Zu wenig Spenden: Hospizdienst ist selbst in der Krise

Lioba Brune (links) und Martina Abel sind die hauptamtlichen Koordinatorinnen des Kinder- und Jugendhospizdienstes.
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Lioba Brune (links) und Martina Abel sind die hauptamtlichen Koordinatorinnen des Kinder- und Jugendhospizdienstes.

Der ambulante Hospizdienst unterstützt todkranke Kinder und Jugendliche – und braucht nun durch die Folgen der Corona-Pandemie selbst Unterstützung.

Hamm – Dieses Ehrenamt ist nichts für jeden: Die Mitarbeiter des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes Hamm begleiten Kinder und deren Familien, wenn eine lebensbedrohliche oder lebensverkürzende Erkrankung vorliegt. Betroffene in der Stadt Hamm und im Kreis Warendorf werden von drei haupt- und rund 40 ehrenamtlichen Mitarbeitern vom Vereinssitz am Caldenhofer Weg 225 aus betreut.

Durch den Corona-Shutdown wurde die Arbeit erheblich eingeschränkt. Nun kämpfen die Mitarbeiter darum, die Arbeit wieder im normalen Umfang aufzunehmen.

„Derzeit haben wir rund 30 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren Familien in Betreuung“, erklärt Martina Abel, eine der hauptamtlichen Koordinatorinnen. Die betreuten Kinder litten unter Krebs- und Stoffwechselerkrankungen, Herzerkrankungen, Muskelschwund, Mukoviszidose oder auch schweren chronischen Leiden nach Unfällen.

Angehörige werden nicht vergessen

„Als wir vor neun Jahren in Hamm begonnen haben, hatten wir sechs Familien in der Betreuung“, erinnert sich Abel. Der Dienst begleitet die Familien. Familien werden regelmäßig besucht und betreut, es gibt Treffen mit den Angehörigen.

Doch durch den Corona-Shutdown mussten viele Angebote schlagartig eingestellt werden. Unter den Ehrenamtlern seien einige, die selbst zum gefährdeten Personenkreis gehören – schließlich stammen die Betreuer aus vielen Altersgruppen und allen Schichten. Zudem pausierten einige Betreuer, weil sie Angst vor einer Infektion hatten.

Kinder bis in den Tod begleiten, ihre Familien unterstützen, Kraft und Halt geben - wie geht das? Drei ehrenamtliche Helferinnen erzählen hier von ihrem Alltag (vor Corona) im Ambulanten Kinderhospizdienst.

Elefantenpost als kleiner Trost

„Wir wollten trotzdem niemandem das Gefühl geben, in diesen Zeiten alleine zu sein“, sagt Lioba Brune, ebenfalls Koordinatorin des Dienstes. Darum telefonierten die Mitarbeiter mit Familien und Ehrenamtlern, schickten den Familien „Elefantenpost“: Päckchen mit Bastelsachen, Ausmalbildern, Geschichten zum Selbst- und Vorlesen und vielem mehr.

Kerzen erinnern an die Kinder und Jugendlichen, die der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst betreut.

„Wir haben uns viel Mühe gegeben und tolle Rückmeldungen erhalten“, sagt Abel. Viele Eltern seien dankbar gewesen. Oft hätten sie von den Schulen nur Aufgaben erhalten, aber für die Freizeit seien sie auf sich alleine gestellt gewesen. Ein Kind starb während des Lockdowns. Die betreuende Ehrenamtlerin habe die Familie aber gut aufgefangen, sagt Brune.

Kurs für Ehrenamtliche abhängig von Spenden

Die Koordinatorinnen freuen sich nun auf eine vorsichtige Fortsetzung ihrer Arbeit. Im Kreis Warendorf ist demnächst ein Kursus für Menschen geplant, die an einer ehrenamtlichen Mitarbeit interessiert sind. Ein Problem ist derzeit noch die Finanzlage: „In Zeiten der Corona-Krise ist das Spendenaufkommen stark zurückgegangen“, sagt Abel. Doch trotzdem blicken alle nach vorn: „Wir werden ja schließlich gebraucht“, sagt Brune.

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