Streit um Steingärten in Hamm

„Gärten des Grauens“ überall: Heessen ist voller Steinwüsten

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Viel Stein und eine Palme: Gartengestaltung in Heessen.

Heessen - Stein, Kies, Geröll: Viele Heessener Hausbesitzer haben Steingärten angelegt. Das zeigt ein Gang durch den Bezirk mit Friedrich Moor von den Grünen. Er fordert, Hausbesitzer zu zwingen und zu ermutigen, statt Steinen auf Pflanzen zu setzen.

„Ich glaube, das ist ansteckend“, sagt Friedrich Moor. Der grüne Bezirksvertreter hat bei einem Gang durch den Bezirk den Eindruck, dass immer mehr Steingärten entstehen. Saftig grüne Gärten, Blumen und Blüten? Das gäbe es immer seltener. Moor gefällt das nicht, so dass er die Steingärten auch schon in der Bezirksvertretung ansprach. Bisher ohne Folgen. Auch bundesweit wird das Thema diskutiert.

Moor hofft auf ein Landesgesetz, mit dem Eigentümer von Steingärten möglicherweise zu einer grünen Neugestaltung gebracht werden könnten. Die Steingärten findet Moor schlicht hässlich. Er erzählt von ironisch gemeinten Fotowettbewerben: Das Foto des hässlichsten Garten gewinnt. „Gärten des Grauens“ nennt Friedrich Moor diese.

Der Bezirksvertreter lehnt die Gärten aus vielen weiteren Gründen ab. Da sind die Tiere: Insekten fänden in Steingarten keine Nahrung, so dass es weniger gebe - und so auch weniger Vögel. Da ist der Boden: Wer Folien unter die Steine klebt, versiegelt den Boden, dieser trocknet aus. Regnet es dann stark, kann das Wasser nur in die Kanäle fließen, nicht versickern - die Kanalisation wird stark belastet. Und da ist das Klima: „Kiesflächen heizen sich in der Sonne wesentlich stärker auf als der von Pflanzen beschattete Erdboden“, erklären die Hammer Grünen in einer Beschlussvorlage.  Dadurch werde das Mikroklima beeinträchtigt.

"Gärten des Grauens": Wo in Heessen nichts blüht und wächst

Nun fordert Moor – und mit ihm die Parteikollegen –, dass die Stadt Neubaugebiete mit einer Gestaltungssatzung versieht, die Steingärten verbietet. Zugleich möchte er, dass die Verwaltung bestehende Siedlungsgebiete prüft: Gibt es dort eine Gestaltungssatzung, die Steingärten zwar ausschließt, aber niemand hat bislang drauf geachtet? Dabei denkt er an Zechenkolonien wie die am Hämmschen, denn dort gibt es häufig Gestaltungssatzungen.

Hoffnung setzt Moor auch in die „Bauverordnung für das Land NRW, insbesondere in deren Paragraf 8. Dort heißt es: „Die nicht mit Gebäuden oder vergleichbaren baulichen Anlagen überbauten Flächen der bebauten Grundstücke sind 1. wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen und 2. zu begrünen und zu bepflanzen, soweit dem nicht die Erfordernisse einer anderen zulässigen Verwendung der Flächen entgegenstehen.“ Moor versteht den Gesetzestext so, dass man damit Grundstücksbesitzer auch zwingen könnte, Steingärten in grüne Gärten umzuwandeln.

Neben der Peitsche sehen die Grünen in ihrem Beschlussvorschlag ein Zuckerbrot vor. Analog zu dem „Hof- und Fassadenprogramm“ soll die Stadt Anreizsysteme entwickeln, begleitet durch Beratungsangebote.

Friedrich Moor selbst ist einen Schritt weiter. Er weiß, dass Rasen nicht gut für Insekten ist und hat auf einer kleinen Fläche einen Versuch gestartet. Hier hat er den Rasen entfernt und eine Thymiansorte gepflanzt. Die soll viel insektenfreundlicher sein und fast so widerstandsfähig wie Rasen.

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