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Heinz Booms: Weg soll künftig Namen von NS-Opfer tragen

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Von: Boris Baur

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Übermalt und überklebt: Der Name Heinz Booms (hier das Schild an der Sandstraße) soll aus dem Heessener Stadtbild verschwinden.
Übermalt und überklebt: Der Name Heinz Booms (hier das Schild an der Sandstraße) soll aus dem Heessener Stadtbild verschwinden. © Robert Szkudlarek

Der Name Heinz Booms soll aus dem Stadtbild verschwinden. Der nach ihm benannte Weg in Heessen soll künftig nach einem Mädchen benannt werden, das in Auschwitz ermordet wurde.

Heessen – Nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle durch den 2004 gestorbenen Geistlichen, der, wie der Westfälische Anzeiger berichtete, in den 60er Jahren als Kaplan der Gemeinde St. Stephanus gegenüber Kindern sexuell übergriffig geworden war, sollen die Straßenschilder mit seinem Namen verschwinden.

Um das zügig in die Wege zu leiten, waren sich die fünf Parteien der Heessener Bezirksvertretung schnell einig, dass der Dechant-Heinz-Booms-Weg, ein Geh- und Radweg zwischen Afyonring und Sandstraße, umbenannt werden soll. Über den gemeinsam gestellten Antrag stimmten die Bezirksvertreter nun ebenso einmündig in der Versammlung am Dienstagabend im Amtshaus ab.

„Ich danke allen für ihr so umgehend gemeinsame Handeln, damit das Schild entfernt wird“, sagte Bezirksbürgermeisterin Erzina Brennecke nach der Abstimmung.

Heessener Bürger hatten schon kurz nach dem Bekanntwerden der Taten ihre Meinung zum Heinz-Booms-Weg kundgetan und seinen Namen durchgestrichen und abgeklebt. Nachdem der erste Fall an die Öffentlichkeit gekommen war, hatten sich bald weitere Opfer gemeldet. Booms war jahrzehntelang Dechant in Hamm-Nord, zudem einer der Mitbegründer der Hospizbewegung in Hamm und in Heessen hoch angesehen. 2006 wurde der Weg nach ihm benannt.

Erinnerung an jüdische Familie

Künftig soll der Weg stattdessen an Hanni Lange erinnern. Den Vorschlag machte Friedel Moor, Vorsitzende der Heessener Bezirksfraktion der Grünen. Das jüdische Mädchen aus Hamm wurde im Oktober 1944 im Alter von zwölf Jahren wie ihre Mutter Else von den Nationalsozialisten im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. 1938 war die Familie nach Amsterdam geflohen, ehe sie im Juni 1943 dort verhaftet wurde. Vater Heinrich Lange wurde im KZ-Außenlager Kaufering umgebracht. Vor der ehemaligen Wohnung der Familie in der Killwinkler Straße 11 ist bereits 2008 ein Stolperstein eingebaut worden.

Moors Vorschlag gingen die Heessener Bezirksvertreter von SPD, CDU, Grünen, FDP und Linken allesamt mit. Der 1. stellvertretende Bezirksbürgermeister Heinrich Klockenbusch (CDU) regte an, auch ein erklärendes Schild zu Hanni Lange anzubringen. „Der Name alleine hat noch nicht die Wirkung, die er vielleicht haben sollte“, sagte er. Moor wiederum könnte sich auch vorstellen, ein Bild des Mädchens mitanzubringen. Denn: „Diese Menschen haben Gesichter.“

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