Mitglieder misstrauisch

Schloss Heessen schluckt Tennisanlage - „Gut gelaufen“ oder „abgekartet“?

Wechsel: Wo bislang die Spieler des DJK 26 Tennis Heessen spielten, schwingen künftig die Schüler des Gymnasiums Schloss Heessen
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Wechsel: Wo bislang die Spieler des DJK 26 Tennis Heessen spielten, schwingen künftig die Schüler des Gymnasiums Schloss Heessen die Schläger. Gäste sind willkommen.

Der Tennisverein ist tot, lang lebe das Tennis: Das Gymnasium Schloss Heessen wird einen Teil des Platzes des DJK-Tennisvereins weiter nutzen, nachdem der Verein seine Auflösung beschlossen hat. Das stößt auf Misstrauen bei einigen Mitgliedern. Und am Rande steht die Frage: Kann der Yunus Emre HSV seine Kunstrasenpläne tatsächlich umsetzen? Falls nicht, könnte das Schloss den Tennisplatz sogar in Gänze übernehmen.

Heessen - Das Gymnasium Schloss Heessen hatte in sozialen Netzwerken eine gute Nachricht abgesetzt: „Willkommen in der Schlossfamilie. Ab nächstem Frühjahr kann am Schloss endlich Tennis gespielt werden.“ Hashtags: #Tennisclub, #SchlossHeessen. Renke Reichler, kaufmännischer Leiter der Bildungseinrichtung bestätigt: „Das Tennisheim wird im Frühjahr entkernt und renoviert, wir wollen dort ein Gebäude im alt-anglischen Clubhausstil in einem modernen Mix einrichten.“

Gemeinsam mit der Pott‘s-Brauerei würde eine mittlere vierstellige Summe investiert. Allerdings: Die beiden zum Fußballplatz nebenan ausgerichteten Tennisplätze kommen weg, damit der geplante Kunstrasenplatz genug Platz hat.

Ein Tennisplatz für alle, nicht nur für Schüler des Schlosses

Reichler sagt, dass das Schloss dort Schülern Unterricht geben werde, die Schüler könnten die Plätze in ihrer Freizeit ebenso nutzen wie ehemalige Schüler. „Zur Buchung wird es ein Tool auf der Homepage geben“, kündigt Reichler an, „und man kann das Heim für Feiern mieten.“ Auf Nachfrage sagt er noch, selbstverständlich seien auch die früheren Mitglieder des Vereins DJK Tennis eingeladen und willkommen.

Mehrheit im Verein für Auflösung, Minderheit reagiert mit Unmut

Die Mehrheit der Vereinsmitglieder hat im August beschlossen, den Verein aufzulösen. Die Gründe waren schrumpfende Mitgliederzahlen und fehlender Nachwuchs. Und Vereinschef Peter Kisselt machte sich Sorgen um die geordnete Rückgabe des gepachteten Geländes an seinen Besitzer, die Boeselager-Familie, vertreten von Freiherr Franziskus von Ketteler. „Dann müssen wir unter Umständen den Rückbau von Vereinsheim und Plätzen bezahlen“, sagte Kisselt im Februar. Vorsitzender bleiben wollte er nicht: „Wenn sich jemand anderes findet, der in den Vorstand geht und weitermachen will, habe ich nichts dagegen.“ Es fand sich keiner. Kisselt ist sehr zufrieden, wie der Ausstieg aus dem Pachtvertrag gelaufen ist: „Es ist gut gelaufen, am 1. Dezember ist der Pachtvertrag beendet.“

Große Pläne: Das Vereinsheim des DJK 26 Heessen Tennis soll in alt-englischem Stil umgebaut werden - sagt der kaufmännische Leiter von Schloss Heessen - Gymnasium und Internat, Renke Reichler.

Zugleich gibt es Vereinsmitglieder, die mit Unmut reagieren bei der Nachricht, das Schloss nutze jetzt den Platz. „Der Tennisverein ist noch nicht ganz abgewickelt, da hat sich schon ganz zufällig ein Nachnutzer gefunden“, sagt ein engagiertes Mitglied, das ungenannt bleiben will, „Tennisheim und Platzanlage zum Nulltarif.“ Eine Minderheit der Mitglieder des Vereins hätte auch gern weitergemacht, der Pachtvertrag lief ja noch. Die Vermutung: Das sei von Beginn an ein „abgekartetes Spiel“ gewesen, um kostenneutral an die Anlage zu kommen.

