Größer Arbeitgeber in der Stadt Hamm

Stadtverwaltung: Viele könnten ins Homeoffice, tun es aber nicht

„Homeoffice, wo immer es geht“, forderte der Bundesarbeitsminister im Januar, um Ansteckungen im Büro zu vermeiden. Man könnte meinen, die Stadtverwaltung in Hamm würde da voran gehen. Könnte man.

Hamm - Bundesarbeitsminister Hubertus Heil führte damals etwas ein, das oft als Homeoffice-Pflicht bezeichnet wird: Der Arbeitgeber muss Homeoffice dort anzubieten, wo es geht. Ein Arbeitnehmer kann aber nicht verpflichtet werden, zu Hause zu bleiben. (News zum Coronavirus in Hamm)

Angesichts der Pflicht, die keine ist, war nicht zu erwartet, dass fortan alle von zu Hause aus arbeiten, die es theoretisch könnten. So auch beim größtem Arbeitgeber in Hamm, der Stadtverwaltung: 1700 Mitarbeiter haben einen IT-Arbeitsplatz. Sie arbeiten also in aller Regel in einem Büro oder am Computer. 58 Prozent von ihnen haben irgendwann in den vergangenen Monaten mal von zu Hause gearbeitet. Wie oft und wie lange sie das taten, erfasst die Verwaltung nicht. Vier von zehn – 42 Prozent – waren bis zum 24. Februar nicht einen einzigen Tag im Homeoffice.

Die Daten gehen aus einer Stellungnahme hervor, mit der die Stadtverwaltung eine Anfrage der CDU-Fraktion im Rat beantwortet hat. Diese hatte wissen wollen, wie es um das Homeoffice der Verwaltung bestellt ist.

Homeoffice bei der Stadt Hamm: Technische Voraussetzungen geschaffen

Die Verwaltung hatte im Frühjahr 2020 beschlossen, mehr Homeoffice anzubieten, teilt Stadtsprecher Lukas Huster mit. Die Führungskräfte der Fachämter entschieden, wer wie viel von zu Hause arbeiten kann. „Klar ist dabei die Zielvorgabe, so vielen Mitarbeitern wie möglich Homeoffice zu ermöglichen“, teilt Huster mit.

Außerdem rüstete die Verwaltung technisch um. Die Stadt kaufte für insgesamt 375.000 Euro Tablets und Notebooks für Mitarbeiter, schaffte Headsets an, richtete VPN-Zugänge ein, mit denen die Mitarbeiter von zu Hause aus auf das IT-Netz der Stadt zugreifen können. Allein für zusätzliche Lizenzen und Server für Videokonferenzen fielen in den kommenden Monaten weitere 30.000 Euro an.

„In Zukunft werden statt Desktop-PC ausschließlich Notebooks als Endgeräte beschafft und eingesetzt werden, um an immer mehr Arbeitsplätzen noch flexibler für mobiles Arbeiten zu sein“, heißt es in der Stellungnahme. Pro Arbeitsplatz koste das 250 Euro extra. Bisher hatte es Mitarbeiter gegeben, die ihre Desktop-PC mit nach Hause nahmen, um von dort aus arbeiten zu können.

Homeoffice bei der Stadt Hamm: Im Vergleich nicht so schlecht

„Entscheidend ist in unseren Augen, dass wir allen Kolleginnen und Kollegen die notwendigen Angebote und technischen Voraussetzungen schaffen, Homeoffice wahrnehmen zu können“, erklärt Huster. Man berücksichtige, was die Kollegen zu Hause und am Arbeitsplatz vorfinden: „Wer mit dem privaten Pkw allein ins Einzelbüro im Rathaus zur Arbeit fährt, weil er zuhause keinen adäquaten Platz für den PC-Arbeitsplatz hat, kann das weiterhin tun – solange hierdurch keine nicht-notwendigen Kontakte entstehen“, teilt Huster mit.

Die Verordnung von Minister Heil war zunächst bis zum 15. März befristet. Sie wurde nun bis zum 30. April verlängert.

Schlecht steht die Stadt mit ihren Zahlen indes nicht da. Einer Online-Umfrage des Portals Statista zufolge arbeitete etwa jeder Vierte im Januar ausschließlich oder überwiegend im Homeoffice. Auf alle ihre Beschäftigten gerechnet käme die Verwaltung immerhin auf eine Quote von 37 Prozent.

Rubriklistenbild: ©  Fabian Strauch/dpa

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