Kein hinreichender Verdacht auf Vergewaltigung

"Vergewaltigung" in Dolberg: Prozess eingestellt

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Dolberg - Ein schnelles Ende fand der Dolberger Vergewaltigungs-Prozess am Landgericht Münster. Die 1. Große Strafkammer stellte das Verfahren gegen einen 25-jährigen Flüchtling aus Nigeria ein.

Eine Überraschung war das nicht mehr, nachdem die Kammer am 27. April bereits die Untersuchungshaft gegen den Angeklagten aufgehoben hatte. Am Dienstag erklärte der Vorsitzende Richter, dass es keinen hinreichenden Verdacht auf eine Vergewaltigung mehr gebe.

Die mittlerweile 16-jährige Jugendliche, die den Vorwurf erhoben hatte, habe gelogen. Von der Anklage bleibe lediglich die Ohrfeige übrig, die der 25-Jährige dem Mädchen versetzt hatte, nachdem sie ihm einen brennenden Joint in den Unterleib gedrückt hatte. Dafür sei aber nur eine geringe Strafe zu erwarten, deshalb könne das ganze Verfahren eingestellt werden.

Der Nigerianer bleibt im Gefängnis

Die Anwälte des Mädchens und des Angeklagten stimmten zu, obwohl der Verteidiger lieber einen glatten Freispruch für seinen Mandanten gesehen hätte. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob die Falschaussage für die 16-Jährige rechtliche Konsequenzen hat.

Derweil bleibt der Nigerianer im Gefängnis. Denn einen Tag vor der Aufhebung der U-Haft im laufenden Verfahren wurde ein Urteil des Amtsgerichts Brühl gegen ihn rechtskräftig. Wegen „schweren räuberischen Diebstahl in einem minderschweren Fall in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung“ hatte das Schöffengericht eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten gegen ihn verhängt.

Vor zwei Jahren lebte der Nigerianer in einem Flüchtlingsheim in Brühl. Im dortigen Schlosspark entwendete er am 8. August 2016 einem Mann ein Mobiltelefon aus der Jackentasche. Als der Bestohlene das Handy zurück haben wollte, schleuderte der Angeklagte dem Mann dessen Fahrrad an den Kopf und verletzte ihn dabei erheblich. Ein minderschwerer Fall war es, weil der Angeklagte zum Tatzeitpunkt stark betrunken war.

U-Haft anrechnen

Gegen das Urteil ging er in Berufung, die vom Landgericht Köln abgewiesen wurde. Dagegen legte er Revision ein, die das Kölner Oberlandesgericht verwarf. Für die zu Unrecht erlittene Untersuchungshaft im Dolberger Verfahren stehe dem Nigerianer eine Entschädigung zu, erklärte der Kammervorsitzende gestern.

Allerdings regte er an, dass seine Kölner Kollegen die U-Haft auf die Strafhaft aus dem Brühler Urteil anrechnen könnten. Dann fiele die Entschädigung weg und die ganze Sache würde die Staatskasse weniger belasten. Wenn er mindestens die Hälfte seiner Strafe abgesessen hat, könnte der Mann in sein Heimatland abgeschoben werden. Das ist bei ausländischen Straftätern gängige Praxis.

Matthias Münch

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