Das Gymnasium Schloss Heessen schärft sein Profil

Das weist Reichler zurück, und von Ketteler auch. Nur bei der Frage, wer die Idee hatte, Gymnasium und Tennisplatz zueinander zu bringen, sind beide bescheiden. „Von Ketteler machte kürzlich diesen Vorschlag“, sagt Reichler, „und ich fand die Idee gut.“ Und von Ketteler sagt: „Das Interesse am Tennisplatz entstand schnell in der Geschäftsführung, das Schloss hat sofort die Chance gesehen, das Profil der Schule zu schärfen.“

Kommt der Kunstrasenplatz? Hier spielte der Yunus Emre HSV bis zum - zwischenzeitlichen? - Umzug nach Bockum-Hövel.

Eine Unsicherheit allerdings gibt es noch. Vor etwa einem Jahr beschlossen Bezirksvertretung und Rat, den Yunus Emre HSV dabei zu unterstützen, einen Kunstrasenplatz zu bekommen – der liegt an der Dolberger Straße direkt neben dem Tennisplatz. Auch hier ist von Ketteler der Eigentümer. Er wie das Schloss bestätigen, dass zwei der Tennisplätze dem Fußballplatz zugeschlagen werden sollen, damit dieser genügend Fläche hat. Voraussetzung: Von den 1,3 Millionen Euro, die Platz und Funktionsgebäude kosten, muss der Verein die Hälfte aufbringen.

Lange nicht genutzt: Auswechselbank auf dem derzeitigen Platz des Yunus Emre HSV.

Der aber ist ziemlich klein: Nach eigenen Angaben zählt er 270 Mitglieder, die meisten im Breitensport. Im Fußball sind zwei Seniorenmannschaften beim Verband gemeldet – in den Kreisligen B und D – und eine Altherrenmannschaft. Da gab es Zweifel daran, dass der Verein das stemmen kann. Sinan Karaagac, zweiter Vorsitzender des Clubs, versichert im Februar: „Wir können das Geld aufbringen, wir sind in guten Gesprächen mit den Banken.“ 500.000 Euro müssen in Bar her, 150.000 Euro können in Eigenleistungen beigesteuert werden.

Die Gerüchte um eine Hochzeits- oder Eventhalle

Mitte Januar tauchten auf dem Facebook-Auftritt der Yunus Emre HSV Zeichnungen auf, die die Planung eines geschätzt 800 Quadratmeter großen Gebäudes zeigen, ein Vereinsheim und eine Fußballhalle. Diese Zeichnungen waren offenbar Teil einer Mappe für potenzielle Sponsoren, in der das Projekt vorgestellt wird. Das Problem: Die Fußballhalle könnte von der Größe her auch ein Ort für – so die Vermutung: türkische – Hochzeiten sein. „Das könnten alte Zeichnungen sein“, sagte damals Sinan Karagaac, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, oder welche von einem Vereinsheim in Fröndenberg, das man sich angesehen habe. „Mit mir wird es hier keine Soccerhalle und auch keine Eventhalle geben“, sagt Karaagac im Januar, „und wir hätten auch gar nicht die finanziellen Mittel dafür.“

Jetzt ist Karagaac deutlich zurückhaltender. Der Verein wolle noch Gespräche führen mit dem neuen Oberbürgermeister und der Bezirksvertretung sowie mit dem Gymnasium Schloss Heessen. Ein Problem sei, dass sich noch immer Gerüchte im Bezirk hielten, der die Yunus Emre HSV wolle mit dem Vereinsheim einen Hochzeitssaal errichten. Und die Finanzierung wackele wegen der Corona-Pandemie: „Viele kleine Spender und Sponsoren haben derzeit selber Probleme“, sagt Karagaac, kleine Unternehmen seien zurückhaltend mit Spenden. „Die Sponsorensuche ist im Moment sehr schwierig, wir müssen die Finanzierung neu aufrollen.“ Im kommenden Monat hoffe man auf einen Termin beim neuen OB.

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