Rechte Szene

Rechtsextreme Logos auch in Hamm verbreitet

Nicht mehr unbedingt sind Springerstiefel zu Symbol für die rechte Szene.
+
Auch in Hamm gibt es eine rechte Szene. Die Stadt gehört aber nicht mehr, so die Einschätzung, zu den Brennpunkten des Rechtsextremismus‘.

Wie stark ist der Rechtsextremismus in Hamm ausgeprägt? Das war Thema einer Online-Konferenz der Herringer Impuls-Werkstatt.

Herringen – „Viele Leute können nicht glauben, dass es eine rechte Szene in Hamm gibt“, sagt Benigna Grüneberg, Mitglied des Künstlervereins West.Kunst. Zusammen mit ihrem Mann Carsten gründete sie die Herringer Impuls-Werkstatt, mit deren Hilfe die Kommunikation verschiedener Kulturen angeregt und Kulturfeindlichkeit bekämpft werden soll. Denn auch, wenn Hamm nicht mehr zu den Brennpunkten des Rechtsextremismus´ gehöre, „die feindlichen Einstellungen und Stimmen sind immer noch da“, ist sie sich sicher. Und diese machten sich nicht zuletzt bei den Wahlen bemerkbar.

Rechte Szene: AfD im Blick

„Parteien wie ‚Die Rechte‘ sind in Hamm nicht mehr vertreten, aber wir können sehen, dass diese Personen nun die AfD wählen“, sagt Jonas Flick von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR). Die Wahlergebnisse für die AfD lagen, im Vergleich zu Hamms Durchschnitt, in Herringen besonders hoch. Über acht Prozent der Stimmen gingen an die AfD, also etwa doppelt so viele wie Hamms Durchschnittswert für die Partei. Deshalb ist es Grüneberg umso wichtiger, vor der Bundestagswahl über Rechtsextremismus zu informieren.

Auch Dr. Carsten Grüneberg erlebt eine lebendige rechte Szene in Herringen. „Ich sehe rechtsextreme Logos auf kulturellen Einrichtungen oder Migrantenhäusern oder auch Autos in Tarnfarben“, sagt er. Auch ein Haus am Kentroper Weg gilt als Nazi-Treffpunkt. „Demokratie muss einfach gepflegt und gelebt werden. Und der erste Anknüpfungspunkt dafür ist der eigene Wohnbereich“, sagt Jakob Schirmböck von der „Werkstadt für Demokratie und Toleranz“.

Rechte Szene: Hilfe für Bürger

Mithilfe der Herringer Impuls-Werkstatt sollen Bürger, aber auch Institutionen Klarheit über die rechte Szene in Hamm bekommen. In einem Webinar gaben die „Werkstadt“ und die MBR Tipps: Wie verhalte ich mich, wenn ich rechtsextreme Äußerungen höre? Wie erkenne ich einen Rechtsextremen und vor allem: Was kann ich dagegen tun? „Der Übergang von einem einfachen Gespräch, bis hin zu rechtsextremen Äußerungen meines Gegenübers kann sehr fließend sein“, sagt Grüneberg. Deshalb sei es wichtig, in solchen Situationen schnell zu handeln. „Argumentieren oder Überzeugen wird schwierig. Aber es ist gut, eine Reaktion zu zeigen, die andere Meinung auszudrücken und auch fremde Leute ins Boot zu holen“, so Flick.

Gerade an öffentlichen Orten könne man sich Hilfe Anderer holen und selbst Solidarität in ähnlichen Situationen zeigen. Auch, wenn Rechtsextreme nicht immer als solche erkannt werden können. „Es sind nicht mehr die typischen Springerstiefel und Glatze. Es gibt andere Szenekleidung, Symbole oder Codes als Tattoo oder auf den Klamotten“, so Flick. Bei der MBR, aber auch in der „Werkstadt“ in Hamm können Broschüren und Ratgeber zum Thema mitgenommen werden. Auch handelt es sich laut Carsten Grüneberg nicht mehr um rein deutsche Personen, sondern auch um andere Nationen, die sich rechten Gruppierungen oder Ideologien anschließen. Besonders unruhig macht Schirmböck die Parallele zwischen Rechtsextremisten und der Querdenker-Bewegung. Denn auch dort sieht er Gewaltbereitschaft, Verschwörungsmythen und feindliche Äußerungen.

Wie viele Menschen in Hamm rechtsextrem sind, sei schwer zu sagen. Zahlen könnten nicht erfasst werden und die Szene wandele sich. „Aber das Problem ist nicht erledigt. Und wir können das nur gemeinsam schaffen“, sagt Grüneberg.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare