Adi Shankara und die Hinduistische Gemeinde Deutschland

„Ursprünglicher“ Lehrer erhält vor Hindu-Tempel Platz in erster Reihe

Hauptpriester Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal zeigt vor Hindu-Tempel an Siegenbeckstraße in Hamm-Uentrop neuen Schrein für Guru Adi Shankara.
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Ein Schrein mit verheißungsvoller Leere: Hauptpriester Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal wünschte sich seit vielen Jahren einen Schrein für den großen Lehrer Adi Shankara. In diesen Tagen ist das steinerne Kunstwerk aus Indien angekommen und aufgestellt worden. Die Figur des Adi Gurus steht noch im Tempel. Mit der Einweihung des Schreins im Mai soll sie ihren festen Platz bekommen.

Wer den Hindu-Tempel in Uentrop besucht, sieht ihn immer wieder auf Bildern: den bedeutenden Lehrer (Guru) Adi Shankarar. Fast 20 Jahre nach dem Tempelbau bekommt er einen Schrein an der Siegenbeckstraße.

Uentrop –  Der zugepflasterte Parkplatz an der Siegenbeckstraße und die turmartige Garage scheinen auf den ersten Blick gar nicht so passend als Ort für den herausragenden Guru Adi Shankara (Es gibt mehrere Schreibweisen, wie Aathisangara). Für den hinduistischen Wegweiser und Philosophen könnte aber kein Platz passender sein. Wer das religiöse Zentrum der Hinduistischen Gemeinde Deutschland besucht, beginnt genau hier seinen Weg. Es ist der Weg, den der Wandermönch und Klostergründer Adi Shankara vor vielen Jahrhunderten den Menschen im Allgemeinen ebnete und im Besonderen dem Hauptpriester und Gemeindegründer, Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal. Fast 20 Jahre nach dem Tempelbau in Uentrop hat Adi Shankara einen drei Meter großen Schrein auf dem Vorplatz und damit vor dem Sri-Kamdachi-Ampal-Tempel erhalten.  

Der Adi Guru, der „ursprüngliche Lehrer“, ist von Beginn an in Uentrop präsent. Das zeigt schon der Name „Hindu Shankarar Sri Kamadchi Ampal Tempel“. Er steht in der Tradition des Religionsphilosophen. Eine kleinere Heiligenfigur Adi Shankaras befindet sich im Hauptschrein von Sri Kamadchi Ampal, der Göttin „mit den Augen der Liebe“ oder, „die Wünsche von den Augen abliest“.

So wie beim Hauptpriester der Gemeinde, Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal. Er habe sich schon beim Bau des Tempels einen Schrein für Adi Shankara gewünscht, sagt er. Eine Spende aus der Gemeinde ermöglichte es nun, das Steinkunstwerk anzuschaffen.

Bedeutender Platz für den bedeutenden Guru: Die Skulptur Adi Shankaras sitzt noch am Hauptschrein. Künftig wird der Adi Guru den Besuchern vor dem Tempel den Weg weisen.

Der Priester hat eine tiefe Verbundenheit zu dem Gelehrten, die sich unter anderem im Namen seines ältesten Sohns Athishankarar offenbart. „Ich glaube, dass ich mal ein Schüler war, aber meine Ausbildung nicht vollständig abgeschlossen hatte“, sagt er. Das hat der Priester nachgeholt. Als Beweis könnte seine Offenheit und Toleranz gelten und sein einendes Wirken, das über die Gemeinde hinaus ausstrahlt. „Ich bin dankbar dafür, so leben zu dürfen“, sagt er, „dankbar diesem Land und den Menschen für ihr Verständnis.“

Wann Adi Shankara lebte, ist umstritten – im 8./9. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, oder wie der Priester sagt, vor rund 2.500 Jahren. Paskaran erklärt: Zur Zeit des Adi Gurus gab es einen Religionsstreit, bei dem der Hinduismus kritisch hinterfragt wurde und drohte, zu zerfallen. Adi Shankara führte die 72 religiösen Richtungen zusammen. Seine zentrale Erkenntnis lautet: „Es gibt nur einen Gott“, sagt der Priester mit Verweis auf die Weltseele Brahman. „Jeder kann aber auf seine Art die Gottheit anbeten.“ So öffnen sich den Einzelseelen viele Wege. So viele Wege, wie es verschiedene Menschen und Glaubensrichtungen gibt. Und doch ist es ein Gott und ein Weg, an den Adi Shankara zu Beginn des Tempelgeländes alle Besucher in Uentrop erinnern wird und sie eint.

Adi Shankara-Schrein für Hindu-Gemeinde in Uentrop

Gebaut wurde der Schrein vom südindischen Bildhauer Ravichandran. Er fertigte bereits den 2018 vor dem künftigen Hindu-Kulturzentrum aufgestellten Krishna. Ravichandrans Werkstatt befindet sich in Mahabalipuram. Diese Weltkulturerbestätte gilt als einer der bedeutendsten Fertigungsorte für Tempelskulpturen in Indien.

Vor rund fünf Jahren begann der Bildhauer zunächst mit der Arbeit an der vier Meter hohen Skulptur, die laut Priester die größte Krishna-Figur in Europa ist. Danach gab er dem Basalt aus einem besonderen Berg im Süden des Landes die Gestalt Adi Shankaras mitsamt des zwei mal zwei Meter großen und drei Meter hohen Schreins. Rund zwei Jahre arbeitete er daran. Vor wenigen Tagen kam das fertige Kunstwerk aus Mahabalipuram nach Uentrop.

Einweihung Adi Shankara-Schrein in Uentrop

Der neue Schrein soll am Montag, 17. Mai, feierlich eingeweiht werden. Es sei das Geburtsdatum des großen Lehrers, sagt der Priester. Viele Gläubige sollen an der Zeremonie teilnehmen können. Inwiefern das unter den Corona-Auflagen möglich sein wird, ist angesichts des ungewissen Verlaufs der Pandemie noch nicht zu sagen.

Tempelfest der Hindu-Gemeinde in Uentrop

Das Gleiche gilt für das jährliche Tempelfest, zu dem in Vorcoronazeiten bis zu 20 000 Besucher nach Uentrop kamen. Beginn der rund zweiwöchigen Feierlichkeiten ist am 28. Juni.

Ob der Höhepunkt des Fests mit der Prozession am 11. Juli stattfinden kann, ist ungewiss. Vergangenes Jahr durften unter Corona-Auflagen 150 Gläubige kommen. Sie hatten sich zuvor online anmelden müssen. Den Segen der Göttin bekamen sie und weitere Gläubige im Vorbeifahren im Autokorso.

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