hotel.de-Gründer gründet Portal für Fernbusse

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Neues vom Ex-hotel.de-Chef: Reinhard Wick hat mit seinen alten Geschäftspartnern ein Portal für Fernbus-Reisen gegründet.

HAMM/NÜRNBERG - Die Macher von hotel.de sind zurück. Der Hammer Reinhard Wick und seine fränkischen Geschäftspartner Heinz Raufer und Tobias Sturm wollen es nach dem Verkauf ihrer Erfolgsfirma noch einmal wissen und haben eine Suchmaschine für Fernbuslinien gegründet.

CheckMyBus heißt das Portal, mit dem sie europaweit an die Spitze fahren wollen. Eines wird dabei allerdings nicht passieren: dass das Startup-Unternehmen am Sitz von hotel.de in Heessen seine Mitarbeiter ab- und einsetzt.

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Es wäre auch zu schön gewesen. Zwei Wochen nachdem die HRS, die hotel.de 2011 gekauft hatte, das Aus für den Standort Hamm im Jahr 2014 verkündet, steigt der Alt-Chef wie ein Phönix aus der Asche und schwingt sich zum Retter der Belegschaft auf... „Nein, ausgeschlossen. Es wird dieses Mal keine zwei Unternehmenssitze geben, und Hamm ist leider nicht dabei“, sagt Reinhard Wick über das Projekt, bei dem sich der 54-jährige vornehmlich in der Rolle des Investors und nicht in einer operativen Funktion sieht.

Im März sei ihm gemeinsam mit Raufer beim Besuch der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin die Idee zu dem neuen Geschäftsmodell, das in Nürnberg angesiedelt wird, gekommen. „Wir wollten etwas Neues starten. Voraussetzung war ein Projekt am touristischen Markt, denn dort kennen wir uns am besten aus“, sagt Wick, der auch heute noch in Berge wohnt.

Aufgefallen sei beiden der mit Jahresbeginn in Deutschland liberalisierte Fernbusmarkt. „Ein sehr spannendes Geschäftsfeld mit hohen Wachstumsraten. Schon heute gibt es 150 Anbieter in Deutschland, aber der Markt ist unstrukturiert und für den Kunden undurchschaubar“, sagt Wick. Eine Situation, die ganz ähnlich zu der im Gründungsjahr von hotel.de (2001) sei.

So sieht die Seite im Internet aus.

Als im Juni in Erlangen die GmbH gegründet wurde, habe er nichts von den Planungen in der Kölner HRS-Zentrale zur Aufgabe des Hammer Standorts gewusst. „Ich hab’s auch erst jetzt mit der Bekanntgabe Anfang November erfahren. Ich hatte das zwar befürchtet, aber auch immer gehofft, dass in Hamm zwei oder drei Abteilungen erhalten bleiben“, sagt Wick, der als Mann der ersten Stunde von Hamm aus den Hoteleinkauf bei dem Buchungsportal aufgebaut hatte. „In der Spitze hatten wir hier 230 Mitarbeiter. Das war schon eine traurige – aus betrieblicher Sicht aber auch nachvollziehbare Entscheidung.“ Er wisse aber von vielen seiner Ex-Mitarbeiter, dass sie bereits neue Jobs gefunden hätten. „Allerdings nicht in Hamm.“

Die Internetseite www.checkmybus.de ist seit kurzer Zeit online, Ende November sollen in Nürnberg die ersten Büros angemietet werden, kündigt Wick an. Geschäftsführer der neuen Firma sei Heinz Raufer. Zwar sei CheckMyBus insgesamt etwas schlanker als hotel.de aufgestellt, der Busmarkt sei aber gleichwohl höchst beachtlich. „Die Strecke Hamburg–Berlin wird schon jetzt 35 Mal am Tag angeboten“, weiß Wick.

Gegenüber der Bahn zahlen die Kunden im Fernbus etwa die Hälfte. Sie sind zwar länger unterwegs, aber auch in den Bussen gebe es mittlerweile Komfort wie Wlan oder Speisen und Getränke. Dortmund–Paris gibt’s für 51 Euro, für 36 Euro fährt täglich ein Bus von Hamm nach Berlin.

Die Idee von CheckMyBus ist, alle Anbieter, Ziele, Zeiten und tagesaktuelle Tarife anzuzeigen. „Wir wollen den Vergleich in ganz Europa abbilden. Und so etwas gibt es bislang nicht“, sagt Wick. Bucht der Kunde eine Fahrt, wird er auf die Seite des Unternehmens weitergeleitet. Für die Vermittlung kassiert CheckMyBus eine Provision – ganz ähnlich wie hotel.de.

Die ersten Verträge mit Anbietern seien unter Dach und Fach. „Das geht jetzt sukzessive weiter“, sagt Wick, der vor eineinhalb Jahren endgültig bei hotel.de ausschied und 2011 seine Unternehmens-Anteile an die HRS verkaufte. „So ganz aufhören kann man eben doch nicht.“ - fl

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