Minister vor Ort

Zukunft von Hella in Hamm und 900 Arbeitsplätzen ungewiss - Entscheidung am Wochenende?

Für welchen Bieter sich die Eigentümerfamilie entscheiden wird, ist noch unklar.
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Für welchen Bieter sich die Eigentümerfamilie entscheiden wird, ist noch unklar.

Die Zukunft des Autozulieferers Hella aus Lippstadt und damit auch die des Werkes in Bockum-Hövel mit rund 900 Mitarbeitern ist nach wie vor unklar. Bis Mittwoch wurden von der Eigentümerfamilie die finalen Gebote für eine Übernahme ihrer Aktienmehrheit an dem Scheinwerfer-Spezialisten erwartet. Wann eine Entscheidung ansteht, ist noch unklar. Jetzt hat sich auch Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) geäußert.

Hamm – Die Zukunft des Autozulieferers Hella aus Lippstadt und damit auch die des Werkes in Bockum-Hövel mit rund 900 Mitarbeitern ist nach wie vor unklar. Bis Mittwoch wurden von der Eigentümerfamilie die finalen Gebote für eine Übernahme ihrer Aktienmehrheit an dem Scheinwerfer-Spezialisten erwartet. Wann eine Entscheidung ansteht, ist noch unklar. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, läuft es auf einen Showdown am Wochenende hinaus. Dann wolle die Eigentümerfamilie entscheiden, an wen sie ihre Anteile verkauft.

Belegschaft und Minister hoffen auf strategischen Investor

Deshalb geriet auch der Werksbesuch von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) auf dessen Wahlkampftour am Dienstag ein Stück weit zu einem Stochern im Nebel. Neben den Themen Kurzarbeit und Qualifizierung von Arbeitskräften ging es natürlich auch um den Verkauf – zuletzt Thema Nummer eins bei den Beschäftigten. Bei den Gesprächen waren auch der stellvertretende Betriebsrat von Hella, Ali-Can Hastürk, und die erste Bevollmächtigte der IG Metall Hamm-Lippstadt, Britta Peter, dabei.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil stattete dem Hella-Werk in Hamm am Dienstag einen Besuch ab.

Er hoffe wie die Belegschaft auf einen strategischen Investor, bekundete der Minister. Bei einer Übernahme müssten Arbeitsplätze gesichert werden. „Ich habe den Eindruck dass der Standort sehr, sehr gut aufgestellt ist mit einer sehr motivierten Belegschaft, aber auch mit hohem Maß an Automatisierung und einem Portfolio von Produkten, das gebraucht wird“, sagte Heil. Gerade im Hinblick auf den Wandel in der Autoindustrie, der heftig werde.

Heil sieht für Hella in Hamm sogar Expansionschancen

„Im Gegensatz zu einigen, die sich Sorgen machen, was den Antriebsstrang Verbrenner betrifft, hat man hier eine ganze Menge an Technologien, die sogar in einigen Bereichen richtige Expansionschancen bieten.“ Es brauche deshalb einen Investor, der nicht nur Geld aus Hella herausholen wolle, sondern mit der Firma langfristig Geld verdienen wolle. „Und so auch für gute Arbeit vor Ort sorgt.“

Mit Blick auf den Verkauf sei es gut, dass im Aufsichtsrat sowohl Vertreter der Unternehmer als auch der Beschäftigten sitzen, die so bei Betriebsentscheidungen mitbestimmen könnten. Der Bundestagsabgeordnete Michael Thews (SPD) lobte den „starken und kompetenten Betriebsrat“.

Arbeitsminister wird sich bei Verkauf nicht einmischen

Aber: Beeinflussen können die Entscheidung der Unternehmerfamilien Hueck und Röpke über ihr 60-Prozent-Aktienpaket wohl weder Heil noch seine Gesprächspartner vor Ort um Werkleiter Sebastian Rickert. „Ich muss – Wahlkampf hin oder her – deutlich sagen: Ich kann als Staat keine unternehmerischen Entscheidungen ersetzen. Ich kann auch Kapitalmarktentscheidungen nicht beeinflussen“, betonte der Minister. Einem Bericht des „Manager Magazin“ zufolge sind für die Übernahme noch die französischen Zulieferkonzerne Faurecia und Plastic Omnium sowie der Stuttgarter Kolben- und Klimaanlagenhersteller Mahle im Rennen.

Die Linke in Bockum-Hövel hatte zuletzt moniert, dass Heil und auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) den Schutz von Arbeitsplätzen in ähnlichen Fällen sträflich vernachlässigt hätten. Der Bundesregierung warfen sie Blindflug bei Unternehmensübernahmen vor und forderten ein Vetorecht für Beschäftigte und ihre Betriebsräte. Es bestehe die Gefahr, dass bei einer Schließung auch viel Know-how ins Ausland abfließe.

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