Hammer Forum stellt Arbeit im Südsudan ein

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Das Hammer Forum musste das Gesundheitszentrum (Mitte) im Südsudan als Projekt aufgeben, weil zurzeit angesichts von Bürgerkrieg und Flüchtlingskatastrophe eine sinnvolle Hilfe nicht mehr möglich ist.

Hamm-Mitte - Bürgerkrieg, Flüchtlingskatastrophe und nun eine Hungersnot, durch die vermutlich Hunderttausende Menschen vom Tod bedroht sind: Der Südsudan im Osten Afrikas als jüngster Staat der Erde ist außer Stande, die Krisen aus eigener Kraft zu lösen.

In der Vergangenheit leistete das Hammer Forum einen kleinen Beitrag, um zumindest in der Gesundheitsversorgung stabilere Verhältnisse zu schaffen. Nun zieht sich die Hilfsorganisation aus dem Südsudan zurück. „Weil unter diesen Bedingungen eine sinnvolle Hilfe nicht möglich ist“, sagt Dr. Eckhardt Flohr, Mitglied im Vorstand und Leiter der Hilfe im Südsudan. 

Gesundheitszentrum 2014 eingeweiht

Acht Mal war Flohr vor Ort, zuletzt im Mai 2016. Mit Fördergeldern des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und

2014 wurde die Einrichtung eröffnet; rund 1000 Patienten wurden pro Monat behandelt.

Entwicklung (BMZ), Mitteln der Neuapostolischen Kirche Niedersachsen Karitativ (NAK) und Eigenmitteln des Hammer Forums entstand in Juba, der Hauptstadt des Südsudans, auf dem Gelände der Neuapostolischen Kirche Südsudan ein Gesundheitszentrum. Im Juli 2014 wurde die Einrichtung eingeweiht. 

Dort werden laut Flohr aktuell rund 1000 Patienten pro Monat unter vergleichsweise modernen Rahmenbedingungen behandelt. 40 Prozent davon seien Kinder bis zwölf Jahre, schreibt Flohr in seinem Abschlussbericht 2016, 78 Prozent seien an Malaria und Typhus erkrankt gewesen. „Ein weiteres großes Problem ist die große Anzahl unterernährter Kinder aufgrund der desolaten allgemeinen Versorgungslage“, heißt es weiter in dem Bericht. 

Kriminalität und Korruption an der Tagesordnung

Nun fließen noch einmal Restmittel von 3000 Dollar aus den Töpfen der Dachorganisation Aktion Deutschland Hilft (ADH), der auch das Hammer Forum angehört, über Hamm und die Neuapostolische Kirche in die

Das Personal, das einen kompetenten Eindruck macht, möchte das Gesundheitszentrum selbstständig fortführen.

Einrichtung. Vor Ort sollen von dem Geld Medikamente gekauft werden. Damit ist Schluss für das Hammer Forum. Eigentlich sollte die Unterstützung noch drei Jahre fortlaufen, so Flohr. 

„Ich finde es schade, dass wir die Arbeit nicht fortsetzen können“, so Flohr. Aber die Sicherheitslage im vom Bürgerkrieg destabilisierten Land sei extrem schlecht. „Kriminalität und Korruption sind hoch“, so der Mediziner. Inzwischen ist das Gelände der Neuapostolischen Kirche Südsudan einschließlich Krankenstation von einer Mauer umzogen. 

Wunsch des Zentrums, dessen Personal Flohr in seinem Bericht einen kompetenten und engagierten Eindruck bescheinigt, sei es zuletzt gewesen, die Einrichtung selbstständig zu führen. Allerdings habe die Zeit des Aufbaus und die Folgezeit gezeigt, dass es sinnvoll gewesen sei, mit einer vor Ort installierten Projektleiterin zu arbeiten, so Flohr. 

Ohne diese sei eine Betreuung allein von Deutschland aus schwierig. Ein bürokratisches Regelwerk sei praktisch kaum vorhanden. Das allerdings gehöre zu den Bausteinen geregelter Hilfeleistungen. „So wird eine gute Absicht durch den Bürgerkrieg und die Machtverhältnisse zerstört“, sagt Flohr. 

Führungselite hat Geld, Flüchtlinge sterben

„Die Führungselite hat Geld, während die Flüchtlinge sterben.“ Das Land werde von außen ernährt und befinde sich in seiner kurzen Geschichte bereits im Endstadium. „Es gibt enormen Bedarf für Hilfe“, so Flohr. „Wir aber müssen abwägen, wo unsere Mittel und die Mittel der Spender am effektivsten und zuverlässigsten eingesetzt werden können.“

www.hammer-forum.de

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