Häuser statt Currywurst

Nach 30 Jahren Aus für Kult-Imbiss an Heessener Straße

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Alles dicht: Der Imbiss am Kreisverkehr an der Heessener Straße ist geschlossen.

Hamm - Ohne Frage ist der SL-Imbiss am Kreisverkehr an der Heessener Straße Kult. Seit Samstag bleiben die Jalousien unten. Geschäftsführerin Sabine Herkt hat nach fast 30 Jahren aufgehört.

Der SL-Imbiss an der Heessener Straße 82 ist eine Institution in Heessen. Schnitzel, Gyros und die „Manta“-Platte gingen hier seit 1990 über die Ladentheke. Die Bratkartoffeln haben Sabine Herkt und ihr dreiköpfiges Team noch selbst geschnitten und gekocht. Am Samstag hatten sie den letzten Arbeitstag. Der Grund für das Aus: Der Pachtvertrag ist ausgelaufen. Einen Nachfolger gibt es nicht. „Wenn wir weitermachen würden, müssten wir investieren“, erklärt die Geschäftsführerin.

Der Eigentümer des Grundstücks, Martin Plück, will dort Wohnungen bauen. Architekten sind derzeit mit dem Vorentwurf beschäftigt, der dann mit dem Bauamt der Stadt Hamm abgestimmt werden soll.

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Viele Kunden wollten einfach nur reden

So mancher Stammkunde habe am Samstag vorm Tresen eine Träne verloren. Vor allem ältere Nachbarn würden die Schließung des Imbisses sehr bedauern. Viele Kunden kamen gar nicht, weil sie essen wollten. „Sie kamen, weil sie reden und ihre Geschichten erzählen wollten“, berichtet Herkt.

Sabine Herkt hat den Imbiss an der Heessener Straße 30 Jahre lang geführt.

In Erinnerung geblieben ist vor allem die Geschichte eines Mannes, der seine Frau durch plötzlichen Herztod am Heessener Markt verloren hat. „Den ersten Stopp hat er hier bei uns im Imbiss gemacht“, so Herkt. Ein Ehepaar aus Dolberg kommt seit 30 Jahren zum Essen her. Schöne, aber auch tragische Dinge haben die Mitarbeiter erlebt. Mehrfach ist im Imbiss eingebrochen worden. Auch einen bewaffneten Raubüberfall hat es gegeben. Die Mitarbeiterinnen reagierten resolut und hatten den Täter geschubst.

Essverhalten hat sich verändert

Das Essverhalten, glaubt Herkt, habe sich in den 30 Jahren verändert. Es wird weniger weggeworfen. „Die Kunden bestellen heute gezielter und essen auch bewusster“, findet sie. Früher war Currywurst mit Pommes angesagt. Vor allem die jungen Leute bestellen heute lieber beim Lieferservice oder essen bei den großen Fastfoodketten.

Mit der Zeit hat man sich den neuen Gegebenheiten angepasst. Zuletzt war der Imbiss nur noch bis 18 Uhr geöffnet, sonntags war Ruhetag. Neben Geschäftsführerin Sabine Herkt waren noch ihr Mann Michael – neben seiner beruflichen Tätigkeit – sowie ihre Mutter Gudrun van der Heyden, die den beliebten Mittagstisch eingeführt hat – und eine Festangestellte und eine Aushilfskraft im Imbiss beschäftigt.

Beruf ist anspruchsvoller geworden

„In so einer Konstellation darf niemand krank werden“, so Herkt. Es sei schwieriger geworden, Mitarbeiter zu finden. Der Beruf sei anspruchsvoller geworden. Nur durch Zufall hatte Sabine Herkt 1990 den Imbiss übernommen, weil sie die Gesellschafter persönlich kannte. „Zu einer anderen Zeit, wo alles viel einfacher war“, sagt Herkt.

Mittlerweile werde es einem von Außen schwieriger gemacht. Angefangen vom Verwaltungsaufwand für das Personal, über Sicherheitsauflagen bis hin zur Gastro-Ampel. Die 54-Jährige freut sich nun darauf, beruflich noch einmal neue Wege gehen zu können.

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