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Hammer Norden wird „Pastoraler Raum“ - 21.000 Gläubige betroffen

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Von: Joachim Best

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Die Herz-Jesu-Kirche an der Hammer Straße soll auf Dauer profaniert und verkauft werden.
Sie wird nicht mehr genutzt: Die Herz-Jesu-Kirche an der Hammer Straße soll auf Dauer profaniert und verkauft werden – eine Folge des Sparzwangs im Bistum Münster. © Henrik Wiemer (Archiv)

Das Bistum Münster hat mit den drei Pfarreien nördlich der Lippe in Hamm Großes vor: Sie sollen zu einem so genannten „Pastoralen Raum“ zusammengefasst werden. 21.000 Katholiken sind davon betroffen. Wir erklären die Bedeutung und die Zusammenhänge.

Hamm-Norden - Nachdem durch Fusionen in den Jahren 2004 und 2005 aus ehemals zehn Gemeinden drei große Pfarreien im zum Bistum Münster gehörigen Teil Hamms entstanden sind, steht jetzt die Bildung einer neuen Einheit nördlich der Lippe an. Das Dekanat Hamm-Nord, das die drei Pfarreien umfasst, soll einen Pastoralen Raum bilden. Dabei heißt es in den bischöflichen Vorgaben zu diesem Prozess ausdrücklich: „Es wird keine weiteren von Bischof Felix Genn verordneten Zusammenlegungen von Pfarreien geben.“ Zudem wird mehr Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien sowie zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen eingefordert.

Der neue Pastorale Raum nördlich der Lippe wird der kleinste im ganzen Bistum sein. Er umfasst rund 21.000 Katholiken. Insgesamt soll es im Bistum 40 bis 50 neue Pastorale Räume geben.

Das pastorale Team

In einer Auftaktveranstaltung für das Kreisdekanat Warendorf, zu dem das Dekanat Hamm-Nord gehört, wurden im September die Grundzüge der Pastoralen Räume vorgestellt. Eine Veranstaltung für das Dekanat Hamm-Nord ist am 9. Februar vorgesehen. Im Handout des Bistums „Entwicklung Pastoraler Strukturen“ heißt es, dass das pastorale Team in der Regel nicht mehr als höchstens acht hauptamtliche Mitarbeiter umfassen wird – abhängig von der Größe. Mit hauptamtlichen Mitarbeitern sind laut Bistumssprecher Dr. Stephan Kronenburg zunächst die Seelsorgerinnen und Seelsorger gemeint, also Priester, Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten sowie Diakone im Hauptamt. „Es bilden sich aber heute schon in einigen Pfarreien multiprofessionelle Teams, zu denen etwa Verwaltungsreferenten oder auch die Verbundleitungen von Kindertageseinrichtungen oder Sozialpädagogen gehören. Sicher muss auch dieses Personal in die künftigen Überlegungen miteinbezogen werden. Wie das erfolgen wird, ist noch nicht entschieden. Hier wird es eine Klärung im Laufe des Prozesses geben“, erklärt er weiter.

Aktuell leisten neun Seelsorgerinnen und Seelsorger ihren Dienst im künftigen Pastoralen Raum Hamm. Laut Kronenburg ist nicht entschieden, ob die Zahl bleibt oder sinken wird. „Wir befinden uns noch am Anfang des Prozesses. Einige der angedachten Pastoralen Räume im Kreisdekanat Warendorf (Ahlen, Everswinkel-Ostbevern-Telgte, Warendorf) sind, was die Katholikenzahl angeht, in etwa genauso groß wie der mögliche künftige Pastorale Raum Hamm. Hier wird man insgesamt – auch unter Berücksichtigung der Rückmeldungen von vor Ort – schauen müssen, wie eine gute Aufteilung des Personals gelingen kann. Sicher ist: Wir werden insgesamt perspektivisch deutlich weniger pastorales Personal und auch finanzielle Möglichkeiten haben.“

Zur Notwendigkeit, nach den vielen Gemeindefusionen im Bistum erneut neue Einheiten zu schaffen, wird Bischof Genn im Handout mit folgenden Worten zitiert: „Wir müssen die pastoralen Strukturen so gestalten, dass die Verkündigung der Frohen Botschaft unter in Zukunft deutlich veränderten Rahmenbedingungen weiter gut möglich sein wird.“

Die Kirche St. Josef in Heessen wurde profaniert und musste weichen.
Sie wurde abgerissen: Die Kirche St. Josef in Heessen wurde profaniert und musste weichen. Jetzt steht dort das Seniorenheim St. Josef. © Henrik Wiemer (Archiv)

Die Zahlen

Hinter den deutlich veränderten Rahmenbedingungen stehen vor allem Zahlen und Fakten, die für die katholische Kirche einen deutlichen Abwärtstrend beschreiben und im Handout aufgelistet werden. Danach wird die Zahl der Katholiken im Kreisdekanat Warendorf von 227.824 (bistumsweit 2.072.503) im Jahr 2000 auf voraussichtlich 119.459 (1.380.096) zurückgehen. Noch stärker ist der Rückgang bei den Gottesdienstbesuchern. Waren es im Bistum im Jahr 2000 noch rund 344.000, sank die Zahl im Jahr 2019 auf 147.000. Dann kam Corona, und im vergangenen Jahr besuchten nur noch 89.010 Menschen die Gottesdienste in den Kirchen des Bistums.

