Loveparade: Herringer Eltern setzen auf Macht der Klicks

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Gabi Müller

Hamm - Alles, nur keinen Medienrummel. Jahrelang mied Gabi Müller Kameras und Mikrophone, sehnte sich in der Trauer um ihren einzigen Sohn, der am 24. Juli 2010 bei der Loveparade-Katastrophe ums Leben gekommen war, nach Ruhe, Respekt und Pietät. Doch auch diese letzte Hülle, die Wahrung ihrer Anonymität, ist nun gefallen.

Die 58-jährige Herringerin sieht im Kampf um eine juristische Aufarbeitung des Unglücks keine andere Möglichkeit. „Was soll ich sonst tun? Es geht nicht anders“, sagt sie über ihre verzweifelte Mission.

„Stern TV“, „WDR aktuell“ und auch das ZDF. Es gibt nur wenige Hammer, die es jemals auf ähnlich prominente Sendeplätze gebracht haben. Gabi Müller hat binnen weniger Tage all diese Sender und Sendungen kennengelernt und dort Interviews gegeben. Auch im WA will sie nun mit vollem Namen stehen.

Christian Müller

Anlass für das Medieninteresse ist die Online-Petition, die sie am 8. April auf dem Portal „Change.org“ gestartet hat. Seit drei Tage kann sich die Internet-Gemeinde mit ihrer Forderung nach einem Prozess gegen die Loveparade-Verantwortlichen solidarisch zeigen. Knapp 50.000 Unterstützer hatten sich bis Donnerstagabend registriert, sekündlich kamen neue hinzu. Nur die Petition „Freiheit für Böhmermann“ hat derzeit eine noch größere Resonanz.

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Auch Gabi Müller setzt auf die Macht der Klicks, hofft dass die enorme Resonanz zumindest im politischen Raum Wirkung zeigen wird. Die Richter des OLG Düsseldorf, denen die Petition am Ende zugeleitet wird, dürften sich hingegen kaum in ihrer Entscheidung, ob sie der Beschwerde gegen den vor dem Landgericht Duisburg geplatzten Prozess stattgeben werden, beeindrucken lassen.

Hier geht's zur Online-Petition

„Mein Mann und ich haben uns immer gesagt, dass wir nicht in die Öffentlichkeit gehen werden“, sagt die Herringerin. „Wir haben in den Rechtsstaat vertraut. Aber jetzt können wir nicht mehr schweigen.“ Es gehe nicht allein um ihren Sohn Christian, der mit 25 Jahren in dem Gedränge im Tunnel starb. „Es geht um uns alle, um alle Hinterbliebenen.“ Auch in Spanien, aus dem Umfeld eines weiteren Opfers, solle in den nächsten Tagen eine Petition gestartet werden.

Die positive Resonanz der Unterstützer helfe schon, um die Nichtzulassung des Prozesses zu verarbeiten. Trotzdem überwiegen für die Herringerin Enttäuschung und Zorn. „Warum müssen wir nur zu solchen Mitteln greifen, um endlich Gehör zu finden?“

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