Streit in Heessener Gärten

Skurriler Zoff um Bäume und Zaun: Richter kocht Nachbarn klein

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Heessen - Drei Probleme haben die drei Nachbarn, und die heißen Rotbuche, Thuja und Zaun. Die gehören alle einem vierten Nachbarn – aber der sieht kein Problem. Und so legten die drei Nachbarn die drei Probleme in drei wortgleichen Klagen dem Amtsrichter vor.

Besagter Amtsrichter aber ließ durchblicken, für wie aussichtslos er die Klagen hielt – noch bevor die Prozessbeteiligten zu Worte kamen. Daraus könnte jeder etwas lernen, der Zoff mit seinem Nachbarn hat. Zwei der vier Prozessbeteiligten sind bekannt in Hamm und Heessen – einer von ihnen aber will seinen Namen in diesem Zusammenhang nicht in der Zeitung lesen. Deswegen wird nicht verraten, ob es sich bei den Beteiligten um Männer oder Frauen handelt und wo im Bezirk die kleine Geschichte spielt.

Und darum ging es:

  • Die Thuja wachse zu stark auf das Grundstück eines der Kläger, lautete ein Teil der Klage.
  • Die Rotbuche wachse zu hoch, spende zu viel Schatten und beeinträchtige mit ihren Wurzeln einen Gehweg – so der zweite Teil.
  • Und: Der Zaun sei zu hoch, das müsse man als Nachbar nicht hinnehmen.

Bevor Kläger- und Beklagtenseite zu Wort kamen, stellte der Richter am Amtsgericht ein paar Fakten klar: Zwei der Kläger hätten überhaupt kein Recht auf eine Klage, denn sie hätten keine gemeinsame Grundstücksgrenze mit dem Beklagten. Sie seien raus aus dem Verfahren, sofern es um überwachsende Äste oder Zäune geht. In Sachen Zaun stellte der Richter fest, dass Zäune der Klägerseite ebenso hoch seien wie der des Beklagten. Zudem habe der Beklagte eine Baugenehmigung für seinen Zaun.

Stadt hat kein Problem mit Wurzeln

Auch die Sache mit der Rotbuche stellte sich als wenig schwierige Angelegenheit heraus. Der Baum sei nicht in den vergangenen 14 Tagen plötzlich in die Höhe geschossen, stellte der Richter fest. Daher sei der größte Teil des Wachstums verjährt. Und der genannte Weg gehöre keinem der Kläger, sondern der Stadt Hamm: Wenn also jemand aktiv werden dürfe, dann die – aber die hat kein Problem mit den Wurzeln.

Abschneiden oder hübsch aussehen

Als nur wenig komplizierter stellte sich die grenzüberschreitend wachsende Thuja heraus. Der Nachbar habe das Recht, überhängende Äste einfach wegzuschneiden, wenn das der Eigentümer der Pflanze auf ihre Aufforderung hin nicht tue, sagte der Richter. Er wies darauf hin, dass bei einem Abschneiden der Äste die Pflanze nicht mehr hübsch grün aussehe, sondern das braune Innere der Thuja zu sehen sein werde. Ob er das wirklich wolle, konnte der Kläger auch auf Nachfrage nicht sagen.

Jetzt ist es dann offiziell: Die Klagen werden abgewiesen.

Und zu lernen ist: Manchmal ist es besser, einen Kompromiss einzugehen – das dient der Schonung von Nerven und Geldbeutel. Denn die Kosten des Verfahrens tragen die Kläger.

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