Unsere Bezirksserie „Was braucht Heessen?“

Heessener Markt entwickelt sich zum Gesundheitsstandort - ist das gut?

Studios, Praxen und Geschäfte aus dem Gesundheitssektor am Heessener Markt in Hamm Heessen
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Mehr und mehr Studios, Praxen und Geschäfte aus dem Gesundheitssektor sind am Heessener Markt zu finden.

Der Heessener Markt entwickelt sich mehr und mehr vom Handelsplatz zum Gesundheitsstandort. Ist die Entwicklung gut für den Stadtbezirk? Wie sehen Sie das? Diskutieren Sie mit uns (Formular unten im Artikel)!

Heessen – „Egal, in welche Richtung man spuckt, man trifft immer ein Praxisschild“: Der Kabarettist Volker Pispers meinte diesen Scherz eher kritisch. Auf dem Heessener Markt ist es ähnlich: Egal, wohin man guckt, irgendetwas Medizinisches hat der Heessener immer im Blick.

Uneingeschränkt positiv sieht die Entwicklung zum Gesundheisstandort Bezirksbürgermeisterin Erzina Brennecke. „Ich begrüße die Entwicklung und Stärkung des Gesundheitsstandortes am Heessener Markt, weil das Angebot der Fachpraxen den Kindern, Frauen und Männern eine wohnortnahe ärztliche Versorgung gewährleistet“, sagt die SPD-Politikerin. Sie freue sich über die zukunftssicheren und guten Arbeitsplätze, die geschaffen würden.

Hoffnung auf mehr Geschäfte? „Der Zug ist abgefahren!“

Ganz ähnlich sieht es Gegenspielerin und Oppositionsführerin Gabriele Beltrop-Hengst. „Heessen ist gerade durch die Investitionen an der Barbara-Klinik ein ganz starker Gesundheitsstandort“, sagt die CDU-Fraktionsvorsitzende, „diese Stärke zeigt sich auch am Heessener Markt, wo sich Ärzte, Apotheken und Dienstleister rund um Wohlbefinden, Fitness und Gesundheit jetzt konzentrieren.“ Und: „Wir sollten froh sein, dass der Heessener Markt und der Bereich um das Amtshaus jetzt so gut und gesund aussehen.“

Alles gut also? Einige Akteure gießen ein wenig Wasser in den Wein. Dr. Dr. Jürgen Abrams zum Beispiel, und das ist deswegen bemerkenswert, weil er es war, der mit dem Bau eines Gesundheitszentrums die Entwicklung zum Gesundheitsstandort einleitete. Damals habe man in Heessen noch nicht von einem Gesundheitsstandort gesprochen, und „seitdem ist das explodiert.“ Aber was jetzt fehle, sei Infrastruktur: „Wir betreiben die größte HNO-Praxis in Nordrhein-Westfalen mit Hauptsitz in Heessen, und zu uns kommen auch viele Patienten von auswärts, aus Köln zum Beispiel – für die wäre ein bisschen mehr Aufenthaltsqualität gut.“ Damit mein der Facharzt für Hals, Nase und Ohren nicht den Sprühbrunnen auf dem neu gestaltete Platz, sondern Geschäfte zum Schauen und Bummeln sowie ein zweites Café mit einem Snack-Angebot. Viel Hoffnung auf Besserung hat er nicht: „Ich glaube, der Zug ist abgefahren.“

Gesunde Mischung ist das Stichwort, das auch Friseurmeister Detlef Weltermann aufgreift. Er ist grundsätzlich zufrieden mit der Entwicklung – aber: „Sicherlich würde ich mir einen Markt und Umfeld mit einer lebendigen Struktur aus Einzelhandel, Dienstleistung und Gesundheit wünschen“, sagt er, „es würde nicht nur die Wirtschaft stärken, sondern auch den sozialen Aspekt.“ Weltermann argumentiert, dass Ärzte, Apotheken und Gesundheitsdienstleister Patienten anziehen, aber keine Kunden, und sie schüfen auch keine soziale Atmosphäre am Markt. Er wünscht sich „mehr Leben, mehr Handel, mehr Kultur, mehr Marktgeschehen für alle.“ Da würde zum Beispiel ein Blumengeschäft passen, ein Deko-Laden für „schöne Dinge“, Gastronomie auch für abends und Bekleidung.

Ganz ähnlich sieht es Didi Wolf, Betreiber des Tennisstudios, der Postfiliale und Vorsitzender der Heessener Freunde. Zum einen sei der Schwerpunkt Gesundheit für die Heessener sehr gut, fast alle Facharztrichtungen würden abgedeckt, nur selten müsse man in andere Ortsteile fahren. „Schade finde ich, dass immer mehr Geschäfte verschwinden“, so Wolf, „der Handelsstandort wird immer kleiner – und es wird immer schwieriger, verkaufsoffene Sonntage zu organisieren.“ Die kleine Amtsstraße habe sich umgekehrt entwickelt: Neben Rewe, Aldi, Rossmann und Takko gebe es dort einen Bäcker, Ter Horst, Optik Grawunder und mehr: „Darüber muss man mal nachdenken.“

Barbara Sander: „Um diesen Gesundheitsstandort werden wir beneidet“

Barbara Sander, Vorsitzende der Heessener Werbegemeinschaft, sieht es positiver. Zwar seien verschiedene Händler wie Haushaltswaren Rühl oder das Modehaus Lyko nicht mehr am Markt, aber dafür hätten mehrere Ärzte die Vorteile genutzt, und andere Gesundheitsanbieter seien gefolgt. Sander: „Für die Bürger und Patienten kann es nichts Besseres geben, als alles ,auf einem Drubbel‘ zu haben.“ Ihr Fazit: „Die Heessener Bürger verlieren zwar einiges an Handel, gewinnen dafür einen wertvollen Gesundheitsstandort, um den Bürger aus anderen Stadtteilen sie beneiden.“ Bürgermeisterin Brennecke sieht darin sogar die Zukunft: „Auf dem Heessener Markt wird der Trend für zukünftige innerstädtische Entwicklung bereits umgesetzt.“

Apotheker Peter Obertrifter, Betreiber der Kiepenkerl-Apotheke, sieht die Entwicklung „absolut positiv“. Er bringt aber noch einen weiteren Aspekt zum Gesundheitsstandort ins Spiel: „Wir brauchen Nachwuchs im Apothekenbereich, aber auch bei den niedergelassenen Ärzten.“ Noch sei die Lage bei den Hausärzten in Heessen verhältnismäßig gut, aber das werde nicht so bleiben. Obertrifter: „Ich habe das Gefühl, dass das Kind erst in den Brunnen fallen muss, bis etwas passiert.“

Dr. Dr. Jürgen Abrams schlägt in dieselbe Kerbe. Es sei klar, dass viele Hausärzte in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen. „Das ist jetzt schon ein Problem, aber in Zukunft wird es ein richtig großes Problem sein.“ Noch seien die Heessener gut bedient, allein am Markt seien vier niedergelassene Hausärzte, aber was komme, lasse sich jetzt schon in Uentrop und Rhynern ablesen: Hausärztemangel.

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