Abriss an der Waldenburger Straße wird günstiger

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Die Flächen an der Waldenburger Straße, an denen die Hochhäuser standen, sind auf dem Luftbild noch gut zu erkennen.

Herringen - Die Schadstoffsanierung und der Abriss der Hochhäuser Waldenburger Straße 1, 3 und 5 kommen dem Steuerzahler wesentlich günstiger zu stehen als gedacht: Statt der zunächst eingeplanten 3,5 Millionen Euro werden es am Ende „nur“ rund 2,7 Millionen Euro sein.

„Zwar liegt die Schlussrechnung noch nicht vor. Wesentlich ändern wird sich diese Summe aber nicht mehr“, sagte Stadtbaurätin Rita Schulze Böing. Sie begründete die Einsparungen in Höhe von rund 800 000 Euro mit einem „guten Ausschreibungsergebnis“ und der „hervorragenden Arbeit“, die eine Düsseldorfer Firma als begleitendes Büro vor und vor allem während der Bauarbeiten in Herringen geleistet habe. Bei der Ermittlung der voraussichtlichen Kosten, die auch in der Beschlussvorlage „Waldenburger Straße, Rückbau der Gebäude“ aus dem Jahre 2015 auftauchen, hatte die Stadt den Durchschnittswert für derartige Projekte zugrunde gelegt. Schulze Böing: „Und dieses Mal haben wir Glück gehabt und deutlich weniger bezahlt.“

Nur 80.000 Euro fließen an die Stadt zurück

Allerdings fließen nur zehn Prozent des eingesparten Geldes – 80.000 Euro – zurück in die Kassen der Stadt, denn das Gesamtprojekt „Waldenburger Straße“ wird zu 90 Prozent aus Fördermitteln finanziert. Zu den 2,7 Millionen Euro für die Sanierung und den Abriss der Hochhäuser kommt noch deren Erwerb hinzu. Hierfür mussten etwa 2,3 Millionen Euro auf den Tisch gelegt werden, was zusammen rund fünf Millionen Euro macht. Davon abgezogen werden muss die Summe aus dem Verkauf des 12.300 Quadratmeter großen Grundstücks. Der Kaufpreis von 120 Euro pro Quadratmeter Bauland und privater Erschließungsfläche war auch Gegenstand des Investorenwettbewerbs zur Überplanung des Geländes, aus dem die Collineo Asset Management GmbH (Dortmund) als Investor und die Schreiter-Architekten aus Lünen als Sieger hervorgegangen sind.

Eigenanteil der Stadt liegt bei 350.000 Euro

Insgesamt dürften auf diese Weise rund 1,5 Millionen Euro in die öffentlichen Kassen gespült werden. Abzüglich dieser Summe muss der Steuerzahler für den Kauf, die Schadstoffsanierung und den Abriss der drei Hochhäuser somit 3,5 Millionen Euro zahlen. Der Eigenanteil der Stadt liegt bei 350.000 Euro.

Im Herbst soll erster Neubau entstehen

Allerdings: Noch hat sie, wie die Stadtbaurätin erklärte, das Grundstück nicht an den Sieger des Investorenwettbewerbs verkauft. Dies sei aber nicht unüblich. Die Collineo Asset Management GmbH müsse sich sicher sein, selbst einen Investor und genügend Interessenten zu haben, um das Gelände entwickeln zu können, so die Stadtbaurätin, die davon ausgeht, dass im Herbst mit dem Bau des ersten Hauses zumindest ein Teilgrundstück verkauft wird.

Grüne: "Das ist nicht seriös"

Wie berichtet, hatte die Collineo Asset Management GmbH vor allem aufgrund der schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen den Baustart auf die zweite Jahreshälfte 2017 verschoben. Das wiederum hatte zu Kritik bei der SPD und den Grünen geführt. „Es ist schon merkwürdig, wenn ein Investor einen Wettbewerb gewinnt und im laufenden Verfahren die Grundkonzeption gleich wieder ändert“, sagte Siegbert Künzel, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Grünen. Es sei immer wieder das alte Spiel: „Viel Computeranimation und Lyrik, um den Wettbewerb zu gewinnen und hinterher verdichtet man den Planungsraum, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Das ist nicht seriös“, ärgert sich Künzel und erinnert an die Planungshistorie Oranienburger Straße. Aus den Fehlern der Vergangenheit sollte die Verwaltung lernen und mit dem Investor Tacheles reden. Anscheinend wolle hier aber jemand doch nur einen guten Euro verdienen, statt langfristig an der Wohnimmobilie und dem Wohnstandort interessiert zu sein, verweist Künzel auf die Pläne, die fertigen Häuser gleich wieder weiter zu verkaufen. „So haben wir uns das nicht vorgestellt!“

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