In Heessen

Wegen Vandalismus: Jugendliche bringen Ideen für mehr Miteinander ein

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Überraschender Besuch: Rund zwei Dutzend Jugendliche verfolgten die Diskussion zum Thema Vandalismus in der Bezirksvertretung.

Heessen – Wie umgehen mit dem Vandalismus im öffentlichen Raum? Das war nicht zum ersten Mal Thema der Bezirksvertretung – aber diesmal gab es eine Überraschung.

Die bestand aus rund zwei Dutzend jungen, männlichen Köpfen. Die jungen Teilnehmer besetzten bis auf den letzten Stuhl die Publikumsränge im Bürgersaal und brachten auch noch Ideen mit, was die Bezirksvertreter für sie und den Bezirk tun könnten. Es hatte den Anschein, als seien jene jungen Menschen in die Sachsenhalle gekommen, die sonst vor ihr am Abend lärmen.

Ibrahim Ismail, Chef des Jugendhilfe-Vereins Paidaia, der seinen Sitz im Schulungsgebäude des Ökozentrums hat, hatte die Jugendlichen mitgebracht. Und einer von ihnen mit dem Namen Dennis brachte eines der Anliegen vor: Sie wollten auf der Fläche zwischen Schulungsgebäude und Alfred-Fischer-Halle ein Beachvolleyballfeld bauen. Die zweite Idee brachte Paidaia-Chef Ismail selbst vor: Die Sachsenhalle an den Freitagabenden öffnen, um die Jugendlichen, die sich bislang vor der Halle tummeln, mit Sport zu beschäftigen.

Paidaia-Sportbetrieb nach 22 Uhr?

Ein solches Konzept, so Ismail, habe an anderen Orten bereits funktioniert. Wenn der letzte Sportverein die Halle verlasse, also gegen 22 Uhr, werde der Schlüssel an Paidaia-Mitarbeiter übergeben – und die machen Sport mit den Jugendlichen, die sonst vor der Halle Lärm machen würden. Die Anonymität verschwinde, in der Halle hätten die Mitarbeiter alle Jugendlichen im Blick. Und: „Wir haben auch Sportwissenschaftler, die sorgen dafür, dass beim Sport nichts passiert.“

Ibrahim Ismail, Vorsitzender des Vereins Paidaia, erläuterte den Bezirksvertreten die beiden Ideen, die er und seine Jugendlichen vorgebracht hatten.

Ismail erläuterte auch die Sache mit dem Volleyballfeld. Konzept seines Vereins sei es, mit den Jugendlichen produktiv tätig zu werden. Das Schulungszentrum hätten sie bereits zu sehr großen Teilen neu gestaltet – alles durch den (freiwilligen) Einsatz der Jugendlichen. Ein Beachvolleyballfeld würde im Rahmen der Freizeit der Jugendlichen professionell erstellt. „Material, Schippe und Spaten sind da, wir brauchen nur noch Ihr Okay“, sagte er den Bezirksvertretern.

„Nicht auf die lange Bank schieben“

Auch wenn der bündnisgrüne Bezirksvertreter Friedrich Moor mahnte, solche Angelegenheiten von Jugendlichen solle man nicht auf die lange Bank schieben – mangels Vorbereitung konnten sie an diesem Tag nichts entscheiden: Es gab weder einen Antrag dazu, noch sonst eine notwendige Formalie. Aber erleichtert waren sie, dass jemand sich kümmert.

Denn das war vorher klar geworden: Die Polizei und der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) sind zwar in Heessen in Sachen Vandalismus und Ruhestörung aktiv, aber wirklich ausrichten können sie nicht viel. KOD-Chef Jörg Wiesemeier berichtete von 40 Kontrollen im Bereich der Sachsenhalle, 15 Kontrollen am Irisweg und 74 Kontrollen im Bereich des Sachsenweges, vor allem in dem alten Parkhaus – aber tätig werden könnten seine Mitarbeiter nur, wenn sie die jungen Menschen auf frischer Tat ertappen. „Wir können nur punktuell eingreifen, in Kontakt mit den Jugendlichen kommen wir dabei nicht wirklich“, sagte er.

Jugendamtsleiter: Es gibt zu wenig Aufenthaltsqualität

Jugendamtsleiter Raoul Termath benannte die Probleme der Jugendlichen im Bezirk. Vor allem dieses: „Es gibt zu wenig Aufenthaltsqualität für Jugendliche im Bezirk“, sagte Termath. Und er war es auch, der auf den Verein Paidaia überleitete: Dessen Mitarbeiter sprächen Jugendliche an und böten ihnen Beteiligung. Termath nannte die Sachsenhalle und weitere Orte im Bezirk.

Arnd Hilwig, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung, mahnte noch einmal an: „Regeln müssen durchgesetzt werden – das mit dem Schlagwort ,repressiv’ abzutun hilft da nicht viel.“ Zugleich betonte er die Bedeutung der präventiven Arbeit durch die Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes.

Vorschläge werden geprüft

Seine Gegenspielerin war an diesem Tag die Groko-Partnerin und SPD-Fraktionschefin Dilek Erdogan. Die SPD fühle sich bestätigt darin, dass ein rein repressiver Einsatz kaum zu einer Lösung des Problems beitrage. Vandalismus sei ein Ausdruck emotionaler Gefühlslagen, die etwas mit Ohnmacht zu tun habe und mit Rebellion. Sie bemängelte fehlende Strukturen in Hamm und fehlende Manpower.

Bezirksvorsteherin Erzina Brennecke (SPD) versicherte Dennis und den anderen Jugendlichen sowie dem Paidaia-Chef, alle in der Bezirksvertretung wollten ihnen helfen und sie unterstützen. Die beiden interessanten Anregungen – Beachvolleyballfeld und Sporthallenöffnung – würden geprüft.

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