Loveparade: Opfer-Mutter "will denen in die Augen schauen"

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Gabriele Müller

Hamm/Düsseldorf - Daran geglaubt hatte Gabriele Müller nicht mehr. Aus den 11-Uhr-Nachrichten erfuhr die 59-jährige Hammerin am Montag, dass es im Love-Parade-Verfahren zur 180-Grad-Wende gekommen war.

Nun soll doch ein Prozess gegen zehn Angeschuldigte der Duisburger Stadtverwaltung und des damals zuständigen Sicherheitsdienstes stattfinden. „Ich konnte es gar nicht fassen“, sagte die Herringerin, die am 24. Juli 2010 ihren Sohn Christian verloren hatte. Der 25-Jährige starb mit weiteren 20 jungen Menschen im Katastrophen-Tunnel auf dem Weg zum Festival-Gelände.

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

Einkäufe hatte die 59-Jährige am Montagmorgen in der Stadt erledigt, war ins Auto gestiegen und hatte wie immer das Radio eingeschaltet. „Im Loveparade-Verfahren...“, hatte der Sprecher seinen Text begonnen. Gabriele Müller hatte zunächst an eine Ente geglaubt, war auf direktem Weg nach Hause gefahren und hatte Fernseher und Computer eingeschaltet. Weil auch dort auf allen Sendern von der Wende in dem Fall berichtet wurde, bekam die Kunde auch für sie allmählich reale Konturen. Zwei Stunden später stand die Herringerin bereits im Selbachpark vor einer Fernseh-Kamera und gab dem ZDF ein Interview.

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Wie keine Zweite steht Gabriele Müller seit eineinhalb Jahren an der Spitze der Loveparade-Opfer und deren Hinterbliebenen und kämpft für einen Fortgang des Strafverfahrens. Mehr als 350.000 Unterstützer folgten im Sommer 2016 ihrer Online-Petition „Gerechtigkeit für Christian“ mit der sie auf einen Prozessbeginn hatte hinwirken wollen, nachdem das Landgericht Duisburg dies Ende März abgelehnt hatte.

Im Juli 2016 übergab Gabriele Müller (Mitte) die Online-Petition mit 330.000 Unterschriften ans OLG Düsseldorf.

„Das ist die erste positive Nachricht seit der Unglückstat“, sagte die 59-Jährige gegenüber dem WA. Als Nebenklägerin ist sie in dem Prozess vertreten. Zwar ist ein Termin dafür noch nicht bekannt, doch die Hammerin hat den festen Vorsatz, daran auch aktiv teilzunehmen. „Auch wenn das nicht die Hauptbeschuldigten sind, haben auch die genau gewusst, was sie an jenem Tag getan haben. Das Unglück ist nicht einfach so passiert.“ Auf jeden Fall werde sie zur Verhandlung nach Duisburg fahren. „Ich will denen in die Augen schauen. Die sollen sehen, was sie uns angetan haben.“

Duisburg: Bewegende Trauerfeier für Loveparade-Opfer

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