Schuld ist die Landwirtschaft

Hohe Nitratbelastung: Der Lippe geht es ziemlich dreckig

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Die Nitratbelastung in der Lippe ist derzeit ausgesprochen hoch.

Hamm – Die Landwirtschaft ist schuld. Weil die Bauern zwischen Bad Lippspringe und Wesel auf ihren Feldern im großen Stil Gülle und sonstige Düngemittel ausbringen und nur die wenigsten auf ökologischen Landbau setzen, ist die Nitratbelastung der Lippe extrem hoch. Insbesondere in Hamm.

Hinter dieser These steht der seit den 1980er Jahren aktive Verein „VSR-Gewässerschutz“ mit Sitz in Geldern. Viele Hammer kennen die rheinischen Umweltschützer, die aus dem „Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebenflüsse“ hervorgegangen sind, unter anderem deshalb, weil sie seit Jahren Trink- und Brunnenwasser-Analysen für Privatleute anbieten und deshalb auch immer wieder in der Stadt zugegen sind. Landwirtschaft und Industrie widersprechen hingegen den Aussagen zur Gefährlichkeit von hohen Nitratbelastungen in den Gewässern.

Verein von hohen Werten überrascht

Die gestern vom VSR veröffentlichten Zahlen resultieren aus einer bereits im Februar 2018 durchgeführten Beprobung des Lippewassers von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein. Wie ein VSR-Sprecher gegenüber unserer Zeitung erklärte, sei man selbst von den durchgängig hohen Werten überrascht gewesen und habe die Ergebnisse deshalb zunächst zurückgehalten und nochmals analysiert.

Angesichts der Renaturierungsmaßnahmen sei man von sinkenden Werten ausgegangen, was faktisch aber nicht der Fall sei. Die Ergebnisse seien insgesamt „erschreckend“. Die Lippe sei der am stärksten mit Nitraten belastete Fluss rechts des Rheins.

Ahse sogar noch mehr belastet

Besonders betroffen ist dabei der Hammer Bereich der Lippe. Vor dem Zufluss der Ahse beträgt der Anteil laut VSR 27,5 Milligramm pro Liter, danach sind es 28,8, was der zweithöchste Wert entlang des gesamten Flusses ist. Die Ahse ist mit 34,9 mg/l noch mehr belastet. Zum Vergleich: Die Werte in der Ruhr sind durchgängig um 50 Prozent niedriger. Dort gibt es erheblich weniger Landwirtschaft.

Der VSR beruft sich auf Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA), die für einen guten Zustand eines Gewässers höchstens 11 mg/l vorsieht. Die Nitratkonzentration in der Lippe ist demnach viel zu hoch. Der zulässige Grenzwert wird gleichwohl nicht überschritten. Er liegt laut VSR bei 50 mg/l.

Über das Grundwasser gelangt das Nitrat in die Flüsse und schließlich in die Nordsee. Die Schaumberge an den Nordseestränden sind laut VSR auf die Nitratbelastungen hier zurückzuführen.

Nitratbelastungen in der Lippe

Ort

Nitratbelastung

Bad Lippspringe

22,2 mg/l

Paderborn

27,8 mg/l

Mantighausen

29,3 mg/l

Delbrück

26,5 mg/l

Lippstadt

28,0 mg/l

Hamm (vor Ahsezufluss)

27,5 mg/l

Hamm (nach Ahsezufluss)

28,8 mg/l

Lünen

27,9 mg/l

Haltern

27,8 mg/l

Marl

27,0 mg/l

Dorsten

27,0 mg/l

Schermbeck

27,0 mg/l

Krudenburg

27,0 mg/l

Wesel

25,6 mg/l

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