Aus "Paroli-Schenke" wird "Pinter's Pinte"

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Angelika Pinter - hier mit ihrem Mann Andreas - betreibt "Pinter's Pinte".

Herringen - Nach über 50 Jahren ist der Name der Herringer Kult-Kneipe "Paroli-Schenke" Geschichte. Mit dem Eigentümerwechsel wurde aus ihr "Pinter's Pinte".

Als Service-Kraft hat sie unter anderem schon im damaligen „Dreiländereck“ in Wiescherhöfen, bei Keitmann in Lerche sowie im „Pelkumer Bahnhof“ gearbeitet. Jetzt hat sich Angelika Pinter den Traum von einer eigenen Gaststätte erfüllt: Sie ist die neue Betreiberin von „Pinter’s Pinte“ an der Holzstraße 6. Um den Neuanfang auch nach außen zu dokumentieren, habe man sich vom alten Namen „Paroli-Schenke“ verabschiedet, erklärt Angelika Pinter.

Ihr Mann Andreas hatte vor kurzem die gesamte Immobilie, zu der auch vier Wohnungen, ein kleines Geschäft und ein großer Saal gehören, von den Kindern des im Jahre 2014 gestorbenen langjährigen Eigentümers Paul Rose erworben. „Pachten kam für uns nicht in Frage.“ Also habe man sich dazu entschieden, die Immobilie zu kaufen, sagt Andreas Pinter, der in seinem Hauptberuf eine Versicherungs-Agentur in Herringen betreibt. 

In den vergangenen Wochen, parallel zum laufenden Betrieb, hatte er seine Gaststätte sanieren lassen. Die in die Jahre gekommenen sanitären Anlagen, die gesamte Haustechnik und die Kühlung – alles wurde erneuert. Auch der Schankraum wurde renoviert. „In den nächsten zwei Wochen wollen wir auch noch die Kegelbahn erneuern“, sagt der Eigentümer, der früher selbst regelmäßig Gast in der „Paroli-Schenke“ war. 

Einiges tun wird sich in den kommenden Monaten auch im großen Saal, den Pinter an die E & B Events e.K. verpachtet hat. Sie werde viel Geld in die Hand nehmen, um den Saal zu sanieren. Pinter: „Er soll ebenerdig und um rund 100 Quadratmeter vergrößert werden.“ Zudem wolle ihn der Pächter mit moderner Technik ausstatten. Die Musikanlage zum Beispiel werde so eingestellt, dass die Lautstärke bei geöffneter Außentür automatisch herunterfahre. 

Mit dem Neustart sind Angelika und Andreas Pinter sehr zufrieden. Aktuell sind sechs Vereine – vier Dart-, ein Billard- und ein Flipperverein – in „Pinter’s Pinte“ beheimatet. Demnächst werden auch noch einige Kegelvereine hinzukommen. Sie seien alle sehr wichtig, so der Eigentümer. Denn nur vom Schankbetrieb allein könne man nicht leben. Für die Zukunft wünschen er und seine Frau sich, dass das Rauchverbot gelockert und es zumindest erlaubt sein wird, in einem abgetrennten Bereich zu rauchen.

Die Paroli-Schenke – jetzt Pinter’s Pinte – kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Am 23. Juli 1954 eröffnete Hermann Bülhoff an der Holzstraße das Herringer Lichtspieltheater – kurz „Heli“. Entworfen vom Pelkumer Architekten Pfefferle, bot es 563 Zuschauern Platz. Ein Jahr später eröffnete dann auch die Heli-Klause. Beide, Kino und Gaststätte, wurden zu Beginn der 1960er-Jahre von Paul Rose übernommen. Mit ihm kam ein neuer Name. Fortan nannte sich das Kino „Paul-Rose-Lichtspieltheater“ – kurz Pa-Ro-Li. Die Idee dazu hatte übrigens ein Anzeigenberater des WAK. Doch die Freude am Kino währte nicht lange. Da es in immer mehr Haushalten einen Fernseher gab, musste Paul Rose sein Kino Mitte der 1960er-Jahre schließen. Seine Gaststätte bestand aber weiter, und im ehemaligen Kino-Saal fanden von nun an Großveranstaltungen wie Boxkämpfe, Theateraufführungen und Ausstellungen und natürlich Feiern statt. Als ein Stück deutsches Kulturgut hat es die typische Eckkneipe geschafft, alle Krisen zu überstehen, um jetzt mit einem neuen Namen und einem neuen Eigentümer durchzustarten.

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