Hindu-Tempelverein als Kirche anerkannt

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„Ausstrahlungskraft“: Tempelpriester Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal hat in Uentrop das religiöse Zentrum für tausende Hindus in Europa geschaffen und den Tempel-Verein jetzt auch zur anerkannten Religionsgemeinschaft geführt.

Uentrop - Nach 13 Jahren beharrlichen Bemühens ist der Hindu-Tempel-Verein in Uentrop anerkannte Körperschaft öffentlichen Rechts. Der Hauptausschuss des Landtags entschied am Donnerstag über die Verleihung. Der Verein mit seinen europaweit 6.150 Mitgliedern zählt damit zu den knapp mehr als 40 Religionsgemeinschaften im Land mit diesem Status

Im Januar schaffte es die Verordnung zur Verleihung der Körperschaftsrechte für den Hindu-Tempelverein in Uentrop noch nicht auf die Tagesordnung des Hauptausschusses im Düsseldorfer Landtag; aber am Donnerstag, und der Beschluss war dann, wie erwartet, nur noch eine Formsache – und für die Hindus in Uentrop ein Meilenstein: Der „Hindu Shankarar Sri Kamadchi Ampal Tempel-Verein“ ist jetzt Körperschaft öffentlichen Rechts und hat damit den gleichen rechtlichen Status wie die großen Volkskirchen.

Nachricht erreicht Tempelpriester in Indien

„Nachdem ich 13 Jahre dafür gekämpft habe, freue ich mich natürlich über die Anerkennung", sagt Tempelpriester Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal. Von der guten Nachricht erfuhr er in Indien, wo er sich in diesen Tagen aufhält. Dem Priester ging es in all den Jahren darum, auf "Augenhöhe" mit anderen Religionsgemeinschaften zu sein. 

„Durch die Anerkennung selbst erhoffen wir vor allem Vorteile für die weitere Entwicklung." So wird etwa an den Bau eines Altenheims gedacht, nicht aber etwa an Kirchensteuern, die der Verein jetzt durch die Sonderrechte erheben lassen könnte. Ein Fachmann soll hinzugezogen werden. Mit ihm wollen die Hindus die Möglichkeiten erarbeiten. 

 "Ausschuss hat keine Einwände"

 „Es ist vollbracht. Der Ausschuss wurde angehört und hat keine Einwände“, meldete SPD-Landtagsabgeordneter Marc Herter nach der Sitzung des Ausschusses, dessen Mitglied er ist. „Es freut mich. Die langwierige Arbeit wird endlich gewürdigt“, sagt er über den 13-jährigen Einsatz des Tempelpriesters in dieser Sache.

"Aber über Paragraphen konnte ich mich nicht hinwegsetzen“

Herter begleitete den Prozess als Hammer Landtagsabgeordneter, blieb der Staatskanzlei im Gespräch, auch wenn es um die Auslegung der Angaben des Tempelvereins im Sinne einer Anerkennung ging. „Aber über Paragraphen konnte ich mich nicht hinwegsetzen“, sagt er. Erst die von der rot-grünen Regierung vorgenommene,  allgemeine Änderung des Körperschaftsstatusgesetzes für Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften im Herbst 2014 brachte für die Hindus die Wende in dem langen Prozess.

Land richtet im Gesetz eine Widerrufsmöglichkeit ein

„Vorher waren die Hürden für die Gemeinschaften hoch“, erklärt Herter. Voraussetzung ist, dass die Verfassung der Gemeinschaft und ihre Mitgliederzahl einen dauerhaften Bestand zulassen, dass sie ausreichend Finanzmittel hat und rechtstreu ist. Sehr genau musste in der Vergangenheit bei der Prüfung darauf geschaut werden, denn das alte Gesetz sah keine Möglichkeit der Aberkennung des Status’ vor. „Nach neuem Recht sind die Hürden nach vorne gesenkt, nach hinten gibt es aber unter Vorbehalt eine Widerrufsmöglichkeit. 

Hindu-Tempel an der Nassauer Straße eröffnet

Auf dieser Grundlage ist es der Staatskanzlei leichter gefallen, das Urteil zu fällen.“ Es solle aber nicht der Eindruck aufkommen, die Verleihung des Status’ sei ein Geschenk. Es habe ein ordentlicher Abwägungsprozess stattgefunden.

Nummer 43 im Bundesland

Das Bundesinnenministerium zählt in einer Liste derzeit 42 Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften mit dem Körperschaftsstatus in Nordrhein-Westfalen auf. Mit den Hindus aus Uentrop ist es jetzt eine mehr. „Wir können in unserer Stadt stolz darauf sein“, sagt Herter. „Der Tempel steht für Weltoffenheit, für Toleranz in der Stadt. Er ist auch ein Anziehungspunkt und ein Alleinstellungsmerkmal. Ich wünsche mir, dass das stärker herausgestellt wird.“

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