Kostensteigerung

Holz ist knapp: Auswirkungen auch in Hamm spürbar

Schöner, knapper Werkstoff: Andreas Schwienhorst arbeitet im Möbelbau täglich mit Holz.
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Schöner, knapper Werkstoff: Andreas Schwienhorst arbeitet im Möbelbau täglich mit Holz.

Kaum ein Thema beschäftigt die Wirtschaftsforen derzeit so sehr wie die Materialknappheit, besonders, wenn es um Holz geht. Auch in Hamm sind die Auswirkungen zu spüren.


Hamm – Dass die USA und China seit Wochen den Weltmarkt für Holz aufkaufen, hat dabei unmittelbare Auswirkungen für Hamm – und zwar nicht nur für etliche Betriebe, die trotz voller Auftragsbücher in Kurzarbeit mussten. Mittel- und langfristig könnten durch die Holzknappheit in Hamm die Mietpreise steigen, Bauprojekte könnten nicht fertig gestellt werden und dadurch könne es zu einer weiteren Verknappung des Wohnungsmarktes kommen. Das jedenfalls glaubt der Hammer Architekt Viktor Nachtigall.

Dabei ist es nicht mal drei Wochen her, dass er beim Baustart des Mehrgenerationenhauses am Alten Uentroper Weg im Hammer Osten verkündete, dort viel Holz verbauen zu wollen. So sollte etwa das Staffelgeschoss, das auf die zwei Vollgeschosse gesetzt wird, komplett aus Holz bestehen. „Holz speichert CO2“, hatte Nachtigall seinerzeit gesagt und dem Baustoff zugesprochen, einen möglichst „sanften Fußabdruck“ in der Klimabilanz zu hinterlassen.

Holz ist knapp: Bauvorhaben in der Schwebe

Ob das nun aber überhaupt umgesetzt werden kann, ist zweifelhaft. Denn Nachtigalls Angaben zufolge koste der Kubikmeter des benötigten Holzes derzeit 600 statt wie bisher 280 Euro. Das Problem: „Das Staffelgeschoss würde mehr kosten, als der gesamte Rohbau mitsamt Keller“, zieht er einen Kostenvergleich gegenüber dem konventionellen Betonbau. Im Normalfall müsste man eine solche Kostensteigerung auf den Mietpreis umlegen, was beim bereits gestarteten Bauvorhaben im Hammer Osten aber nicht möglich ist. Denn da es sich um 18 geförderte Wohnungen handelt, ist der Mietpreis fix. Die Optionen: „Entweder müssen wir über einen alternativen Baustoff nachdenken oder ein halbes Jahr warten“, erklärt Nachtigall und hofft, dass sich die Preise bis dahin regulieren.

Was Viktor Nachtigall besonders stört: „Der Holzbau im Ruhrgebiet ist im Moment im Aufbruch, auch aufgrund einer veränderten Landesbauordnung und Fördermittel“, sagt er, der diesen Wandel nun als gebremst ansieht. Dabei sei Holz endlich als „vollwertiger Baustoff“ angesehen und sei klimafreundlich, langlebig und aufgrund seiner warmen Ausstrahlung auch „menschenfreundlich“.

Holz ist knapp: Materialien schwer zu kriegen

„Holz ist ein wunderbarer Werkstoff – wenn man ihn denn bekommt“, sagt auch der Hammer Tischlermeister und Innungs-Obermeister Andreas Schwienhorst. Im Möbelbau sei es so, dass man „mit einem Zeitverzug die Sachen bekommt, aber teils von mehreren Lieferanten“, erklärt der Inhaber einer Innenausbaufirma. Teilweise sei es aber auch so, dass man etwa bei dekorativen Hölzern gar nicht an das entsprechende Material komme und der Kunde daher entweder warten, oder andere Hölzer nutzen müsse. Was die Situation besonders schwierig macht: Im Zweifelsfall würden Unternehmen aus der Branche bei Aufträgen „drauf zahlen“ – was immer noch besser sei, als den Auftrag gar nicht zu erledigen.

Schwienhorst hat deshalb einen Vorschlag: Die für Hamm angekündigte Aufforstung solle man nutzen – und zwar durch eine Bewirtschaftung der Wälder. Profitieren würde man davor zwar erst in mehr als 100 Jahren, er appelliert aber daran, „darüber nachzudenken“.

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