4.200 Erschütterungen in zwei Jahren

Bergbau lässt Erde beben: Entschädigung für tausende Hammer und Bergkamener - so viel Geld gibt's

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Kohleabbau mit einer Walzenschräme: Jahrzehntelang wurde tief unter Pelkum und Herringen Kohle gefördert. Nach dem Ende des Bergbaus kommt es durch Bewegungen im Boden immer wieder zu Erschütterungen. Anwohner werden dafür jetzt entschädigt.

Pelkum/Herringen/Bergkamen – Der Bergbau in Hamm ist längst vorbei, die Folgeschäden bleiben. Tausende Menschen in Herringen, Pelkum und Bergkamen können aber auf eine Entschädigung für bergbauliche Erschütterungen hoffen.

Wie die RAG mitteilte, konnte eine entsprechende Einigung mit dem Verband bergbaugeschädigter Haus- und Grundeigentümer (VBHG) erzielt werden. Nachfolgend beantwortet wa.de die wichtigsten Fragen.

Wer ist anspruchsberechtigt? Anspruchsberechtigt sind bestimmte Wohnlagen im Bereich des ehemaligen Bergwerks Ost für den Zeitraum vom Jahr 2008 bis zur Stilllegung des Bergwerks im Jahre 2010. 

Welche Wohnlagen genau können auf eine Entschädigung hoffen? In der Mitteilung, die auf der Homepage der RAG steht, ist von folgenden Bereichen die Rede: Kamen, Bergkamen-Overberge und Hamm (Bereiche von Pelkum und Herringen). Welche Wohneinheiten genau Anspruch auf Entschädigung haben, soll im Bürgerinformationsdienst der RAG und über www.rag.de/wohnwertminderung dargestellt werden. Dort sind 63 Straßen aus dem Postleitzahlbezirk 59077 aufgeführt. Dennoch: Aus Sicht von Karl-Heinz Röcher vom Aktionskreis Wohnen und Leben lässt die Mitteilung der RAG noch Fragen offen. So fragt er sich, warum die Ortslage Bergkamen-Rünthe in der Liste fehlt. 

Warum soll eine Entschädigung gezahlt werden? Der Kohleabbau führte an der Tagesoberfläche zeitweise zu Erschütterungen. Im Bereich des Bergwerks Ost wurden 2009 und 2010 insgesamt 4.200 Erschütterungen registriert, von denen die meisten über Tage allerdings nicht zu spüren waren. Die Ereignisse, die über Tage ankamen, erschreckten jedoch viele Menschen. Auch Schäden an Häusern konnten ab einer bestimmten Stärke nicht ausgeschlossen werden.

Zahlungen von bis zu 800 Euro

Wie hoch sind die Entschädigungen? Die mit dem VBHG erzielte Übereinkunft sieht Zahlungen in Höhe von bis zu 200, 400 oder 800 Euro vor. „Die Grundlage bildet ein Pauschal-System, das einerseits die Ergebnisse der entsprechenden Musterprozesse des VBHG berücksichtigt und zum anderen die regional unterschiedliche Ausprägung der Erschütterungen miteinbezieht“, so die RAG.

Können nur Mitglieder des VBHG auf eine Entschädigung hoffen? Nein. Die RAG bietet auch Eigentümern, Mietern sowie Wohnungsberechtigten, die nicht vom VBHG vertreten werden, aber ebenfalls von solchen Erschütterungen betroffen waren, eine Entschädigung je betroffener Wohneinheit zu den gleichen Konditionen an. „Die pauschale Einmalentschädigung wird unabhängig von der Anzahl der in einer Wohneinheit konkret lebenden Personen einmalig und abschließend pro Wohneinheit zur Abgeltung sämtlicher Beeinträchtigungen des Wohnwertes durch bergbaulich verursachte Erschütterungen gezahlt“, so die RAG. 

Gibt es eine Entschädigung für Erschütterungen, die vor 2008 aufgetreten sind? Erschütterungen und daraus eventuell resultierende Ansprüche vor 2008 sind nach übereinstimmender Rechtsauffassung verjährt. 

Gibt es eine Entschädigung für die aktuellen Erschütterungen, die im Bereich Hamm/Bergkamen seit Ende 2019 stark zugenommen haben? Sie waren kein Gegenstand der aktuellen Verhandlungen. Der Landesverband der Bergbaugeschädigten will aber „ein Auge darauf halten“. 

Anträge bis Jahresende einreichen

Was muss man machen, um eine Entschädigung zu bekommen? Im Informationssystem der RAG, so es denn funktioniert, steht, welche Wohnbereiche genau betroffen sind. Anträge müssen bis zum 31. Dezember dieses Jahres gestellt werden. Das Online-Formular für den Antrag auf Entschädigung gibt es auf der Homepage der RAG (www.rag.de) unter www.rag.de/wohnwertminderung. 

Was müssen Antragsteller noch beachten? Voraussetzung ist natürlich, dass man im fraglichen Zeitraum (2008 bis 31. Dezember 2010) auch vor Ort gewohnt hat. Wenn das Wohngebäude beziehungsweise die Wohneinheit in einem Bereich mit hoher Betroffenheit liegt, ist die Einreichung einer Meldebescheinigung (Nachweis der Anmeldung eines Wohnsitzes beim Einwohnermeldeamt für den jeweiligen Betrachtungszeitraum) des Antragstellers zur weiteren Bearbeitung des Antrags zwingend erforderlich. Die anfallenden Gebühren für die Meldebescheinigung werden erstattet. Eine Meldebescheinigung ist nur für den Antragsteller und nicht für eventuell vorhandene, weitere Mitbewohner erforderlich. 

Wo können sich Betroffene noch informieren? Sobald alle offenen Fragen geklärt sind, will der Aktionskreis Wohnen und Leben die Bürger informieren. Für den 18. Februar, 19 Uhr, lädt der Aktionskreis zu einer Bürgerversammlung in die Regenbogenschule, Rünther Straße 80, ein, bei der auch das Thema „Erschütterungen“ angesprochen werden soll.

Erst im November bebte die Erde im Hammer Westen. Erst schreckte am 13. November ein leichtes Beben Menschen im Hammer Westen auf. Weitere Erschütterungen wurden nicht ausgeschlossen. Und tatsächlich, zehn Tage danach kam es wiederholt zu Erschütterungen.

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