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Auch Tod teurer: Krematorium Hamm erhöht erstmals Preise

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Von: Sarah Hanke

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Allein im Krematorium am Zechenweg finden jedes Jahr mehr als 7500 Feuerbestattungen statt.
Auswirkungen der Gaspreiserhöhung: Beim Krematorium am Zechenweg ziehen die Preise an. (Archiv) © Henrik Wiemer

Das Leben wird immer teurer, das Sterben aber auch: Zum ersten Mal seines Bestehens muss das Krematorium Hamm seine Preise für die Einäscherung erhöhen. Auch die Sargfabrik wird um eine weitere Anpassung nicht herumkommen.

Hamm - Die Preise für Gas steigen in diesem Jahr deutlich. Der Krieg in der Ukraine hat die Situation weiter verschärft. Das bleibt nicht ohne Folgen für die 160 Krematorien in Deutschland. „Der Energieträger der Krematorien ist, bis auf wenige Ausnahmen, Gas“, sagt Frank Makiol, Inhaber des gleichnamigen Bestattungsunternehmens in Wiescherhöfen und Geschäftsführer der Krematorium Hamm GmbH.

Das Krematorium am Zechenweg in Herringen werde komplett mit Gas betrieben. 2002 wurde es in Betrieb genommen. Nicht eine Preiserhöhung hat es in den 20 Jahren des Bestehens gegeben. Das wird sich in absehbarer Zeit ändern. „Das Produkt Energie wird wesentlich mehr kosten. Das Krematorium in Hamm wird deshalb die Preise für die Einäscherung zwangsläufig anheben müssen“, sagt Makiol. „Wir sprechen da nicht von einer Verdopplung, sondern von einer moderaten Preisanpassung.“

Ob die Preise um 5, 8 oder 10 Prozent erhöht werden, sei noch offen. „Wir sind als Unternehmen in der Phase, aufgrund der äußeren Einflüsse darüber nachzudenken“, so Makiol. Eine Einäscherung im Krematorium Hamm kostet, Stand jetzt, zwischen 300 und 400 Euro.

Der Tod wird teurer: Noch keiner so erlebt

Wenn das Gas im Winter knapp wird oder Russland den Gashahn komplett zudreht, würde das nicht ohne Auswirkungen auf die Kremation bleiben. Nach aktuellem Stand würden Krematorien von der Netzaufsichtsbehörde nicht als systemrelevant, sondern als kritische Infrastruktur eingestuft, so Makiol. „Das bedeutet, dass alle bemüht sind, dass Energie dort auch ankommt. Sofern es irgendwie geht.“

In seinem eigenen Bestattungsunternehmen habe Makiol in den letzten zwei Jahren Lieferengpässe und Preiserhöhungen bei verschiedenen Produkten erlebt: 20 Prozent mehr zahle man für Särge und Urnen. Aber auch Blumen und Trauerkarten seien betroffen gewesen – Papier bestehe schließlich aus Holz. „Das ist eine Situation, die noch keiner so erlebt hat“, so Makiol. Und ein Ende ist nicht in Sicht: Auch die Kühlräume und Trauerhallen, die beheizt werden müssen, wären im Falle einer Gasknappheit betroffen. „Wenn es tatsächlich so kommt, wird deren Nutzung für das Bestattungswesen teurer werden.“

Bestattungen werden teurer – die Hintergründe erklärt Fachmann Frank Makiol.
Bestattungen werden teurer – die Hintergründe erklärt Fachmann Frank Makiol. Er sagt: „Das Produkt Energie wird wesentlich mehr kosten. Das Krematorium in Hamm wird deshalb die Preise für die Einäscherung zwangsläufig anheben müssen.“ © Andreas Rother

Der Tod wird teurer: Sarghersteller in Sorge

Pro Woche werden in der Sargfabrik Glunz tausende Särge produziert. Wie viele andere Sarghersteller mussten die Preise für die letzte Ruhe bereits um 20 Prozent erhöht werden. „Da werden bestimmt noch mal 10 Prozent dazu kommen“, ist sich Toni May, Seniorchef der Sargfabrik, sicher. Zwar sei die Entwicklung der Holzpreise grundsätzlich rückläufig. Anders sei dies jedoch beim Industrieholz, das für die Sargherstellung benötigt wird. Hinzu kommt: Sägewerke, mit denen das Familienunternehmen schon seit Generationen zusammenarbeitet, verkaufen das Holz lieber nach China, weil dort mehr Geld zu verdienen ist.

Auch von den Lieferengpässen bei Vorprodukten, verursacht durch den Schiffstau in Shanghai, ist die Sargfabrik betroffen. Metallklammern seien teurer und hätten eine lange Lieferzeit. Lacke seien zwar verfügbar, aber kostspieliger als sonst. Dass Lieferketten, die jahrelang zuverlässig funktionierten, nun versagen, hat das Familienunternehmen zum Umdenken gebracht.

Der Tod wird teurer: Regionalität und Nachhaltigkeit

Künftig will die Sargfabrik – wenn möglich – auf Regionalität und Nachhaltigkeit setzen. Die verrottbarer Folie mit Erdöl, die einmal um den Globus transportiert werden musste, soll künftig durch Folie aus Lippstadt ersetzt werden. Sie bestehe aus Kartoffelstärke, so May. Für die Baumwolle werde man auch künftig weitere Wege in Kauf nehmen müssen. Sie stammt aus Pakistan oder Shanghai.

Das Bestattungshaus Nettebrock hat die Preise für Beerdigungen noch nicht anpassen müssen. „Es dreht sich ja im Moment alles. Wir wissen nicht, was noch auf uns zukommt“, sagt Inhaberin Jana Nettebrock. Sie wolle erst einmal abwarten, noch sei nichts an die Kunden weitergegeben worden. Wenn es irgendwann notwendig sein wird, habe sie aber keine Wahl. „Wir machen das ja nicht aus Spaß. Aber wir müssen ja auch unsere Kosten decken können“, so Nettebrock. Ins Minus zu fallen, sei auch nicht Sinn und Zweck.

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