Wundertüte Wassergräben: Marode Mauern im Schloss Oberwerries?

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Heessen - Wenn ab heute das Wasser aus der Gräfte am Schloss Oberwerries abgelassen wird, weiß niemand so genau, was zum Vorschein kommt.

Und dabei geht es nicht nur um alte Fahrräder, die jemand in dem Wassergraben entsorgt haben könnte, oder Goldfische, die dort eigentlich nichts zu suchen haben.

Goldfische, Fahrräder und marode Mauern

Es geht um den Zustand der Mauern, die die Gräfte begrenzen. Uwe Sauerland ist im Oberbürgermeister-Büro für das Schloss zuständig, und er blickt kritisch auf die alten Steine. „Jetzt sieht man nur den Zustand der Mauern oberhalb des Wasserspiegels“, sagt er, „aber was kommt zum Vorschein, wenn der sinkt?“ 

Historische Dämmung und schräge Kamine - Besichtigung der Sanierungen auf Schloss Oberwerries

Zu vermuten sei, dass bereits knapp unterhalb des Wasserspiegels Schäden auftauchen – denn dort bewegt sich das Wasser am schnellsten. 

Letzte Kontrolle ist fast 70 Jahren her

Aber warum lässt man das Wasser der Gräfte überhaupt ab? Man könnte ja auch lieber nicht hingucken... Nein, sagt Sauerland, das geht nicht. Denn das Schloss und alle Wege stehen auf den Mauern – und das letzte Mal, dass die Grundmauern kontrolliert wurden, war in den 1950er-Jahren. 

Kaputter Sockel des Gemäuers.

Es wird also Zeit, mal wieder nachzuschauen, wie standsicher die Mauern heute noch sind. Immerhin hat die Stadt rund eine Million Euro bereitgestellt, um die Wasserläufe von Heessens und Hamms guter Stube zu sanieren. 

Zu schlechte Sicht für Taucher

Damit man einen Blick auf die Grundmauern werfen kann, wird langsam das Wasser abgelassen und in die Lippe geleitet – denn Taucher können nicht viel ausrichten: „Es ist viel zu schlammig da unten“, sagt Sauerland, „da sieht man nichts.“ 

Blick in die Gräfte von Schloss Oberwerries (von links): Frauke Frankenmöller, Andreas Wilhelm, Siegfried Kuss, Daniela Asch.

Für das Ablassen aber hat Sauerland eine ganze Reihe von Experten zurate gezogen. Ulf Rosenbaum zum Beispiel vom Umweltamt – er bringt Expertise aus der Sicht des Artenschützers in das Projekt. 

Oder Siegfried Kuss und Andreas Wilhelm – beide kennen sich mit Fischen bestens aus: Kuss ist stellvertretender Fischereiberater der Stadt und Wilhelm Chef der Hammer Sportfischer. 

Wasserpegel sinkt: Fische müssen raus

Denn in der Gräfte tummeln sich zahlreiche Fische, die leiden würden, wenn die Wassermenge sinkt. Also müssen die Fische raus. Mithilfe der Elektrofischerei werden die Tiere in die Lippe umgesetzt, sagt Kuss. 

Er erklärt, wie’s funktioniert: Beim Elektrofischen werde Strom durch das Wasser geleitet, und dann schwimmen die im Stromkreis befindlichen Fische zur Anode, wo sie eingesammelt werden können. 

„Wie gut das funktioniert, hängt von der Leitfähigkeit des Bodens ab“, fügt er hinzu. Wegen der Fische wird das Wasser auch nicht aus der Gräfte ab- und in die Lippe hineingepumpt. 

Strategien entwickeln um das Fischehäckseln

Kuss: „Dann würden die Fische gehäckselt.“ Und so führt ein neu angelegtes Rohr von der Gräfte in die Lippe, und zwar in einer beinahe natürlichen Neigung. Trotzdem kontrollieren die Fischexperten das Ablassen, auf dass Wassermenge und Tempo stimmen. 

Das Rohr wird übrigens bleiben – das kann man später noch brauchen. Welche Fische in der Gräfte leben, ist ebenso eine Wundertüte wie der Zustand der alten Mauern. „Wissen wir, ob nicht jemand sein Aquarium hier entsorgt hat?“, fragt Uwe Sauerland, „und finden wir hier Goldfische?“ Vielleicht. Und vielleicht schwimmen die ja um ein altes Fahrrad herum.

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