Erinnerung an den Bergbau

Schlange stehen für Steine von der Zeche "Heinrich Robert"

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„Nein, mein Stein!“: Die Nachfrage war stark, das Angebot knapp. Doch auch wenn die Szenerie im Lichthof manchmal den Eindruck erweckte, ein Gezerre um die begehrten Steine von „Heinrich Robert“ gab es nicht. Diverse Steine sind noch zu haben.

Pelkum/Herringen - Für manche ist es nur noch die Erinnerung an den Opa und seine Wirkstätte, für andere wiederum sind die eigenen Erinnerungen an die „Maloche im Pütt“ noch ganz frisch. Gemeinsam ist ihnen, dass sie am Samstag im Lichthof der ehemaligen Zeche Heinrich-Robert Schlange standen, um sich einen der insgesamt 200 limitierten und nummerierten Ziegelsteine zu sichern.

Nicht irgendwelche Ziegel! Die Mauerbruchstücke, an denen teils noch der Putz hängt, sind einzigartige Erinnerungen an das Bergwerk Ost. „Einerseits ist so ein Stein ein Andenken an den Bergbau, wovon wir alle gelebt haben. Andererseits ist es die Geschichte“, sagte Bezirksvorsteher Udo Schulte. Er freute sich, dass diese Aktion in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Wiescherhöfen durchgeführt werden konnte. Sein Mauerstück, das die Nummer eins trägt, werde einen Platz im Wintergarten erhalten, erklärte er. 

Die Mauerstücke wurden zu jeweils 15 beziehungsweise 30 Euro verkauft. Den Stein mit der Nummer 98 sicherte sich Manfred Reiter. „Das ist meine letzte Spindnummer gewesen, bevor ich in den Ruhestand gegangen bin. Ich war 35 Jahre hier auf der Zeche“, erklärte er. Für ihn sei der Stein, der einen Platz in der Gartenlaube finden soll, eine schöne Erinnerung. Jasmin Kiczeriak kaufte einen Stein als nachträgliches Geschenk zum Vatertag für ihren Vater, der 30 Jahre lang auf der Zeche arbeitete. Als Mitbringsel für den Sohn erwarb Uwe Ziethmann einen Stein. Er sei ein großer Zechenfan, sagte er. Zwischen den gesammelten Bildern soll der Stein seinen Platz finden.

Heinrich Robert: Verkauf von  Mauersteinen zur Finanzierung eines Alltagsmenschen aus Beton

Für den Stein mit der Nummer 56 entschied sich Klaus-Dieter Gohr: Er habe auf der Zeche drei verschiedene Markennummern gehabt und sich deshalb für sein Geburtsjahr entschieden. „Wir haben ein Regalfach, in dem nur Zechensachen sind. Ich hoffe, das Regal hält den Stein aus“, sagte seine Frau Sabina Gohr. Lisa Marie Severin holte den Stein für ihre Mutter ab, die derzeit im Urlaub ist. Sie frage sich, was ihre Mutter damit vorhabe, erklärte sie. 

Gleich mehrere Steine kaufte Theo Rohrkamp. „Die 35 Grubenjahre sind nicht spurlos vorübergegangen. Ich habe viel Interessantes erlebt“, erzählte er. Seine zehnjährige Tätigkeit als Betriebsratsvorsitzender sei hart aber auch sehr schön gewesen. Für ihn wäre es das Schlimmste gewesen, wenn das Bergwerk während seiner Zeit hätte geschlossen werden müssen. Das sei immer das „schwarze Schwert gewesen, das er im Kreuz hatte“. Zweimal habe er das verhindern können. „Ich wusste immer, dass die Belegschaft hinter mir steht“, so Rohrkamp. Der Stein werde einen Ehrenplatz neben anderen Zechensachen bekommen. 

Der ehemalige Betriebsratsvorsitzende hat die Patenschaft für den Alltagsmenschen „Theo“ übernommen, der am 1. September neben der Seilscheibe und Kokereitür auf dem Wiescherhöfener Markt aufgestellt werden soll. Durch die Aktion soll der 6 500 Euro teure Kumpel mitfinanziert werden. Insgesamt 105 Steine sind am Samstag verkauft worden. Die übrigen 95 können noch bei Udo Schulte, Telefon 179444, erworben werden.

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