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Naturfreibad? Die Ampel und ihr Vorschlag für das Freibadgelände

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Von: Boris Baur

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Hier war einst das Freibad Heessen: Auf der brachliegenden Fläche hinter der Familien-Oase am Kappenbusch wünschen die Vertreter von SPD, Grüne und FDP ein Naturfreibad.
Hier war einst das Freibad Heessen: Auf der brachliegenden Fläche hinter der Familien-Oase am Kappenbusch wünschen die Vertreter von SPD, Grüne und FDP ein Naturfreibad. © Hans Blossey

Baden unter freiem Himmel, ein Wunsch vieler Heessener. Diskutiert wird in der Politik über das Wie. Die Ampel in der Bezirkskoalition wirbt nun für ihre Version eine Naturfreibad.

Heessen – Dass die Opposition ihre Idee von einem Naturfreibad als „Tümpel“ abgetan hat, wollen die drei Parteien der Heessener Bezirkskoalition nicht auf sich sitzen lassen. Nun möchte sie Werbung für ihre Idee machen, doch was halten die WA-Leser davon?

Als die Temperaturen noch wärmer waren, unternahm eine Delegation aus SPD, Grünen und FDP Exkursionen unter anderem nach Ennigerloh, um sich dort zeigen zu lassen, wie so etwas aussehen kann. Die Besuche haben die Ampel-Koalition in ihrem Vorhaben bestätigt, sich auf dem ehemaligen Freibadgelände am Kappenbusch für ein solches Projekt stark zu machen.

20 Jahre nachdem das Freibad Heessen plattgemacht wurde, scheint zumindest Konsens unter den Politikern zu sein, dass eine Abkühlung unter freiem Himmel im Stadtbezirk wieder her sollte. Diskutiert wird darüber schon einige Zeit. Die CDU favorisiert im Gegensatz zur Koalition allerdings ein klassisches Außenbecken.

„Seit der Schließung trauern viele dem Freibad hinterher“, spricht Tobias Lohse, der Vorsitzende der SPD-Bezirksfraktion, von gut erreichbarer Naherholung in Heessen – ohne Fahrten nach Berge, Pelkum oder Drensteinfurt. Das Freibad in Ennigerloh wäre aus Sicht der Ampel ein gutes Vorbild.

Was meinen die WA-Leser?

Naturfreibad, Außenbecken oder Status Quo? Braucht Heessen für den Sommer wieder eine Möglichkeit zum Schwimmen unter freiem Himmel oder ist das alles viel zu teuer im Bau und im Betrieb? Was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser? Schreiben Sie uns gerne Meinung per E-Mail an heessen@wa.de (bitte mit Nennung Ihres Namens).

„Das Wasser sah so toll aus“

Die Rot-Gelb-Grüne-Reisegesellschaft war jedenfalls begeistert von den Möglichkeiten, die die 2020 von einem normalen Freibad in ein Naturbad umgebaute Anlage zu bieten hat. „Wir waren überrascht, wie groß das sein kann und was für eine Oase. Das Wasser sah so toll aus“, sagt Bezirksbürgermeisterin Erzina Brennecke.

Michael Thon, 2. Stellvertretender Bezirksbürgermeister von den Grünen, war von der Ausstattung des Beckens mit 3-Meter-Sprungturm, Rutsche und Kletterwand und vier 50-Meter-Bahnen für den Schwimmsport beeindruckt. „Das ist kein Tümpel und kein Teich. Das ist ein richtiges Freibad – angepasst an die Herausforderungen, die uns der Klimawandel auferlegt, und es hat ein wahnsinnig ausgeklügeltes technisches System“, betont Lohse.

Mit Blick auf Sandstrand, Strandkörbe und zahlreiche Spielgelegenheiten im Grünen in Ennigerloh meint Brennecke: „Das Gefühl ist anders als im Freibad, eher wie im Urlaub.“ Die notwendigen, natürlichen Filtersysteme sind in das Gelände integriert. Eine Photovoltaik-Anlage sorgt zudem für Strom.

Mitglieder der Heessener Ampel-Koalition schauten sich das Naturfreibad in Ennigerloh an.
Mitglieder der Heessener Ampel-Koalition schauten sich das Naturfreibad in Ennigerloh an. © Kaldewey

Bürgerpark Kappenbusch: Prüfung läuft weiter

Die Realisierung eines Freibades im Stadtbezirk muss allerdings überhaupt erst einmal geprüft werden, schließlich sind Schwimmbäder defizitäre Angelegenheiten für Kommunen. Die ergebnisoffene Machbarkeitsstudie für die Fläche hinter der Familien-Oase ist wie die Planungen für einen Bürgerpark Kappenbusch noch nicht abgeschlossen. „Wenn es heißt, das ist wirtschaftlich nicht darstellbar, wird es schwierig“, weiß auch Lohse.

Für Jürgen Steinke von den Grünen bietet ein Freibad einen hohen Mehrwert. Es sei eine soziale Begegnungsstätte, biete ein naturnahes Landschaftserlebnis und die Möglichkeit für Gesundheitssportangebote. Außerdem könne es mit dem Bürgerpark integriert werden. Schon vor einiger Zeit meinte er, dass Reinigung und Pflege bei einem Naturfreibad nicht aufwendiger seien als mit Chlor und dass auch die Betriebskosten seiner Ansicht nach einem klassischen Außenbecken ähnlich seien.

Das Filterbeet ist unauffällig in der Freibad-Landschaft integriert.
Das Filterbeet ist unauffällig in der Freibad-Landschaft integriert. © Kaldewey

Bürgerbeteiligung

Bleiben die Kosten für den Bau der Anlage. In Ennigerloh wurde das vorhandene Becken umgebaut. In Heessen bestehen die alten Becken nicht mehr. Die Ampel-Koalition peilt einen größeren Wurf an, der mithilfe von Fördergeldern finanziert werden müsste. „Soweit sind wir aber noch nicht“, erklärt Lohse mit Blick auf die Machbarkeitsprüfung. Brennecke betont, dass man auch erst die Bürger mit ins Boot holen wolle, um herauszufinden, was gewünscht wird. Bis zu einer möglichen Realisierung werde noch einiges an Zeit ins Land gehen, weiß auch FDP-Vertreter Heinz-Rüdiger Kaldewey. Aber: „Wir wollen das jetzt angehen.“

Die Heessener CDU macht sich dagegen für ein klassisches Außenbecken stark. „Rausgeschmissenes Geld“ nennt Lohse gar mit Seitenblick den Betrag von rund 500 000 Euro, der in Bockum-Hövel für rund 100 Quadratmeter Außenbecken ausgegeben wurde. „Da kann man nichts drin machen“, findet er. Im Nachbarstadtteil hatte die SPD den Stein ins Rollen gebracht, die anderen Parteien befürworteten das Becken ebenfalls.

Kaldewey wiederum kritisiert: „Die CDU-Forderung verändert nichts. Das ist nicht mehr zeitgemäß, wir wollen in die Zukunft investieren.“ Für Lohse ist das Naturfreibad ein Teil der „Vision, wie Heessen in Zukunft aussehen wird. Da geht es um Jahrzehnte.“

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