Chorfreunde mhp für immer verstummt

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Die Chorfreunde mhp bei ihrem Jubiläumsauftritt 2017 im Bauhof. Es war eines ihrer letzten Konzerte.

Herringen - Nach 51 Jahren verstummt mit den Chorfreunden mhp ein weiterer Traditionschor, Gründungsmitglied Addi Weiland und Ulrich Faros blicken mit Wehmut auf eine „tolle Zeit“ zurück.

Das Ende des Chores hatte sich schon vor einigen Jahren abgezeichnet. „Viele aktive Sänger sind gestorben oder aus Alters- beziehungsweise Krankheitsgründen ausgeschieden. Und von unten wuchs nichts nach“, erzählt Weiland. Von einst fast 40 Sängern seien zum Schluss gerade einmal 17 übrig geblieben, einige Auftritte habe man nur noch mit Unterstützung des Polizeichors Selm meistern können. „Uns fehlte einfach das Volumen.“ 

Und dennoch: Im Jubiläumsjahr 2017 gaben die Chorfreunde noch einmal richtig Gas. Sie traten beim Neujahrsempfang des Stadtbezirks Herringen, beim eigenen Jubiläums-Konzert im Bauhof und beim Kastanienfest in Westtünnen auf. Das traditionelle Weihnachtskonzert hingegen fand schon nicht mehr statt – sehr zum Bedauern der Fangemeinde, die den Chorfreunden über Jahrzehnte die Treue gehalten hat. „Doch es ging nicht mehr. Bei den Proben waren wir oft nur 13 oder 14 Sänger“, sagt Faros, der es wie Weiland sehr bedauert, dass sich die Chorfreunde am Ende dann doch recht „sang- und klanglos“ von ihrem Publikum verabschiedet haben. 

Die Gründung des Männerchores ging 1967 auf eine Initiative von Karl-Heinz Benker und Heinz Wenzel zurück, die Kollegen ansprachen, ob sie Interesse zur Gründung eines Chores haben – und die Resonanz war groß. „Schon nach zwei Proben hatten wir unseren ersten Auftritt“, erinnert sich Weiland. In der Werkskantine habe man für die Kinder des Waisenhauses Vorsterhausen Weihnachtslieder gesungen. Dabei sei auch selbst gebasteltes Spielzug an die Kinder verteilt worden. „Auch einige Herren der Direktion waren dabei.“ Bis vor wenigen Jahren seien die Chorfreunde mhp vom Werk finanziell unterstützt worden – und das, obwohl nicht alle Sänger bei Hoesch gearbeitet haben. 

Faros und Weiland sind hingegen echte „Hoeschianer“. Wenn sie sich an die wichtigsten Konzerte erinnern, fällt ihnen ihr Auftritt in der Stillen Kapelle auf den Schlachtfeldern von Verdun/Frankreich ein. „Unvergesslich ist für mich auch unser Auftritt im Trierer Dom“, so Weiland. Faros hebt noch ein Treffen der Hoesch-Chöre in Gevelsberg hervor. Dort sei gleich zu Beginn ein fantastischer russischer Männerchor aufgetreten. „Und danach wollte niemand singen.“ Daraufhin hätten sich die Chorleiter zusammengesetzt und beraten, wer dazu in der Lage sei. „Und das waren wir“, sagt Faros nicht ohne Stolz. 

Aus Sicht der beiden Sänger erlebten die Chorfreunde ihre Blütezeit in den ersten 25 Jahren. Danach seien die Einschläge immer näher gekommen, sagt Faros. Wechselnde Chorleiter, immer älter werdende Sänger und kaum Nachwuchs hätten dem Chor letztlich das Genick gebrochen. Beide vermissen den Gesang sehr. „Als wir montags plötzlich nicht mehr geprobt haben, bin ich zunächst wie Falschgeld rumgelaufen“, sagt Faros, der sich inzwischen dem Polizeichor Selm unter Henryk Hans – er war auch der letzte Leiter der Chorfreunde – angeschlossen hat. Die Zeit beim Herringer Männerchor habe ihm viel Freude bereitet. Weiland pflichtet dem bei: „Ohne unsere Frauen, die uns immer unterstützt haben, wäre das alles aber nicht möglich gewesen.“ 

Doch es sind nicht nur die Proben und die Auftritte, die die beiden Sänger vermissen. In der Anfangszeit habe man nach den Proben oft zusammengesessen und das eine oder andere Bierchen getrunken. Ob nach Neufchâteau, ins Allgäu oder in die Rhön: Unvergessen seien auch die Ausflüge. „Das“, so bedauern sie, „hat in den letzten Jahren leider nachgelassen.“ 

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