Auch in anderen Bereichen ging das kirchliche Leben massiv zurück. Taufen: von 21.037 im Jahr 2000 auf 14.060 im Jahr 2019. Eheschließungen: von 5621 im Jahr 2000 auf 3280 im Jahr 2019. Erstkommunion: von 26.396 im Jahr 200 auf 14.049 im Jahr 2019.

Nicht besser sieht es beim Seelsorgepersonal aus. Aktuell gibt es noch 380 Diözesanpriester. Ihre Zahl wird voraussichtlich auf rund 100 im Jahr 2040 sinken. Bei den Priestern der Weltkirche wird ein Rückgang von derzeit 165 auf 60 prognostiziert. 600 Pastoralreferenten und -referentinnen sowie -assistenten und -assistentinnen gab es im Jahr 2000. Ihre Zahl sinkt voraussichtlich auf 250 im Jahr 2040. Zudem rechnet das Bistum Münster mit einer Halbierung der „Kirchensteuerkraft“ bis 2060 im Vergleich zum Niveau des Jahres 2017.

Eine steile Kurve nach oben ist lediglich bei den Austritten zu verzeichnen. 7079 Personen verließen die katholische Kirche im Jahr 2000. In diesem Jahr waren es bis Juli bereits rund 13.000.

Der Zeitplan

Für die Bildung des neuen Pastoralen Raums im Norden Hamms ist der folgende Zeitplan vorgesehen:

Das Regional-Team

Für jedes Kreis-/Stadtdekanat gibt es ein Regional-Team. Es ist erster Ansprechpartner für Fragen in der jeweiligen Region. Es stellt die Verbindung sicher zwischen Kreis-/Stadtdekanat und Bistumsebene. Das Regional-Team für das Kreisdekanat Warendorf bilden der Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, Maria Bubenitschek (Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge) und Matthias Schlettert (Geschäftsführer des Kreisdekanats Borken).

Die Fusionen im Dekanat Hamm-Nord

Die Bildung neuer Pfarreien und Pastoraler Räume wird im Dekanat Hamm-Nord bereits seit langer Zeit diskutiert und auch vollzogen.

Mit dem Weggang von Pfarrer Paul Markfort im Jahr 2014 sollten auf Anordnung des Münsteraner Bischofs Dr. Felix Genn ursprünglich die beiden Pfarreien Papst Johannes (Heessen) und Clemens August Graf von Galen (Hamm-Norden) im Jahr 2015 fusioniert werden.

Auch diese beiden Pfarreien waren bereits Zusammenlegungen ehemals eigenständiger Gemeinden. Ihre Zusammenlegungen hatte Genns Vorgänger Dr. Achim Lettmann angeordnet: Papst Johannes ist zum 1. Advent 2004 aus St. Stephanus, St. Theresia, St. Marien und St. Josef hervorgegangen. Clemens August Graf von Galen ist aus Herz-Jesu und Maria Königin zum ersten Adventssonntag 2005 entstanden. Zum 1. Januar 2005 war die Pfarrei Heilig Geist aus den vier ehemals selbstständigen Gemeinden St. Stephanus, St. Pankratius, Herz-Jesu und Christus König gebildet worden.

Auch die Dekanatsstrukturen wollte der Münsteraner Bischof Genn im Jahr 2015 angehen und sechs Pastorale Räume zum neuen Dekanat Ahlen Hamm zusammenführen. Neben den Pfarreien des Dekanates Hamm-Nord gehörten die Pfarreien des Dekanats Ahlen dazu. Diese Pläne wurden nicht umgesetzt.

Was ist ein Pastoraler Raum?

wicklung der Pastoral (Seelsorge) vor Ort. Er er möglicht die pastoralen Vollzüge und seelsorgliche Differenzierungen auf verschiedenen Ebenen (Gemeinde/Pfarrei/überpfarrliche pastorale Arbeitsfelder) in wechselseitiger Abstimmung. Er gewährleistet die Kooperation unterschiedlicher Zuständigkeiten für pastorale Handlungsfelder auf lokaler und regionaler Ebene und bindet verschiedene pastorale Orte, Einrichtungen und Felder der speziellen (kategorialen) Seelsorge ein.

Ein Pastoraler Raum berücksichtigt in der Regel die Kreis- und Kommunalgrenzen, den Stand und die Entwicklung der Katholikenzahl sowie regionale Realitäten und Unterschiede.

Die Identifizierung der pastoralen Räume geschieht durch einen partizipativen, kommunikativen Prozess unter Berücksichtigung bereits geführter Prozesse, unter Einbeziehung und Vernetzung aktueller Prozesse (unter anderem Spar- und Strategieprozess, Freiwilligenengagement, vielfältige Leitungsformen), mit der Beteiligung Hauptamtlicher und Ehrenamtlicher (in Räten und Gremien) sowie mit der Beteiligung der Bistumsleitung und Bistumsverwaltung.

(Quelle: Handout des Bistums „Entwicklung Pastoraler Strukturen“)

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