen breitet sich in Deutschland die Geflügelpest durch das H5N8-Virus aus. Sie wurde in den vergangenen Jahren von Wildvögeln übertragen. Erstmals wurde nun in einem Legehennen-Betrieb in Menden (Märkischer Kreis) eine Infektion nach einem Tiertransport nachgewiesen.

Das Friedrich-Löffler-Institut registriert mittlerweile immer mehr infizierte Tiere. Rund 200.000 Enten, Hühner und Puten mussten daher gekeult werden. Aufgrund dessen hat das Landwirtschaftsministerium NRW vergangene Woche erlassen, dass Geflügelbetriebe aus den Regierungsbezirken Detmold, Münster und Arnsberg aufgestallt werden müssen. Hühner aus Freiland- und Biohaltung dürfen den Stall nicht mehr verlassen. Diese Verordnung hat auch Auswirkungen auf Betriebe in Hamm, wobei das Virus hier bislang noch nicht nachgewiesen worden ist.

Matthias Kottmann sorgt sich um seine Hühner.

Matthias Kottmann ist Landwirt und hat neben Kühen auch zwei mobile Stallanlagen mit rund 1100 Freilandhühnern. Für den 29 jährigen Jungbauer aus Bockum-Hövel bedeutet diese Vorsichtsmaßnahme Mehrarbeit und eine deutliche Einschränkung: „Unsere Tiere sind es gewöhnt, den ganzen Tag frei herumzulaufen. Da dies nun nicht möglich ist, haben wir uns um eine hohe Anzahl an Beschäftigungsmaterial gekümmert und diese ihnen zur Verfügung gestellt.“ Das Einstallen sei für die Tiere ein großer Stressfaktor. Die sommerähnlichen Temperaturen stellen für die Tiere zusätzlichen Stress dar, weil es im Stall sehr warm wird. „Deshalb lassen wir Ventilatoren extra laufen, um es den Tieren so angenehm wie möglich zu gestalten“, erklärt Kottmann weiter.

Gesundheitszustand mehrfach täglich kontrolliert

Neben zusätzlichem Stroh, Möhren und Pickblöcken, die zur Beschäftigung den Tieren dienen soll, läuft das Futterband nun einmal mehr als sonst. „Außerdem kontrollieren wir nun mehrfach am Tag den Gesundheitszustand der Tiere“, ergänzt Kottmann. Und weiter: „Der H5N8-Lockdown hat uns voll getroffen.“

„Wir haben eine Risikoanalyse durchgeführt“, sagt Johannes Wulf Juniorchef eines Hähnchenmastbetriebes in Allen. „Zusätzliche Vorkehrungen sind für unseren Betrieb daher nicht notwendig.“

Anders sieht es im Hähnchenmastbetrieb von Junior-Chef Johannes Wulf aus Allen aus. „Wir kriegen die geschlüpften Küken direkt an ihrem ersten Lebenstag und züchten sie, bis sie an ihrem 35. Tag als Schlachttiere weiter vertrieben werden“, erklärt Wulf, der in Osnabrück „Angewandte Geflügelwissenschaften“ studiert hat. Rund 80.000 Tiere in drei Ställen leben bei ihm in professioneller Stallhaltung. „Daher trifft die Verordnung unseren Betrieb nicht“, sagte der 25-jährige Landwirt und ergänzt: „Wir haben eine Risikoanalyse durchgeführt. Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen sind für unseren Betrieb daher nicht notwendig.“

Einhalten der Hygienemaßnahmen essenziell wichtig

Wulf appelliert an Hobbygeflügelhalter und betont, dass das Einhalten der Hygienemaßnahmen von großer Bedeutung ist, um eine Infektion zu verhindern.

Neben der gründlichen Pflege der Anlage, Händewaschen, Schuhwechsel und Anziehen von Schutzkleidung, sei es wichtig, dass der Zugang zu Futter und Oberflächenwasser vor Wildvögel geschützt werden muss.

Das Virus stellt für Menschen, die keinen direkten Kontakt zu infizierten Tieren haben, keine realistische Gefahr dar. Geflügelfleisch sowie Eier nach Erhitzen können ohne Bedenken verzehrt werden. Die Eier dürfen zunächst die nächsten vier Monate weiterhin als Freiland- oder Bio-Haltung vermarktet werden.

Rubriklistenbild: © Scharapow

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