Nach Protest des Klimabündnisses Hamm

Neues Verfahren soll großen Kahlschlag am "Isenbecker Hof" verhindern

Vertreter des Klimabündnisses Hamm protestierten am vergangenen Wochenende am Isenbecker Hof gegen die geplante Fällung von 100 Bäumen in der Straße.

Herringen - Baumfällungen sind ein hochemotionales Thema. Umso bedeutender ist die überraschende Wende im Fall der von einer Fällung bedrohten knapp 100 Bäume im „Isenbecker Hof“: Wie Stadtsprecher Tom Herberg auf Anfrage sagte, sieht es jetzt doch so aus, als ob ein Großteil der Bäume erhalten werden kann.

Das wäre dann auch ganz im Sinne des Klimabündnisses Hamm und von Grünen-Bezirksvertreter Dr. Carsten Grüneberg, die am Wochenende gegen die Fällung der Bäume protestiert hatten. 

Als sichtbares Zeichen für ihren Protest hatten die Klimaschützer mittels Schnüren 100 Postkarten an den meisten der zur Fällung anstehenden Bäumen angebracht. Auf ihnen ist ein Zitat des Dichters Eugen Roth (1895 bis 1976) zu lesen: „Zu fällen einen Baum, braucht’s eine halbe Stunde kaum. Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht er, bedenkt es, ein Jahrhundert.“ 

Dass an diesem Zitat einiges dran ist, sahen die Klimaschützer beim Gang durch die Siedlung: Die Bäume, die die Stadt ursprünglich fällen lassen wollte, wurden vor etwa 35 Jahren gepflanzt – und sind mittlerweile ziemlich stattlich. Viel kleiner ist eine Nachpflanzung in der Straße „In der Dill“. Im Vergleich zu seinen Artgenossen sehe dieser Baum bonsaimäßig aus, so das Fazit der Klimaschützer, die im Verlauf ihres Rundgangs mit „mehreren Anwohnern“ ins Gespräch kamen. 

Zu 100 Prozent hinter der Forderung des Klimaschutzbündnisses

Den Anwohnern waren die Planungen der Stadt offenbar nicht bekannt. „Wieso, ist doch schön hier“, meinte eine Anwohnerin. Nach Angaben Grünebergs hätten zumindest fast alle derjenigen, mit denen man gesprochen habe, zu 100 Prozent hinter der Forderung des Klimaschutzbündnisses gestanden, auf das Fällen der Bäume zu verzichten. Und das scheint jetzt auch tatsächlich der Fall zu sein. 

Baumscheiben sollen erneuert werden

Eher beiläufig hatte die Stadt im Mai in einer Vorlage mitgeteilt, dass an den Baumscheiben in der Siedlung „erhebliche Schäden“ festgestellt wurden. „Es hat sich herausgestellt, dass die Baumbeete für das Wurzelwachstum nicht ausreichend waren“, so die Verwaltung. Zu ihrer Beseitigung sollten daher die Pflasterbefestigung an circa 100 Baumscheiben erneuert werden, was zur Folge hat, dass die „vorhandenen Bäume größtenteils entfernt und durch neue, standortgerechte Bäume ersetzt werden müssen“.

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Doch jetzt die Kehrtwende: Laut Herberg soll in der Siedlung ein Verfahren getestet werden, wie die Baumscheiben bei gleichzeitiger Behandlung der Baumwurzeln vergrößert werden können, ohne dass hierfür die Bäume gefällt werden müssen. „Lediglich dort, wo wenig Platz ist, muss etwa eine Handvoll Bäume weichen“, sagte der Stadtsprecher. 

Ideen gegen das Fällen

Von der aktuellen Entwicklung hatten die Mitglieder des Klimabündnisses am Wochenende noch keine Kenntnis. Während des Besuchs in Herringen hatten sie sich ihrerseits Gedanken gemacht, wie die Bäume gerettet werden können. Maike Schmiedecken beispielsweise vertrat die Ansicht, dass durch stellenweise Verbesserungen der Zustand der Baumbeete korrigiert werden könnte, ohne die Bäume zu fällen. „Einwachsende Wurzeln in die Kanalisation könnten durch Ausfräsung und Versiegelung des Kanals, der sowieso repariert werden muss, beseitigt werden, ohne dass der Baum gefällt wird“, warf Dirk Hanke vom Arbeitskreis Umwelt der Grünen Ratsfraktion ein. 

SPD-Ratsherr Franz Tillmann begrüßte es, dass die meisten Bäume erhalten bleiben, gleichzeitig aber die Baumscheiben erneuert und somit gefährliche Stolperfallen beseitigt werden sollen. Das habe man schon bei der Sommertour vor zwei Jahren gefordert. Was ihn aber maßlos ärgerte: Erst vor wenigen Tagen habe er bei der Verwaltung nachgefragt, was denn mit der Fällung der Bäume sei. Er habe nur eine schwammige Antwort erhalten. Und auch in den ebenfalls erst wenige Tage zurückliegenden Ausschusssitzungen sowie in der Bezirksvertretung Herringen sei mit keiner Silbe erwähnt worden, dass es eventuell eine Möglichkeit geben, dass die Bäume doch erhalten werden können. Angesichts der Brisanz des Themas hätte man die Politiker zumindest darüber in Kenntnis setzen müssen, kritisierte der Ratsherr.

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