Keine Corona-Unterstützung für Frank Bögel in Hamm

TuS-Wirt erhält Hiobsbotschaft: Hilfe scheitert an einem einzigen Tag

TuS-Wirt Frank Bögel aus Hamm ist über Corona-Hilfe-Regelung des Staates verärgert.
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Das Glas ist nicht mal mehr halbleer: Frank Bögel ist über die Regelung des Staates verärgert.

Es war ein mutiger Schritt, der sich zunächst auch auszuzahlen schien: Frank Bögel hatte sich am 1. Oktober selbstständig gemacht und die Gastronomie beim TuS 1859 Hamm übernommen. Doch dann kam der zweite Lockdown – und eine bittere Erkenntnis.

Hamm – Für Frank Bögel hängt alles an einem Tag: dem 30. September. Jener Mittwoch ist der Stichtag für die Corona-Hilfen des Bundes – die Unterstützung gibt es nur für Unternehmen, die bis dahin gegründet waren. Bögel machte sich am 1. Oktober als Gastronom selbstständig. Jetzt fällt er durch alle Raster und muss Grundsicherung beantragen. (News zum Coronavirus in Hamm.)

Dabei hatte alles erst so gut ausgesehen: Der 44-Jährige hatte als Angestellter im Vereinsheim des Turn- und Sportvereins von 1859 Hamm gearbeitet und im Corona-Lockdown seinen Job verloren, hielt sich und seinen Sohn mit Arbeitslosengeld und dem Verdienst der Lebensgefährtin über Wasser. Doch dann habe der Verein ihm angeboten, die Gastronomie selbst zu übernehmen, sagt er. Er habe gewusst, welches Potenzial dort steckt, das Lokal ab dem 1. Oktober gepachtet und entsprechend ein Gewerbe angemeldet.

Keine Corona-Hilfen für Hammer Wirt: Kleinkredit zum Überwintern

Bögel fand es erstmal schön, „sein eigener Chef zu sein“. Alles sei gut angelaufen, sagt er. Ein paar Tausend Euro habe er investiert, um Ware zu kaufen, statt mit Angestellten habe er mit Aushilfen gearbeitet. Trotz der schwierigen Situation für die Gastronomie im Oktober sei ein Gewinn übrig geblieben; nicht viel, aber genug, um für sich und sein Kind zu sorgen.

Als der November-Lockdown angekündigt wurde, war Bögel zunächst noch beruhigt und nahm sogar noch einen Kleinkredit auf, um zu „überwintern“ – der Staat versprach ja, Einnahmeausfälle zu 75 Prozent zu kompensieren. Und dann, sagt er, sei die Hiobsbotschaft gekommen: Seine Steuerberaterin habe ihm beigebracht, dass die Unterstützung nur für Unternehmen gilt, die bis zum 30. September gegründet worden sind – und Bögel leer ausgeht. Inzwischen habe er Leistungen beim Kommunalen Job-Center beantragt.

Keine Corona-Hilfen für Hammer Wirt: Das steht in den Erläuterungen

Der Stichtag 30. September steht tatsächlich in den Erläuterungen zur Coronahilfe des Bundes: Explizit nicht antragsberechtigt seien Unternehmen, die erst nach dem 30. September 2020 gegründet wurden. Im Bundeswirtschaftsministerium gibt es auch eine Erklärung dafür. „Im Rahmen der Novemberhilfe wird ein Zuschuss gewährt, der sich an einem Vergleichszeitraum orientiert“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung. Dieser Vergleichszeitraum betrage einen Monat. Deshalb könnten nur Unternehmen einen Antrag stellen, die mindestens einen vollen Monat lang Umsatz erzielt haben.

Bögel versteht die Welt nicht mehr: Der Staat habe seinen Betrieb geschlossen, sagt er. Und dafür werde er selbst jetzt bestraft. (UPDATE: Inzwischen hat sich die Situation zur Freude von Frank Bögel in eine andere Richtung geklärt.)

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