Einmalig in Hamm: Sensoren gegen Sünder

So funktioniert das neue Park-Prinzip im Lippe-Carrée

+

Herringen -  Im Kampf gegen Dauerparker auf dem Parkplatz des südlich der Dortmunder Straße gelegenen Fachmarktzentrums gehen die Betreiber neue Wege. WA.de erklärt hier, wie das funktioniert.

Die Parkhöchstdauer am Lippe-Carrée beträgt nur noch zwei Stunden. Überwacht wird die Einhaltung von der Firma Safe Place aus Düsseldorf, die mittlerweile auch schon entsprechende Schilder aufgestellt hat und die auf eine Überwachung mittels Sensoren setzt. (Hier klicken für weitere Artikel dazu.) Wir haben um Antworten für die vielen offenen Fragen gebeten:

Warum kommen keine Parkscheiben zum Einsatz? 

Wie Safe-Place-Geschäftsführer Dr. André Westhoff erklärt, hat die neue Technik zwei große Vorteile. Zum einen werde nicht der bestraft, der in der Hektik das Auslegen der Parkscheibe vergessen habe und sich nach dem Einkauf über ein „Knöllchen“ ärgere. Zudem könne man, so Westhoff, gezielt und effizient gegen Autofahrer vorgehen, die die Parkzeit überschritten haben. „Wir müssen nicht jede einzelne Parkscheibe kontrollieren.“

Wie funktioniert das System? 

Im Prinzip ist das recht einfach: Jeder der mehr als 200 betroffenen Stellplätze im Lippe-Carrée wird mit einem Sensor ausgestattet. Per Magnetstrahlen registrieren diese genau, wann ein Auto geparkt wurde und wann es den Stellplatz wieder verlässt.

Große Schilder weisen auf die neue Parkregelung im Lippe-Carrée hin. Der Geschäftsführer der Firma Safe Place, Dr. André Westhoff, die den Parkplatz überwacht, erklärt, wie das System funktioniert.

Sobald die Parkzeit überschritten wurde, wird ein Mitarbeiter von Safe Place informiert. „Auf einem Tablet wird ihm angezeigt, auf welchem Stellplatz genau die Parkzeit überschritten wurde. An Ort und Stelle findet dann nach fünf bis sechs Minuten noch einmal eine Überprüfung statt.“

Auf das Ausstellen eines „Knöllchens“ werde zum Beispiel dann verzichtet, wenn der Parkplatz vom Auto eines Haustechnikers belegt sei, der gerade in einem der umliegenden Geschäfte zu tun habe.

Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? 

Das sei, wie Westhoff sagt, gerade in Deutschland ein sensibles Thema. „Die Sensoren erfassen weder das Nummernschild, noch die Farbe oder Marke der Autos, die über ihnen stehen.“ Erst der Mitarbeiter erfasse bei der Ausstellung des „Knöllchens“ das Autokennzeichen.

Was kostet eine Überschreitung der Parkzeit? 

Diejenigen, die die Parkzeit überschritten haben, zahlen eine so genannte „Vertragsstrafe“ in Höhe von 19,90 Euro, die sie an die Firma Safe Place überweisen müssen.

Gibt es auch Fälle, wo Autofahrer, die die Parkzeit überschritten haben, nicht zahlen müssen?

Ja. Das können, wie von Westhoff erwähnt, zum einen beispielsweise Haustechniker sein. Für Herringen gibt es zudem eine Sondervereinbarung für die Besucher des Ärztehauses. Hier hatte es im Vorfeld Kritik gegeben, dass ein Arztbesuch schon mal länger als zwei Stunden dauere. Den Patienten dürfe deshalb bei einer Überschreitung der Parkzeit kein „Knöllchen“ aufgedrückt werden.

Die allgemeinen Geschäftsbedingungen. Ein Klick rechts oben in das Bild vergrößert das Motiv.

Nach Angaben von Westhoff wird es dazu auch nicht kommen: In den Praxen können sich die Patienten eine „Patientenkarte“ holen, auf der ihnen der Arzt bescheinigt, wie lange sie bei ihm waren. „Sollten sie ein ,Knöllchen’ bekommen haben, kann es gegen Vorlage dieser Karte storniert werden.“

Wer finanziert das System? 

Safe Place beziffert die Kosten für die Umrüstung des Parkplatzes auf einen „hohen fünfstelligen Euro-Bereich“. Refinanziert werden die Kosten über die „Vertragsstrafen“.

Ist das System in Herringen schon „scharf“ gestellt? 

„Nein“, sagt Westhoff. Zwar habe man die Schilder schon aufgestellt, die Sensoren fehlten aber noch. „Um den Parkplatz zu schonen, kleben wir sie auf. Doch dafür brauchen wir Plusgerade, möglichst auch nachts, um den Parkplatzbetrieb beim Aufkleben der Sensoren nicht zu behindern“, so Westhoff, der davon ausgeht, dass die Sensoren in den nächsten Tagen aufgeklebt werden und die Überwachung des ruhenden Verkehrs starten kann.

Wie viele Parkplätze sind wie der im Lippe-Carrée ausgestattet? 

Die dortige Überwachungsmethode gibt es laut Safe Place deutschlandweit auf rund 100 Parkplätzen. In Hamm ist es bislang der einzige.

Gibt es rechtliche Bedenken? 

Betreibern von Parkplätzen ist es grundsätzlich erlaubt, die Stellplätze überwachen zu lassen. Sobald die Kunden sie nutzen, erklären sie sich mit den Bedingungen einverstanden. Es entsteht eine Art „Vertrag“. Und der besagt, dass auf dem Parkplatz im Lippe-Carrée maximal zwei Stunden geparkt werden darf. Bei Missachtung gibt’s demnach also eine „privatrechtliche Vertragsstrafe“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare