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Bahnübergänge bleiben noch (viel) länger ein Problem

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Von: Stefan Gehre

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Stau-Gau vorm Bahnübergang Wiescherhöfener Straße bleibt genervten Bürgern noch länger erhalten
Ein gewohntes Bild: Bis zu 45 Minuten in der Stunde sind die Bahnschranken an der Wiescherhöfener Straße unten. © © Andreas Rother

Die Deutsche Bahn hat der zeitnahen Beseitigung von acht höhengleichen Bahnübergängen in Hamm eine Absage erteilt, ein Ende des Stau-Gaus ist nicht in Sicht.

Selmigerheide – Es hatte sich schon angedeutet, doch jetzt ist es von offizieller Seite bestätigt: Die Beseitigung von acht höhengleichen Bahnübergängen in der Selmigerheide und in Weetfeld, die ursprünglich für Mitte dieses Jahrzehnts angedacht war, wird sich verschieben. „Baulich beabsichtigen wir die BÜ-Beseitigungen gegen Ende des laufenden beziehungsweise Anfang des neuen Jahrzehnts umzusetzen“, teilte ein Bahnsprecher auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Ob wenigstens dieser Termin eingehalten werden kann, ist – Stand heute – zumindest mit einem dicken Fragezeichen zu versehen. Denn: Die Planungsvereinbarung zwischen der Deutschen Bahn und der Stadt Hamm liegt noch nicht vor. In ihr werden Grundlagen wie der Umfang, die Durchführung sowie die Frage, wer welche Kosten trägt, festgelegt.

Bahnübergänge bleiben: Planungsvereinbarung erst 2023

Laut der Stadt Hamm sollte bereits 2019 die Planungsvereinbarung mit der DB Netz AG getroffen werden. Die Bahn verschob diesen Termin später auf Mitte 2020 und zuletzt auf Mitte dieses Jahres. Es ist unwahrscheinlich, dass die Vereinbarung, wie der Bahnsprecher durchblicken ließ, noch in diesem Jahr unterzeichnet wird. „Sobald uns die noch fehlenden Zuarbeiten vorliegen, werden wir die Planungsvereinbarung finalisieren. Dies wird voraussichtlich erst in 2023 der Fall sein“, teilte er mit.

Das Problem ist: Aufgrund der Erfahrungen, die die Stadt Hamm bei der Bahnübergangsbeseitigung am Südfeldweg in Westtünnen gemacht hat, ist ein Planungszeitraum von „nur sechs Jahren für eine derartige Maßnahme unrealistisch“.
Mit Blick auf die Situation in der Selmigerheide und in Weetfeld bedeutet das konkret: Selbst wenn die Planungsvereinbarung zeitnah vorliegt, wird es mit einer baulichen Umsetzung in diesem Jahrzehnt eng.

Bahnübergänge bleiben: Dauer-Frust bei Anwohnern

Über die Entwicklung ist die Stadt alles andere als glücklich, denn sie wird immer wieder mit dem Frust der Autofahrer und Anwohner konfrontiert. Sie beklagen vor allem die langen Schließzeiten des Bahnübergangs Wiescherhöfener Straße. Wann der konkrete Entwurf der Planungsvereinbarung seitens der DB vorgelegt wird, konnte auch Stadtsprecher Lukas Huster nicht sagen. „Eine Unterzeichnung ist aktuell weiterhin nicht konkret absehbar – deshalb gibt es auch noch keinen Zeitplan für das weitere Vorgehen.“

Die Bahnübergänge

Acht höhengleiche Bahnübergänge entlang der Strecken Hamm – Dortmund (Wiescherhöfener Straße, Friedhofsweg, Provinzialstraße, Kirchspiel) und Hamm – Unna (Wilhelm-Lange-Straße, Provinzialstraße und zwei Grenzwege) sollen aufgegeben werden. Als Alternativen sind unter anderem eine Untertunnelung der Provinzialstraße mit Anbindung an die Wiescherhöfener Straße und die B 63n (Hamm – Dortmund) sowie eine Straßenbrücke als Ersatz für die Bahnübergänge Wilhelm-Lange-Straße und Provinzialstraße (Hamm – Unna) geplant.

Auch die Bahn selbst wird durch die Verzögerung ausgebremst – und zwar mit Blick auf den Ausbau der Strecke Hamm-Dortmund. Dieser Ausbau ist nur möglich, wenn die Bahnübergänge in Selmig beseitigt werden. Allerdings: „Für einen Streckenausbau Hamm-Dortmund gibt es derzeit keine Finanzierung“, so der Bahnsprecher.

Und was ist mit der Erneuerung der Signaltechnik auf der besagten Strecke? Unabhängig von der Bahnübergang-Beseitigung ist laut der DB „weiterhin beabsichtigt, die Signaltechnik ab Mitte bis Ende des Jahrzehnts zu ersetzen“.

Bahnübergänge bleiben: Schranken mehr zu als offen

Schon als seit Jahren nicht mehr hinnehmbar empfinden zahlreiche Anwohner und Verkehrsteilnehmer die Situation insbesondere am Bahnübergang Wiescherhöfener Straße. Zu Spitzenzeiten sind die Schranken hier bis zu 45 Minuten pro Stunde geschlossen, Wartezeiten von 15 Minuten keine Seltenheit. Das alles dürfte sich noch verlängern, wenn der Verkehr auf der Strecke zunimmt. Hier gab der Bahnsprecher Entwarnung: „Durch die begrenzte Streckenkapazität sind keine wesentlichen Änderungen der Zugzahlen möglich.“ Heißt: Die ohnehin schon langen Wartezeiten sollen sich zumindest nicht verlängern

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